DAVID NAUGHTON – CONVENTION
Ein Werwolf aus London in Dortmund
David Naughton aus An American Werewolf in London durfte im April 2019 auf der Weekedn of Hell in Dortmund meine Blu-ray signieren. Ein ausgesprochen sympathischer und angenehmer Convention-Zeitgenosse, bei dem ich mich bis heute frage, warum seine Karriere nach diesem Film im Horrorgenre eigentlich nie richtig weiterging.
Denn ausgerechnet dieser eine Genreauftritt reichte aus, um Naughton für immer einen Platz in der Geschichte des modernen Werwolffilms zu sichern.
Dabei kam er ursprünglich auf einem ziemlich ungewöhnlichen Weg zu John Landis. Naughton war Ende der 1970er-Jahre durch die amerikanischen Dr-Pepper-Werbespots bekannt geworden. Landis kannte ihn daraus und sah in seiner sympathischen Ausstrahlung offenbar genau jene Qualität, die David Kessler brauchte. Naughton erzählte später selbst, dass er Landis beim ersten Treffen zusätzlich berichtete, bereits in London Schauspiel studiert und Großbritannien und Irland mit dem Fahrrad bereist zu haben. Eine klassische Casting-Odyssee gab es danach nicht: Landis bot ihm die Rolle an.
An American Werewolf in London erschien 1981 und besitzt heute völlig zu Recht Kultstatus. Besonders die berühmte Verwandlung von David Kessler gehört für mich zu jenen Momenten des praktischen Effektkinos, die auch Jahrzehnte später nichts von ihrer körperlichen Wirkung verloren haben. Rick Bakers Arbeit daran wurde Filmgeschichte: Baker gewann dafür 1982 den allerersten regulären Oscar für Best Makeup.
Und Naughton musste für diesen Klassiker einiges über sich ergehen lassen. Für die berühmte Szene nach seiner nächtlichen Verwandlung lief er tatsächlich nackt durch den London Zoo und befand sich sogar im Wolfsgehege. Seine beruhigende Information von den Tierpflegern: Die Wölfe waren bereits gefüttert worden. Weniger beruhigend dürfte gewesen sein, dass sich die Dreharbeiten verzögerten und irgendwann der Zoo für die normalen Besucher öffnete.
Vielleicht ist es gerade diese Mischung, die American Werewolf bis heute so besonders macht: grotesker Humor, tragische Liebesgeschichte und ein Horror, der sich nicht hinter digitaler Perfektion verstecken konnte. Wenn David sich verwandelt, muss der Körper leiden. Knochen verlängern sich, Hände verformen sich, der menschliche Körper scheint gegen seine neue Gestalt anzukämpfen.
Der Werwolf ist hier keine Superkraft.
Er ist eine Krankheit.
Und mitten in diesem Klassiker steht David Naughton, dessen David Kessler trotz aller Effekte niemals hinter dem Monster verschwindet.
Mein Treffen mit ihm in Dortmund verlief dagegen denkbar unspektakulär. Kein verrückter Zwischenfall, keine Geschichte über drei verschiedene Marker wie später bei Charlie Sheen. Naughton war einfach freundlich, natürlich und zugänglich, signierte meine Blu-ray und hinterließ bei mir den Eindruck eines Menschen, der seinen Kultstatus erstaunlich locker trägt.
Vielleicht passt das sogar ziemlich gut zu dem, was Naughton selbst über seine Convention-Auftritte gesagt hat: Er bezeichnet sich als jemanden, der gerne mit Menschen spricht und erfahren möchte, welchen Einfluss der Film auf ihr Leben hatte. Gerade auf Conventions begegneten ihm immer wieder Leute, die ihm erzählten, dass American Werewolf sie sogar dazu gebracht habe, selbst in Make-up und Spezialeffekte einzusteigen.
Das Treffen zwischen uns war so natürlich und unscheinbar, dass es als Begegnung selbst gar nicht besonders lange nachhallte.
Das Autogramm dagegen blieb.
Und vielleicht muss eine Convention-Erinnerung auch gar nicht immer eine große Geschichte ergeben. Manchmal genügt ein sympathischer Mensch, ein silberner Marker und eine signierte Blu-ray eines Films, der längst größer geworden ist als alle Beteiligten damals vermutlich ahnen konnten.
David Naughton wurde vielleicht nie zu einem großen Horrorstar.
Aber einmal Werwolf in London zu sein, hat offenbar vollkommen ausgereicht. 💀🐺🌕



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