Donnerstag, 30. Juli 2026

Review: Saint Clare – 2024

Heute in der Videothek der Nacht...

0040. Saint Clare – 2024 - Erstsichtung  - OFDb  - Trailer

Die Prime der Serienkillerfilme ist längst vorbei und fand für mich mit Dexter ihren vorläufigen Höhepunkt. Als Horror-Allesseher bleibt man dennoch ständig auf der Suche nach Filmen, die diesem Subgenre neue Impulse verleihen. Genau das gelingt Regisseurin Mitzi Peirone überraschend gut.

Der Mystery-Thriller basiert auf dem Roman Clare at Sixteen von Don Roff und erzählt die Geschichte der Teenagerin Clare, die als Serienkillerin an einer katholischen Schule ihrer Meinung nach bösen Männern das Licht ausknipst. Auf ihrem blutigen Weg stößt sie schließlich auf einen perfiden Ring von Mädchenmördern, wodurch sich der Film zunehmend vom klassischen Vigilanten-Thriller entfernt und immer stärker in mysteriöse Gefilde abdriftet.

Besonders auf der visuellen Ebene überzeugt Saint Clare mit einer stilvollen und sorgfältigen Inszenierung. Kaum zu glauben, dass der Film in gerade einmal 15 Drehtagen entstanden ist. Bella Thorne trägt den Film mit einer überraschend starken Präsenz und verleiht Clare eine Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit. Gleichzeitig schlägt der Film immer wieder leicht avantgardistische Töne an und verlässt bewusst die üblichen Erzählmuster des Genres.

Dass Guinevere Turner, die bereits am Drehbuch von American Psycho mitschrieb, an der Drehbuchfassung beteiligt war, überrascht im Nachhinein kaum. Auch Clare ist keine klassische Serienkillerin, sondern eine widersprüchliche Figur zwischen Moral, Wahnsinn und Selbstjustiz.

Besonders gelungen empfand ich die Inszenierung des Theaterstücks innerhalb der Schule, in dem die Schüler in andere Geschlechterrollen schlüpfen. Diese Sequenz wirkt wie eine Metapher für Clare selbst, die täglich zwischen der Rolle der unauffälligen Schülerin und ihrer Identität als rächende Serienkillerin wechseln muss. Dieser doppelte Spiegel verleiht dem Film eine diskussionswürdige Ebene, die über den eigentlichen Thriller hinausgeht.

Für die männliche Hauptrolle konnte die Produktion zudem Ryan Phillippe gewinnen, der dem Film zusätzliche Präsenz verleiht. Abgerundet wird das Gesamtbild durch den stimmungsvollen Score der Dark-Wave-Künstlerin Zola Jesus, deren Musik die entrückte Atmosphäre des Films hervorragend unterstützt.

Saint Clare macht vieles richtig und dürfte sowohl Fans von Serienkillerfilmen als auch Freunde stilvoller Mystery-Thriller ansprechen.

🕯️ Nachhall:
Kein neuer Dexter – aber ein ungewöhnlicher und visuell mutiger Beitrag zum inzwischen selten gewordenen Serienkiller-Genre.

Montag, 27. Juli 2026

Drei Abgesänge


Heute in der Videothek der Nacht... drei Filme, drei Abgesänge – auf den Slasher-Boom, das klassische Gothic-Kino und die goldene Ära von Full Moon.


0037. Todesparty 4 (Doom Asylum) – 1988 - Erstsichtung -  OFDb Trailer

Doom Asylum von Richard Friedman definiert sich zu keiner Sekunde als ernst gemeinter Slasher, sondern vielmehr als Parodie mit einer grandiosen, beinahe poetischen Trash-Affinität, die sich ebenso gut als Troma-Produktion verkaufen ließe. Jahre später sollten Astron-6 diese Art der Inszenierung weiterentwickeln oder Vito Trabuccos Bloody Bloody Bible Camp dem Slasher-Genre mit ähnlichem Augenzwinkern die letzte Ehre erweisen.

Die Darsteller – darunter Penthouse-Model Patty Mullen, die 1988 zum Penthouse Pet of the Year gewählt wurde – wirken bewusst talentfrei besetzt und fügen sich perfekt in die rund 88.000 Dollar teure Produktion ein. Das eigentliche Augenmerk liegt ohnehin auf den Kills und den herrlich überzeichneten Spezialeffekten. Gerade die legendäre Kreissägen-Sequenz gehört zu den Höhepunkten des Films.

Als Freund des 80er-Horrorkinos kann man Doom Asylum kaum etwas vorwerfen. Der Film ist eine herrlich sinnfreie, aber mit viel Herzblut inszenierte Trash-Slasher-Komödie.

Spannend ist auch die Entstehungsgeschichte: Da der Film im Endschnitt zu kurz geraten war, integrierte man kurzerhand Szenen aus fünf Schwarzweißfilmen mit Tod Slaughter. Was ursprünglich lediglich als pragmatisches Padding gedacht war, entwickelt rückblickend einen ganz eigenen Charme und wirkt heute beinahe wie eine respektvolle, wenn auch ungewöhnliche Hommage an das klassische Horrorkino.

🕯️ Nachhall:
Eine herrlich alberne Slasher-Parodie aus der Hochphase des Genres – Trashfaktor garantiert.


0038. Madhouse – 1974 - Zweitsichtung -  OFDb Trailer

Als Vincent Price in England eintraf, war er vom ursprünglichen Drehbuch zunächst enttäuscht. Schließlich wurde einer der Drehbuchautoren ersetzt und das Skript überarbeitet.

In Madhouse spielt Price im Grunde eine Variation seiner eigenen Leinwandpersona. Der Film ist dabei nicht nur ein Abgesang auf das klassische Gothic-Horrorkino, sondern zugleich der Schwanengesang der traditionsreichen Amicus Productions.

Price verkörpert einen alternden Horrorstar, dessen frühere Filme immer wieder eingeblendet werden, dessen Karriere gefeiert wird und der von seinen Fans nahezu kultisch verehrt wird. Dadurch wirkt Madhouse heute fast wie eine filmische Retrospektive – obwohl Vincent Price während der Dreharbeiten gerade einmal Anfang sechzig war.

Besonders reizvoll sind die zahlreichen Anspielungen auf seine eigene Karriere sowie die Verwendung von Ausschnitten aus früheren Filmen, die den nostalgischen Charakter zusätzlich unterstreichen.

🕯️ Nachhall: Madhouse ist weniger ein klassischer Slasher als vielmehr eine Liebeserklärung an das alte Horrorkino und an Vincent Price selbst.

0039. Shrunken Heads – 1994 - Erstsichtung -  OFDb  - Trailer

Eine herrlich skurrile Full-Moon-Produktion und damit ein weiteres schrulliges Charles-Band-Vehikel.

Regie führte Richard Elfman, der Bruder von Danny Elfman. Das unverkennbare Hauptthema stammt von Danny Elfman selbst, während der restliche Score vom langjährigen Full-Moon-Hauskomponisten Richard Band, dem Bruder von Charles Band, geschrieben wurde. Gerade die Musik sowie die liebevoll gestalteten Miniaturbauten gehören zu den großen Stärken des Films. Als dann noch No One Lives Forever von Oingo Boingo bei der Autoverfolgungsjagt verwendet wird, bin ich mitten im Geschehen der 90er Jahre angekommen.

Die Geschichte selbst ist dagegen herrlich grenzwertiger Unsinn. Wer mit Shrunken Heads etwas anfangen möchte, sollte ein Faible für genau diese Art von Low-Budget-Phantasie mitbringen. Ich selbst habe eine große Schwäche für solche kuriosen Filmideen, weshalb mich der Film trotz – oder vielleicht gerade wegen – seiner Absurdität bestens unterhalten hat.

🕯️ Nachhall: Völlig abstruse Full-Moon-Kost – ein kleines Charles-Band-Manifest.


Mittwoch, 22. Juli 2026

Noir Psychothriller, Roger Corman und Woman in Prison


0034. Machine Gun Kelly (1958) – Zweitsichtung – OFDbTrailer

Eine frühe Regiearbeit von Roger Corman mit Charles Bronson als skrupellosem Gangster Machine Gun Kelly. Ich mag die Sprache des Films und besonders, dass auch die deutsche Synchronisation den rauen Jargon der damaligen Zeit einfängt. Kellys selbstgefällige Sprüche verleihen der Figur zusätzlich eine arrogante Coolness, ohne sie ins Lächerliche abzudriften.

Der Film inszeniert das Gangstermilieu erstaunlich ernsthaft und vermittelt die Härte dieser Epoche überzeugend. Bronson trägt den Film mit seiner stoischen Präsenz mühelos. Empfehlenswert ist vor allem die ungeschnittene Blu-ray von Plaion, da sie eine zusätzliche Szene enthält, in der Kelly unter dem dominanten Einfluss seiner Freundin Florence steht. Dieser Moment verleiht der Figur eine unerwartete Verletzlichkeit und zeichnet ein deutlich facettenreicheres Charakterbild.

Historisch nimmt sich Machine Gun Kelly zwar einige Freiheiten, doch gerade dadurch wirkt die Geschichte straffer und dramaturgisch geschlossener. Für mich bleibt dies ein atmosphärisch dichter und spannender Gangsterfilm aus Roger Cormans früher Schaffensphase.

Nachhall: "Für mich zählt der Film bis heute zu den unterschätztesten Gangsterfilmen der 50er-Jahre."


0035. Der letzte Zug (1962) – Zweitsichtung – OFDbTrailer

Blake Edwards beweist hier, dass er nicht nur Komödien beherrschte. Der letzte Zug entwickelt eine beklemmende Spannung und überrascht immer wieder mit fast psychedelisch anmutenden Momenten, die vor allem durch den Täter entstehen. Gerade diese Szenen brennen sich nachhaltig ins Gedächtnis ein. Bei einer Zweitsichtung verliert der Überraschungseffekt zwar etwas an Wirkung, ihre intensive Atmosphäre bleibt jedoch erhalten.

Die Besetzung überzeugt auf ganzer Linie. Glenn Ford passt hervorragend in die Rolle des Ermittlers, auch wenn er sonst nicht zu meinen absoluten Favoriten zählt. Die eigentliche Entdeckung ist für mich jedoch Ross Martin, der dem Mörder ein verstörendes, beinahe hypnotisches Charisma verleiht. In einer kleinen Nebenrolle ist zudem Stephanie Powers zu sehen.

Nicht unerwähnt bleiben darf Henri Mancinis großartiger Score, der den Film entscheidend prägt. Seine Musik gehört für mich zu den nachhaltigsten und stimmungsvollsten Arbeiten seiner Karriere.

Nachhall: "Gerade Ross Martins Darstellung sorgt dafür, dass ich den Film auch Jahre später nicht vergessen habe."


0036. Reform School Girls (1986) – Zweitsichtung – OFDbTrailer

Vermutlich der einzige klassische Women in Prison-Film in meiner Sammlung – und das auch nur, weil er das Genre derart hemmungslos überzeichnet. Mit viel schwarzem Humor, Zynismus und einer ordentlichen Portion Sleaze entwickelt sich ein herrlich schräger Mix aus Exploitation-Kino und B-Movie-Wahnsinn.

Natürlich setzt der Film auf sämtliche Genrezutaten: knappe Dialoge, nackte Haut, überzeichnete Figuren und jede Menge schlüpfrige Situationen. Gerade diese kompromisslose Übertreibung macht jedoch einen großen Teil seines Reizes aus.

Regisseur Tom DeSimone hatte bereits mit Hell Night und dem inzwischen zum Kultfilm avancierten Savage Streets (1984) bewiesen, dass er ein Gespür für unbequemes Genrekino besitzt. Auch Reform School Girls nimmt sich zu keiner Sekunde ernst und liefert stattdessen genau das, was Fans schräger Exploitationfilme erwarten: laut, überdreht und herrlich geschmacklos.

Nachhall: "Sicher kein guter Film im klassischen Sinn – aber genau die Art von verrücktem Genrekino, die mein Sammlerherz höherschlagen lässt."


Montag, 20. Juli 2026

Blog 0010: ZDF-Programmansage von Elfi v. Kalckreuth zu "Tanz der Vampire" (25.10.1980)

Als Filmfan wird man ja oft nach seinem Lieblingsfilm gefragt: Viele scheuen da die Antwort. Ich nicht: Bei mir ist das The Fearless Vampire Killer - Tanz der Vampire der zugleich dann auch die Leidenschaft zum Genre entfacht hat. Hier also die schöne Ankündigung aus dem Jahre 1980.



Sonntag, 19. Juli 2026

...zum Gedenken an Sir Sam Neill


Heute in der Videothek der Nacht...

...zum Gedenken an Sir Sam Neill (1947–2026).

Mit Sam Neill verliert das internationale Kino einen der charismatischsten Schauspieler seiner Generation. Seine Rollen lebten nie von großen Gesten, sondern von einer ruhigen Präsenz, die selbst den finstersten Figuren Menschlichkeit oder Bedrohlichkeit verlieh. Aus diesem Anlass habe ich drei Filme aus meinem Archiv erneut angesehen, die ohne seine außergewöhnliche Darstellung kaum dieselbe Wirkung entfalten würden. Und nein – diesmal bleibt Jurassic Park bewusst außen vor.


0034. Barbara's Baby – Omen III – 1981 – Mehrsichtung – OFDbTrailer

Die dritte Fortsetzung der Omen-Reihe sieht für ihr Alter erstaunlich hochwertig aus. Sam Neill verkörpert den erwachsenen Damien Thorn mit einer ruhigen, latenten Bedrohlichkeit, sodass ich mir den Film ohne ihn kaum vorstellen kann. Zwar stammt die Reihe ursprünglich von Richard Donners legendärem Original, doch Regisseur Graham Baker führt die Geschichte würdig weiter. Dazu kommt Jerry Goldsmiths unverwechselbarer Score, der die beklemmende Atmosphäre perfekt trägt. Der Film schreckt auch vor unbequemen Themen wie religiösem Fanatismus und Kindstötungen nicht zurück. Auf die unnötige Fuchstötung hätte ich allerdings gut verzichten können.


0035. Event Horizon – 1997 – Mehrsichtung – OFDb Trailer

1997 hatte ich das Glück, Paul W. S. Andersons für mich bis heute stärksten Film im Kino zu erleben. Damals wurde ich von seiner Wucht und dem psychotischen Sog aus Höllenhorror und der Isolation des Weltraums regelrecht überwältigt. Auch heute hat Event Horizon nichts von seiner Intensität verloren. Sam Neill spielt den schleichenden Wandel ins Böse auf beeindruckende Weise und liefert sich mit Laurence Fishburne ein großartiges Schauspielduell. Mit an Bord ist außerdem Sean Pertwee, den ich 2019 auf einer Convention persönlich treffen durfte – eine schöne Erinnerung, die den Film für mich zusätzlich aufwertet.


0036. Daybreakers – 2009 – Mehrsichtung – OFDbTrailer

Die Spierig-Brüder gehören für mich zu den spannendsten Regisseuren Australiens. Besonders Predestination zählt bis heute zu meinen Lieblingsfilmen. Doch auch Daybreakers überzeugt mit einer ungewöhnlichen Idee: Sam Neill verkörpert den mächtigen Obervampir als kalten Wirtschaftsmagnaten – eine treffende Metapher für ein System, das seine eigene Lebensgrundlage aussaugt. Die Geschichte hebt sich angenehm von der üblichen Vampirkost ab und beeindruckt mit ihrer kühlen, sterilen Bildsprache. Gerade der sparsame Einsatz warmer Farben verstärkt diese Atmosphäre. Abgesehen von einigen inzwischen sichtbar gealterten CGI-Effekten funktioniert der Film für mich heute noch genauso gut wie damals. Schade, dass er immer etwas unter dem Radar geblieben ist, denn Besetzung, Tempo und Inszenierung überzeugen bis heute – und mit Ethan Hawke sowie Willem Dafoe ist der Film ohnehin hervorragend besetzt.



Freitag, 17. Juli 2026

Blog 009: Summerween Deko

 ...und dann habe ich bei Temu noch diese kleine knuddelige Summerween Deko gefunden und gleich installiert.

Ein Anders Thomas Jensen und Mads Mikkelsen Special


Heute in der Videothek der Nacht...

Vier Filme von Anders Thomas Jensen – Meister des rabenschwarzen Humors. Zwischen Tragikomödie, Sozialsatire und skurrilem Familiendrama erschafft der dänische Regisseur Figuren, die ebenso kaputt wie liebenswert sind. Gemeinsam mit Mads Mikkelsen entstand eine der spannendsten kreativen Partnerschaften des europäischen Kinos.

0030. Flickering Lights – 2000 – Erstsichtung – OFDbTrailer

Anders Thomas Jensens Regiearbeit schlägt noch deutlich in Richtung Gangsterfilm ein und erinnert stellenweise an Tarantino – allerdings mit wesentlich mehr sozialem Unterbau. Erzählerisch wirkt das Drehbuch noch etwas unausgegoren und lässt nicht jede Handlung konsequent zu Ende führen. Dennoch blitzt hier bereits jener herrlich absurde, trockene Humor auf, den ich an Jensens späteren Filmen so schätzen gelernt habe. Das dänische Ensemble harmoniert bereits hervorragend, steigert sich in den folgenden Produktionen jedoch noch einmal deutlich.


0031. Dänische Delikatessen – 2003 – Zweitsichtung – OFDbTrailer

Mittlerweile längst ein kleiner Kultfilm. Mads Mikkelsen zeigt hier eindrucksvoll, weshalb er zu den besten Schauspielern Europas zählt. Seine zurückhaltende und zugleich intensive Darstellung trägt den Film über weite Strecken. Gleichzeitig überrascht Jensen mit einem erstaunlich hohen Härtegrad, der die rabenschwarze Komödie immer wieder in düstere Gefilde abgleiten lässt. Tempo, Atmosphäre und makabrer Humor greifen wunderbar ineinander. Für mich steht und fällt der Film allerdings mit Mads Mikkelsen – ohne ihn wäre Dänische Delikatessen nur halb so stark.


0032. Adams Äpfel – 2005 – Zweitsichtung – OFDbTrailer

Mein persönlicher Lieblingsfilm von Anders Thomas Jensen. Die Geschichte um den idealistischen Pfarrer und den gewaltbereiten Neonazi (Hammer - Ulrich Thomsen) entwickelt sich zu einer ebenso bitterbösen wie tiefgründigen Sozialsatire. Zwischen tragischen Momenten, philosophischen Fragen und rabenschwarzem Humor entfaltet sich ein Film, der zeitlos wirkt und lange nachhallt. Getragen von einem herausragenden Ensemble zählt Adams Äpfel für mich zu den wichtigsten Werken des modernen dänischen Kinos. Einer der wenigen Filme, bei denen ich den Satz ohne Zögern verwende: Muss man gesehen haben.


0033. Men & Chicken – 2015 – Erstsichtung – OFDbTrailer

Mit Men & Chicken schlägt Jensen erneut einen anderen Weg ein und bewegt sich fast schon in Richtung grotesker Tragikomödie. Der Film ist stellenweise sehr dialoglastig, entwickelt jedoch zunehmend eine eigentümliche Faszination. Besonders das absurde Finale mit seinen beinahe horrorhaften Elementen hebt sich angenehm vom Mainstreamkino ab. Sicherlich kein Film für jedermann, doch gerade das ungewöhnliche Familiendrama und die Suche der Figuren nach ihren eigenen Wurzeln haben mich bestens unterhalten. Einer der eigenwilligsten Beiträge in Jensens Filmografie.


Hitlers Helfer I & II

Heute in der Videothek der Nacht...

Zwischen fiktivem Horror und den Abgründen der Realität liegt oft nur eine Erkenntnis: Das erschreckendste Monster ist bis heute der Mensch selbst.

0028–0029. Hitlers Helfer I & II – Guido Knopp

Zwischen den vielen Horror- und Genrefilmen in meinem Archiv finden sich auch immer wieder Dokumentationen, die den realen Schrecken der Geschichte beleuchten. Sie erinnern daran, dass das wahre Grauen nicht auf der Leinwand entstanden ist, sondern von Menschen ausgegangen ist.

Über zehn Jahre hatte ich mich mit dem Thema des Zweiten Weltkriegs kaum noch beschäftigt. Als ich die Tage die zwölfteilige Dokumentationsreihe Hitlers Helfer wieder aus dem Regal nahm, wurde mir bewusst, wie schnell historische Ereignisse mit der Zeit an Schärfe verlieren. Vieles wirkte beinahe surreal – gerade deshalb erschien es mir wichtig, diese Bilder und Zeitzeugenberichte erneut auf mich wirken zu lassen.

Guido Knopps Reihe porträtiert die engsten Vertrauten des NS-Regimes, ihren Aufstieg, ihre Rolle innerhalb des Machtapparates und schließlich ihren Niedergang. Zwar wiederholt sich das historische Bildmaterial zwischen den einzelnen Episoden gelegentlich, doch verliert es nichts von seiner bedrückenden Wirkung. Besonders die Zeitzeugeninterviews machen die Reihe bis heute zu einem wertvollen historischen Dokument.

Mich fasziniert dabei nicht das Regime selbst, sondern die Frage, wie Menschen Teil eines solchen Systems werden konnten und welche Mechanismen Macht, Ideologie und blinder Gehorsam entfalten können. Gerade in einer Zeit, in der die letzten Zeitzeugen verschwinden, halte ich solche Dokumentationen für wichtiger denn je. Sie erinnern daran, dass Geschichte nicht nur erinnert, sondern auch verstanden werden muss.


Montag, 13. Juli 2026

Ein Kannibale, Zombies und der Turm der Langweile

Heute in der Videothek der Nacht...

Ein missgelaunter Kannibale, australische Zombies und ein langweiliger Turm.

0025. Ebola Syndrome – 1996 – Drittsichtung – ofdb Trailer

Kaum ein CAT-III-Film ist so kompromisslos und moralisch verkommen wie Ebola Syndrome. Herman Yaus Skandalfilm kennt weder Hemmungen noch Anstand und präsentiert mit Anthony Wong einen der widerwärtigsten Filmcharaktere, die mir je begegnet sind. Gerade diese Rücksichtslosigkeit macht den Film bis heute zu einem ebenso faszinierenden wie verstörenden Vertreter des Hongkong-Exploitationkinos.

So unangenehm das Gesamtwerk auch ist – auf die berüchtigte Tierquälerei mit den Fröschen hätte ich gut verzichten können. Solche realen Snuff-Szenen verabscheue ich zutiefst. Man kennt sie leider bereits aus einigen italienischen Kannibalenfilmen, wo sie bewusst zur Schocksteigerung eingesetzt wurden. Für mich bleibt das ein dunkler Fleck eines ansonsten konsequent inszenierten Extremfilms.


0026. We Bury the Dead – 2024 – Erstsichtung – ofdbTrailer

Handwerklich hinterlässt die australische Produktion einen äußerst soliden Eindruck. Die sommerlichen Landschaften und das ruhige Setting verbreiten über weite Strecken sogar eine angenehme Summerween-Stimmung, die mir sehr gefallen hat.

Inhaltlich schlägt der Film allerdings einen anderen Weg ein, als ich erwartet hatte. Wer auf eine klassische Endzeit-Apokalypse mit gefährlichen Zombies hofft, dürfte eher enttäuscht werden. Das Horrorelement dient vielmehr als Rahmen für ein sehr persönliches Beziehungsdrama. Gleichzeitig gelingt es dem Film, das Genre immer wieder mit psychologischen Thriller-Elementen anzureichern. Besonders diese ruhigeren Passagen fand ich gelungen.

Letztlich überwog für meinen Geschmack jedoch das Beziehungsdrama. Hinzu kommt eine Hauptfigur, zu der ich nur schwer eine emotionale Bindung aufbauen konnte. Ein atmosphärischer Genrebeitrag mit interessanten Ansätzen, der mich aber nicht vollständig überzeugen konnte.


0027. Lookout – Der Turm – 2025 – Erstsichtung – ofdb Trailer

Bei Veröffentlichungen von Tiberius Film bin ich inzwischen etwas vorsichtig geworden. Im Horrorbereich finden sich immer wieder kleine Überraschungen, außerhalb des Genres greife ich dagegen nur noch mit Zurückhaltung zu.

Lookout – Der Turm bestätigt dieses Gefühl leider. Stefan Colsons zweiter Spielfilm entwickelt sich nur sehr schleppend und kommt über weite Strecken kaum in Fahrt. Erst im letzten Drittel gewinnt das übernatürliche Element etwas an Bedeutung – allerdings zu spät und letztlich auch zu zaghaft, um noch Spannung aufzubauen.

Am schwierigsten fiel mir die Einordnung des Films. Für Horror- und Mystery-Fans bleibt er zu harmlos und glatt inszeniert, Thrillerfreunden dürfte dagegen die nötige Spannung fehlen. So entsteht ein Film, der zwischen mehreren Genres pendelt, ohne eines davon wirklich auszureizen. Für mich leider eine Enttäuschung, die den Weg aus meiner Sammlung ebenso schnell wieder antreten wird.


Musik: Concrete Blonde - Bloodletting (The Vampire Song)



Manchmal entdeckt man einen Song erst Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung – und fragt sich sofort, warum er einem so lange entgangen ist. 

Bloodletting (The Vampire Song) vereint düsteren Alternative Rock mit einer beinahe hypnotischen Gothic-Atmosphäre. Inspiriert von Anne Rices Vampir-Romanen und der geheimnisvollen Aura New Orleans' entstand jedoch kein klassischer Horror-Song. Vielmehr nutzt Johnette Napolitano den Vampir als Sinnbild für Menschen, die anderen ihre Lebensenergie entziehen. 

Genau diese Mischung aus melancholischer Schönheit, dunkler Romantik und psychologischem Horror macht den Song für mich zu einer kleinen Entdeckung. Ein Stück, das hervorragend zwischen Horrorliteratur, Gothic-Kultur und den Universal-Monstern seinen Platz findet – und deshalb ab sofort auch in der Videothek der Nacht.

Sonntag, 12. Juli 2026

Bücher: Monica J. O'Rourke - Quäl das Fleisch

Die übergewichtige Zoey gerät in die Fänge eines grausamen Experiments, das sie um jeden Preis schlanker machen soll.

Was den Leser erwartet, ist eine über weite Strecken kompromisslose Mischung aus Torture Porn und Rape-and-Revenge-Erzählung. Beide Subgenres gehören nicht zu meinen Favoriten, und vermutlich hätte ich ohne das Festa-Abo nie zu diesem Roman gegriffen.

Die immer weiter eskalierenden sexuellen Misshandlungen nutzen sich mit der Zeit ab und verlieren ihre Wirkung. Statt Spannung oder emotionaler Wucht entsteht bei mir eher eine gewisse Gleichförmigkeit. Selbst wenn die Geschichte auf den letzten Seiten den Revenge-Aspekt stärker in den Vordergrund rückt, konnte sie mich nicht mehr erreichen.

Für mich bleibt Suffer the Flesh ein gnadenloser Folterroman, der zwar konsequent seinen Weg geht, mich als Leser aber emotional völlig kalt lässt. Ich gehöre schlicht nicht zum Zielpublikum dieser Art von Extrem-Literatur, in der Gewalt und Erniedrigung über weite Strecken den eigentlichen Inhalt bilden. Lasse aber gerne Raum für andere Meinungen.

Samstag, 11. Juli 2026

Sammelsurium der Nacht: Frankenstein Postkarte - Boris Karloff

Frankenstein ist mein Lieblingsmonster – obwohl Mary Shelley eigentlich eine ganz andere Frage stellt: Wer ist das wahre Monster? Das erschaffene Wesen oder der Mensch, der es erschafft und anschließend verstößt? Gerade diese moralische Ambivalenz fasziniert mich bis heute. 🖤

Diese schöne Postkarte konnte ich für gerade einmal 3.00 Franken bei Ricardo ergattern. Besonders mag ich das klassische Schwarzweiß-Motiv des Frankenstein-Monsters aus dem Universal-Klassiker von 1931.

Die Postkarte selbst stammt vermutlich aus den 1980er- oder 1990er-Jahren. In dieser Zeit veröffentlichte Classico San Francisco zahlreiche hochwertige Schwarzweiß-Postkarten mit den legendären Universal-Monstern. Ein kleines, aber schönes Sammlerstück, das in meiner Horror-Sammlung einen Ehrenplatz bekommt.

Drei Slasher der Neuzeit – viel Herzblut fürs Genre, aber nicht jeder Schnitt sitzt.

Heute in der Videothek der Nacht... Manchmal muss es einfach Slasher sein. Drei neuere Vertreter des Genres landeten heute im Player – mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Zwischen ehrlicher Genreliebe, bissiger Satire und einer gehörigen Portion Leerlauf war alles dabei.

0022. Bloody Axe Wound (2024)ErstsichtungOFDbTrailer

Uncle Peckerhead von Matthew John Lawrence fand ich damals eher überschaubar. Trotzdem steckte so viel Liebe zum Horrorgenre darin, dass ich den Film durchaus zu schätzen wusste. Genau das gilt auch für Bloody Axe Wound.

Die Geschichte ist zwar ziemlicher Mumpitz, doch Lawrence versteht es erneut, seine Leidenschaft für das Slasherkino in jede Szene einfließen zu lassen. Fanservice wird hier großgeschrieben und gerade Freunde klassischer Slasher kommen auf ihre Kosten. Die Darsteller tragen den Film über viele Längen hinweg, die Kills fallen angenehm deftig aus und die Kamera schaut erfreulich selten weg.

Solider Coming-of-Age-Slasher mit sympathischem Genrefan-Herz – ich hatte definitiv meinen Spaß.


0023. Tragedy Girls (2017)ErstsichtungOFDb Trailer

Tragedy Girls besitzt durchaus eine interessante gesellschaftskritische Ebene und setzt sich auf clevere Weise mit der Welt der sozialen Medien auseinander. Tyler MacIntyre verpackt diese Thematik in einen modernen Serienkiller-Slasher und beweist dabei einiges an handwerklichem Geschick.

Mit den beiden Hauptfiguren wurde ich allerdings nie richtig warm. Sie bleiben bewusst unsympathisch, was zwar zum Konzept passt, mir den Zugang zum Film aber erschwert hat. Die Kills können sich sehen lassen und auch der Coming-of-Age-Aspekt funktioniert ordentlich. Trotzdem fehlte mir etwas mehr schwarzer Humor. So pendelt der Film permanent zwischen zynischem Slasher, Satire und Teenagerdrama, ohne sich für eine Richtung wirklich zu entscheiden.

Durchaus sehenswert, aber bei mir wollte der Funke nicht vollständig überspringen.


0024. Kill Her Goats (2023)ErstsichtungOFDbTrailer

Nach einem vielversprechenden Auftakt mit Kane Hodder als Goatface hatte ich zunächst große Hoffnungen. Leider verliert Kill Her Goats schon nach kurzer Zeit deutlich an Fahrt.

Über weite Strecken begleitet der Film drei Playboy-Playmates auf einer ausgedehnten Hausbesichtigung, bevor sich im letzten Drittel Goatface und Evil Batman endlich ans Werk machen. Bis dahin heißt es allerdings vor allem: viel nackte Haut, wenig Spannung und reichlich Leerlauf.

Als Horrorfan braucht man hier schon eine ordentliche Portion Wohlwollen, um bis zum Ende dranzubleiben. Der Film beweist einmal mehr, dass attraktive Darstellerinnen allein keine neunzig Minuten tragen können. Zu viele peinliche Momente, zu viele nervige Figuren und insgesamt zu wenig Substanz.

Ich habe mich ehrlich gesagt eher durch den Film gekämpft, als ihn wirklich genossen.


Freitag, 10. Juli 2026

Extended Editions und ein 90er Actionklassiker

0019. Central Intelligence – Extended Edition – 2016 – Zweitsichtung 2026 - ofdbTrailer

In den späten 2010er-Jahren galten Dwayne Johnson und Kevin Hart als eines der erfolgreichsten Buddy-Duos des Actionkinos. Zum zehnjährigen Jubiläum habe ich dem Film eine Zweitsichtung spendiert und musste feststellen, dass er kaum etwas von seinem Tempo oder seinem Charme eingebüßt hat.

Empfehlen würde ich allerdings klar den Extended Cut, der rund neun Minuten zusätzliches Material bietet und einige Gags besser wirken lässt. Nicht jeder Gag zündet, doch insbesondere Kevin Hart läuft hier zu Höchstform auf und sorgt für viele der stärksten Momente. Lockeres, kurzweiliges Action-Comedy-Kino mit hohem Unterhaltungswert.


0020. Baywatch – Extended Edition – 2017 – Zweitsichtung 2026 -  ofdbTrailer

Trotz des damaligen Kassenmagneten Dwayne Johnson entwickelte sich Baywatch zu einem finanziellen Flop – und das nicht ganz ohne Grund. Einige Actionszenen wirken erstaunlich unausgereift und auch die CGI-Effekte überzeugen nur selten. Statt auf die charmante Leichtigkeit der Fernsehserie setzt der Film fast ausschließlich auf derben Humor, der nicht selten an der Grenze zur Peinlichkeit entlangschrammt.

Wer den Film dennoch sehen möchte, sollte auch hier zur etwa fünf Minuten längeren Extended Edition greifen. Ursprünglich als Auftakt einer neuen Filmreihe geplant, wurden die Pläne nach dem enttäuschenden Einspielergebnis schnell wieder begraben. Eigentlich schade – mit einem stärkeren Drehbuch hätte aus dem Stoff durchaus mehr werden können.


0021. Ronin – 1998 – Mehrsichtung 2026 - ofdbTrailer

Gut zwanzig Jahre lagen zwischen meiner Neusichtung von Ronin. Heute kann ich mit Überzeugung sagen, dass John Frankenheimers Actionklassiker hervorragend gealtert ist. Die europäischen Schauplätze verleihen dem Film bis heute eine besondere Atmosphäre, während die handgemachten Stunts und legendären Verfolgungsjagden eindrucksvoll beweisen, wie zeitlos praktisch inszenierte Action sein kann.

Gerade der bewusste Verzicht auf übermäßige Computeranimation verleiht dem Film eine Authentizität, die vielen modernen Produktionen fehlt. Dazu kommt ein hervorragend besetzter Cast, der das Geschehen mühelos trägt. Ronin erinnert daran, warum das große Actionkino der späten 90er Jahre bis heute einen so hervorragenden Ruf genießt. Solche Filme werden heute nur noch selten produziert – umso schöner, dass sie nichts von ihrer Faszination verloren haben.


Donnerstag, 9. Juli 2026

Found Footage, Film Noir und eine Spuckhaus in Venedig

0016. V/H/S/99 – 2022 – ofdbTrailer

Ein weiterer gelungener Beitrag aus dem V/H/S -Found-Footage-Horroranthologie-Franchise. Wie bei jeder Episodensammlung zünden nicht alle Geschichten gleich gut – müssen sie auch gar nicht. Gerade dieser Mix aus unterschiedlichen Ideen und Regisseuren macht für mich den Reiz der Reihe aus. Obwohl Found Footage sonst nicht unbedingt zu meinen Lieblingsgenres zählt, freue ich mich jedes Mal auf einen neuen Teil aus dieser Ecke. Die V/H/S -Filme schaffen es immer wieder, frische Horrorideen in kompakter Form zu präsentieren und bleiben für mich eine der spannendsten Anthologiereihen der letzten Jahre.


0017. Das Todeshaus am Fluss – 1950 – ofdbTrailer

Die großen Fritz-Lang-Klassiker wie Metropolis, M – Eine Stadt sucht einen Mörder oder die Dr.-Mabuse-Filme genießen völlig zurecht Kultstatus. Das Todeshaus am Fluss wird dagegen oft übersehen – völlig zu Unrecht. Lang verbindet hier poetisches Melodram mit psychologischem Kriminalfilm und erschafft eine düstere Atmosphäre, die lange nachwirkt.

Allein die bedrückende Schönheit der Südstaatenkulisse und der unheilvoll wirkenden Villa verleihen dem Film eine ganz eigene Identität. Auch bei meiner Zweitsichtung entfaltet sich der Sog der Geschichte erneut. Besonders gelungen ist, wie Fritz Lang die zunächst nur angedeuteten übernatürlichen Elemente bis zum Finale immer weiter verdichtet. Ein außergewöhnlicher Film Noir, der deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.


0018. A Haunting in Venice – 2023 – ofdbTrailer

Nach Tod am Nil, den ich eher enttäuschend fand, hielt sich meine Vorfreude auf einen weiteren Kenneth-Branagh-Poirot-Film zunächst in Grenzen. Im Nachhinein ein Irrtum.

Mit A Haunting in Venice schlägt Branagh einen deutlich düstereren Weg ein. Die sterile Hochglanzoptik und die künstlich wirkenden CGI-Kulissen weichen einem atmosphärischen Geisterkrimi, der gekonnt zwischen rationaler Ermittlungsarbeit und spiritistischen Séancen balanciert. Das nahezu vollständig nächtliche, abgeschlossene Setting verleiht dem Film ein spürbares Gewicht. Die Handlung entwickelt sich bewusst langsam und nimmt sich Zeit, ihre beklemmende Stimmung aufzubauen – eine Entscheidung, die sich für mich absolut auszahlt und den Film klar über seinen Vorgänger hebt.

Mittwoch, 8. Juli 2026

Endzeit, Dinos und ein italienischer Menschenfresser

0013. Der Flug zur Hölle (1959)OFDbTrailer

Ich mag diese unschuldige Naivität des phantastischen Kinos der 50er-Jahre. The Land Unknown kann dabei durchaus mit seinen Genrekollegen aus der Jules-Verne-Ecke mithalten. Auch wenn manche Effekthascherei heute reichlich plump wirkt und der Film eher als gemütlicher Sonntagnachmittag-Zeitvertreib funktioniert, hat er sich seinen Charme über die Jahrzehnte bewahrt.

Auf die Stock-Footage-Echsenkämpfe und den lieblosen Umgang mit einem kleinen Affen hätte ich allerdings gerne verzichtet. Das gehört leider ebenso zur damaligen Denkweise des Kinos. Insgesamt bleibt ein solides Dino-, Survival- und Abenteuer-Fantasy-Vergnügen mit nostalgischem Flair.


0014. Afterburn (2025)OFDbTrailer

Ich habe dem Film innerhalb eines Jahres nun eine Zweitsichtung gegönnt, und er funktioniert mit etwas Abstand genauso gut wie beim ersten Mal. Gerade sein Minimum an Handlung spielt ihm in die Karten. Das hohe Tempo und der Rhythmus tragen den Film mühelos über die gesamte Laufzeit.

Ich mag dystopische Endzeitfilme, und Dave Bautista macht seine Sache einmal mehr souverän. Besonders sein Filmcharakter hat mir hier richtig gut gefallen. Hochwertig inszenierte, rasante Action mit einem durchaus gehobenen Härtegrad – genau die Art von Unterhaltung, die ich in diesem Genre gerne sehe.


0015. Man-Eater – Der Menschenfresser (1980)OFDbTrailer

Joe D'Amato hat im Laufe seiner Karriere so ziemlich jede filmische Ausgeburt der Hölle abgeliefert – von Pornos bis hin zu Kannibalenfilmen. Vieles davon bewegt sich qualitativ im überschaubaren Bereich, besitzt aber oft genau den rauen Charme, der dem europäischen Genrekino seinen besonderen Reiz verleiht.

Sein persönliches Meisterstück bleibt für mich jedoch Sado aus dem Jahr 1979.

Man-Eater hängt aus heutiger Sicht dagegen ziemlich in den Seilen. Das zähe Tempo und die hanebüchenen Abläufe verlangen dem Zuschauer einiges an Geduld ab. Wirklich interessant dürfte der Film daher nur noch für eingefleischte D'Amato-Komplettisten und Freunde obskurer Videothekenware sein – und vielleicht ist genau das auch völlig in Ordnung.


Dienstag, 7. Juli 2026

Special 001: Nick Cave in Montreux

Habt ihr schon einmal 30 Jahre auf ein Konzert gewartet? Nein? Ich schon. Letzten Sonntag war es endlich so weit: Nick Cave in Montreux.

Als Jugendlicher stolperte ich in der Bravo über Bands wie The Cure und Depeche Mode. Damit begann meine Reise in die Goth-Szene – sehr zum Leidwesen meiner Eltern, die das damals als gewöhnliche pubertäre Phase abtaten. Heute, über drei Jahrzehnte später, besteht meine Garderobe immer noch zu 99 Prozent aus schwarzen Kleidungsstücken. Zu dieser melancholischen Welt gehört für mich seit jeher auch Nick Cave.

Es gibt nur wenige Künstler, die über Verlust, Liebe und das Weiterleben sprechen können, ohne dabei kitschig zu wirken. Nach dem Tod seines Sohnes sagte Nick Cave einmal:

„Trauer ist nicht etwas, das verschwindet. Sie verändert sich mit der Zeit – und Liebe bleibt.“

Das Konzert selbst war imposant, intensiv und emotional aufwühlend. Cave gab auf der Bühne alles. Leider war der Sound über weite Strecken schlicht zu laut gemischt und für mich, teilweise kaum auszuhalten. Und wenn meine Musikfreundin Arlette nach über zig Konzerten und mehr als 55 Jahren Konzerterfahrung sagt, dass dies das lauteste Konzert ihres Lebens war, dann hat das Gewicht.

Trotzdem nehme ich etwas viel Wertvolleres mit nach Hause. Nicht einen bestimmten Song. Nicht die perfekte Setlist. Sondern die gemeinsame Zeit mit meiner lieben Musikfreundin Arlette.

Nach einer Woche voller Abschiede und Trauer war ihre Begleitung für mich das schönste Geschenk dieses Tages – vielleicht sogar schöner als das Konzert, auf das ich über 30 Jahre gewartet habe.

Merci, Arlette. 🖤


(Bilder oben stammen von der Montreux Facebook Seite)

Montag, 6. Juli 2026

Die Braut und der Erotischer Blutstein

0010. Evil Watcher (1994)OFDb Trailer

Ein etwas kruder Mix aus Horror, Erotik und Klopperfilm. Der eigentliche Horror beschränkt sich allerdings auf ein Glas mit einem deformierten Fleischgeschwür samt Glubschauge, das nach und nach verschiedene Menschen besessen macht. Insgesamt läuft das alles eher auf Sparflamme. Dafür gibt es reichlich Matratzentango und nackte Haut zu sehen.

Trotzdem entwickelt dieser kleine Videothekenfund aus den 90ern genügend Charme, damit man gerne bis zum Abspann dranbleibt. Gerade diese leicht schmuddelige B-Movie-Atmosphäre macht heute fast mehr Spaß als der eigentliche Horror.


0011. Bloodstone (1988)OFDbTrailer

Ganz im Fahrwasser von Der Juwel vom Nil kommt Bloodstone als Action-Abenteuer mit einer ordentlichen Portion Comedy daher. Besonders das indische Setting und die schönen Landschaften verleihen dem Film einen gewissen Reiz und helfen darüber hinweg, dass die Geschichte immer wieder von Comic-Relief-Figuren mit eher mäßigen Gags ausgebremst wird.

Kein großer Wurf, aber durchaus sympathische Abenteuerkost aus einer Zeit, in der solche Filme noch regelmäßig den Weg in die Videotheken fanden.


0012. Bride! Es lebe die Braut (2026)OFDbTrailer

Maggie Gyllenhaal interpretiert den klassischen Stoff als feministische Neuinterpretation und rückt Frankensteins Braut konsequent ins Zentrum der Geschichte. Die Idee finde ich grundsätzlich spannend. In der Umsetzung wirkt der Film auf mich jedoch erstaunlich konzeptlos.

Zwischen Kunstfilm, Musical, Bonnie-und-Clyde-Romanze und Romeo und Julia-Anleihen verliert sich die Geschichte immer wieder in endlosen Dialogen und stellenweise uncharmantem Overacting. Weder Christian Bale noch Penélope Cruz können daran viel ändern.

Am Ende bleibt für mich ein optisch ambitioniertes, aber emotional erstaunlich wirkungsloses Flickwerk.

Sonntag, 5. Juli 2026

Camp Slasher und Road Movie


0007. Bible Bible Camp – 2012 – ofdbTrailer

Als ich den Film von Vito Trabucco vor gut zehn Jahren besprochen habe, verglich ich ihn in meinem jugendlichen Leichtsinn mit den Werken des von mir sehr geschätzten Ryan Nicholson. So weit würde ich nach der dritten Sichtung heute nicht mehr gehen – allerdings reviewe ich Filme inzwischen auch etwas anders.

Sichtlich als Hommage an den klassischen Camp-Slasher inszeniert, dient vor allem Freitag der 13. als grosse Inspirationsquelle. Viel nackte Haut, jede Menge augenzwinkernde Parodie und herrlich überdrehte Kills sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Mit der Verpflichtung der Porno-Ikone Ron Jeremy setzt der Film zudem auf eine Portion Religionskritik – eine Besetzung, die heute wohl kaum noch denkbar wäre.

Ich mag diese ausufernden, völlig überzeichneten Charaktere, wie sie auch bei Ryan Nicholson immer wieder auftauchen. Bible Camp erreicht dessen Niveau zwar nicht, besitzt aber genügend Charme, um Freunden kleiner Independent-Slasher durchaus Freude zu bereiten.


0008. Sleepaway Camp – 1983 – ofdbTrailer

In meinem Misfits-Leben habe ich wohl Tausende Horrorfilme gesehen – doch kaum ein Finale hat mich so verstört wie jenes von Sleepaway Camp. Allein die Art, wie Robert Hiltzik die letzte Szene mit dieser aufwühlenden Tonspur und den verstörenden Bildern inszeniert, hebt den Film bis heute von nahezu jedem anderen Camp-Slasher ab.

Auch die provokante, stellenweise unangenehm laszive Grundstimmung kratzt immer wieder an Grenzen und verleiht dem Film eine ganz eigene Identität. Im Mittelpunkt steht weniger der Bodycount als die schwere, unbequeme Geschichte um Angela. Die Morde bleiben vergleichsweise zurückhaltend, wirken aber gerade deshalb schmutzig und effektiv. Hiltzik weiss genau, wie viel er zeigen muss, damit das Kopfkino den Rest übernimmt.

Für mich bis heute einer der eigenständigsten und nachhaltig verstörendsten Vertreter des Camp-Slashers und schön das Retro Gold den endlich Uncut in HD rausbrachte. 


0009. Chasers – Zu sexy für den Knast – 1994 – ofdb Trailer

Eine klassische Romantic-Road-Comedy aus den guten alten Leihvideotagen von Dennis Hopper, der sich selbst eine kleine Nebenrolle gönnt. William McNamara trägt den Film zwar nicht ganz alleine über die Distanz, dafür sorgen Erika Eleniak und Tom Berenger für genügend Charisma.

Chaser ist sicher kein vergessener Geheimtipp und reisst keine Bäume aus, bietet aber solide und sympathische 90er-Jahre-Unterhaltung. Genau jene Art von Film, die man früher spontan aus der Videothek mitgenommen hat und die heute fast schon nostalgisch wirkt. Dazu kommt die nicht zu verachtende Bettszene mit Erika Eleniak.

Bücher: Wrath James White - Unersättlich


Für die Schönheitsindustrie wird Patienten die DNA von Feldspitzmäusen injiziert – jenem Tier mit dem schnellsten Stoffwechsel der Natur. Plötzlich verbrennen die aufgenommenen Kalorien schneller, als sie überhaupt gespeichert werden können. Der Körper wandelt sie unmittelbar in ATP um, das von den Muskeln ebenso rasch wieder verbraucht wird. Zurück bleibt nur eines: ein unstillbarer Hunger, der sich mit nichts mehr befriedigen lässt.

Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass mich Horror nie wegen seiner Monster fasziniert hat. Es sind die Ängste dahinter. Gute Horrorgeschichten halten uns oft einen Spiegel vor und machen sichtbar, was wir im Alltag lieber verdrängen. Genau deshalb hat mich Unersättlich so beschäftigt.

Genau dort setzt Wrath James White mit Unersättlich an.

Gerade in einer Zeit, in der Abnehmspritzen wie Ozempic ständig in den Medien präsent sind, musste ich beim Lesen unweigerlich daran denken, welche Ängste viele Menschen begleiten, wenn sie eine solche Behandlung irgendwann beenden. White nimmt diese Angst vor dem Hunger und überzeichnet sie zu einem gnadenlosen Horrorszenario. Was zunächst wie eine medizinische Innovation wirkt, entwickelt sich zu einer blutigen, kompromisslosen Gesellschaftssatire über Schönheitswahn, Konsum und den menschlichen Körper.

Natürlich bleibt White seinem Ruf treu. Wer zu einer Festa Extrem-Ausgabe greift, weiß, dass hier weder Gore noch Splatter zu kurz kommen. Unersättlich ist stellenweise extrem, manchmal geradezu widerwärtig – aber unter der blutigen Oberfläche steckt eine erstaunlich bissige Idee, die lange nachwirkt.

Freitag, 3. Juli 2026

Musik: The Last Dinner Party - Big Dog (On The Road)

 

 (via)

...die Band habe ich gerade neu für mich entdeckt. Die Stimme erinnert mich doch tatsächlich an Siouxsie and the Banshees - ich liebe es!!