INSIDIOUS: OUT OF THE FURTHER - 2026 - Kino - ofdb - Trailer
Ein letzter Ausflug ins Ewigreich
Gestern gönnte ich mir nach längerer Durststrecke endlich wieder einen Ausflug ins Kino Oberwallis. Man spielt dort für meinen Geschmack nun wirklich nicht gerade die Horrorfilme vom Himmel. Trotz Ankündigung schaffte es Ice Cream Man nie auf die Leinwand, Evil Dead Burn wurde ebenfalls komplett verschluckt – und so dauerte es eine ganze Weile, bis mich das Kleinstadtkino wieder vor die große Leinwand der Welt locken konnte.
Diesmal also: Insidious: Out of the Further.
Besonders voll war der Saal nicht. Dafür hatte ich in meiner Reihe ein paar Vertreter jener klassischen Teenager-Kinogattung sitzen, die einen irgendwann davon träumen lässt, die medienkritische Eröffnungssequenz aus Scream 2 möge plötzlich zur Dokumentation werden.
Aber ich habe nicht den Kinski gemacht.
Statt Ghostface führte meine Reise an diesem Abend zu einem anderen Schergen: Cyrus Lam aus dem Ewigreich.
Und wie so oft bei Insidious geht es hinter Dämonen, Geistern und Jumpscares eigentlich um etwas sehr Bürgerliches: die Familie als vermeintlich sicheren Ort – und die Angst davor, dass genau dieser Schutzraum von innen heraus zerstört wird.
Diesmal trifft es Gemma, gespielt von Amelia Eve, eine junge Mutter, die mit ihrer Tochter in jenes Haus zurückkehrt, in dem sie selbst aufgewachsen ist. Dort entdeckt sie nicht nur ihre Verbindung zum Ewigreich, sondern eine Fähigkeit, welche die bisherigen Regeln der Reihe erweitert: Gemma kann das Further betreten – und Dinge von dort mit zurück in unsere Welt bringen.
Eigentlich eine ziemlich geile Ausgangslage.
DAS EWIGREICH ÖFFNET SICH WIEDER
Nach Come Play von 2020 übernimmt Jacob Chase diesmal nicht nur die Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch; die Story entwickelte er gemeinsam mit David Leslie Johnson-McGoldrick. Produziert wurde das Ganze unter anderem von Jason Blum, James Wan, Oren Peli und Insidious-Schöpfer Leigh Whannell.
Und Chase bekommt durchaus einiges hin.
Out of the Further besitzt Tempo, gelegentlich eine angenehme Dreckigkeit und vor allem einige ausgesprochen starke Visionen seiner Hauptfigur. Wenn Gemmas Wahrnehmung auseinanderbricht und das Ewigreich in ihre Realität hineinzukriechen beginnt, erzeugt der Film stellenweise eine wunderbar klaustrophobische Atmosphäre.
Das Problem liegt für mich weniger in den einzelnen Ideen als darin, wie sie miteinander verbunden werden.
Der Film fühlt sich immer wieder hölzern zusammengesetzt an. Die Geschichte möchte größer, verschachtelter und raffinierter erscheinen, als sie eigentlich ist. Trotz des anhaltenden Tempos entsteht dadurch eine merkwürdige Sperrigkeit.
Oder anders gesagt:
Der Film rennt – und kommt trotzdem gelegentlich nicht vom Fleck.
Besonders deutlich wird das, wenn Out of the Further beginnt, seinen großen Masterplan auszupacken. Statt seinem Publikum zu vertrauen, erklärt er Zusammenhänge mit einer solchen Entschlossenheit, dass man beinahe erwartet, jemand würde einen Zweit Monitor für das Netflix Publikum heranschieben und den ganzen Kram noch einmal anhand tätowierter Grapefruits erläutern.
Die betreffende Szene besitzt jedenfalls genügend Material für eine weitere Scary Movie-Fortsetzung.
DIE FAMILIE ALS HAUNTED HOUSE
Dabei steckt unter all dem eine Idee, die ich wesentlich spannender finde.
Das eigentliche Haunted House der Insidious-Reihe war für mich nie nur ein Gebäude.
Es ist die Familie selbst.
Das Ewigreich greift Eltern und Kinder an, besetzt Körper, manipuliert Wahrnehmung und Erinnerung und dringt damit genau in jenen Raum ein, der eigentlich Sicherheit versprechen sollte. Das Übernatürliche kommt nicht einfach durch die Haustür – es benutzt die Menschen darin als Eingang.
Gemmas besondere Fähigkeit treibt diesen Gedanken sogar noch einen Schritt weiter.
Bisher gingen die Menschen ins Further.
Jetzt kann das Further mit ihnen zurückkommen.
Das hätte ein großartiger Ausgangspunkt sein können, um die vertraute Mythologie tatsächlich auf den Kopf zu stellen.
Leider sieht der Film häufig wesentlich gewöhnlicher aus, als seine Ideen es verdient hätten.
WENN DAS JENSEITS NACH MAKE-UP AUSSIEHT
Und genau hier liegt meine größte Enttäuschung.
Visuell wirkt Out of the Further an vielen Stellen erstaunlich einfallslos. Gerade bei einem Film, dessen komplette Mythologie davon lebt, einen Albtraumraum jenseits unserer Realität zu erschaffen, hätte ich wesentlich mehr Mut erwartet.
Auch bei einigen Geister-Make-ups hapert es für meinen Geschmack ordentlich.
Wenn ich bei einem Dämon darüber nachdenke, wie lange er wohl in der Maske gesessen hat, anstatt Angst vor ihm zu bekommen, läuft im Ewigreich etwas falsch.
Der Cast erledigt seine Arbeit ordentlich, ohne dass sich für mich jemand nachhaltig ins Gedächtnis brennt. Und natürlich ist da noch Lin Shaye als Elise Rainier.
Dass Elise längst tot ist, hält diese Reihe bekanntlich ungefähr so zuverlässig von weiteren Auftritten ab wie ein „Final Chapter“ ein erfolgreiches Horror-Franchise von einer Fortsetzung.
Shaye gehört mittlerweile zur DNA von Insidious. Interessant ist dabei, dass sie selbst über das Further sagt, dass ihr dessen genaue Natur nach all den Jahren keineswegs vollständig klar sei. Im neuen Film kehrt Elise als spirituelle Führungsfigur zurück, während die Mythologie um das Ewigreich weiter ausgebaut wird.
Ihre wenigen Szenen besitzen deshalb automatisch etwas Vertrautes.
Den Film retten können sie nicht.
DAS GROSSE FINALE. MAL WIEDER.
Insidious: Out of the Further versucht schließlich mit aller Macht, einen großen Showdown auf die Beine zu stellen und seine Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden.
Schließlich handelt es sich hier um einen weiteren großen Höhepunkt der Reihe.
Also den letzten Teil vor dem nächsten.
Und vielleicht beschreibt genau das mein Verhältnis zum Film am besten.
Er macht nicht besonders viel wirklich falsch. Er ist flott, besitzt einige starke Momente, erweitert die Mythologie des Ewigreichs und hat mit Gemmas Fähigkeit sogar eine Idee im Gepäck, aus der man wesentlich mehr hätte machen können.
Aber genau deshalb enttäuscht er mich auch.
Die Idee ist größer als ihre Inszenierung.
Wo Insidious früher mit Dunkelheit, Schatten und wenigen roten Türen ganze Albträume erzeugen konnte, wirkt das Ewigreich hier stellenweise wie eine Horrorattraktion, deren Kulissen ich bereits zu gut kenne.
Und so saß ich nach 106 Minuten wieder im Kino Oberwallis.
Übersalzenes Popcorn.
Cola Zero Zero.
Eintritt.
30 Franken.
War das ein schlechter Abend?
Nein.
War Insidious: Out of the Further ein schlechter Horrorfilm?
Auch nicht.
Aber Kino ist für mich inzwischen ein kleiner Luxus geworden. Und wenn ich dafür 30 Franken auf den Tisch lege und noch einmal ins Ewigreich geschickt werde, dann möchte ich dort Dinge sehen, die ich nicht schon aus fünf früheren Reisen kenne.
Vielleicht ist genau das der Fluch eines langlebigen Horror-Franchises:
Irgendwann verliert selbst das Jenseits seinen Schrecken, wenn man den Weg dorthin schon auswendig kennt.

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