Donnerstag, 9. Juli 2026

Found Footage, Film Noir und eine Spuckhaus in Venedig

0016. V/H/S/99 – 2022 – ofdbTrailer

Ein weiterer gelungener Beitrag aus dem V/H/S -Found-Footage-Horroranthologie-Franchise. Wie bei jeder Episodensammlung zünden nicht alle Geschichten gleich gut – müssen sie auch gar nicht. Gerade dieser Mix aus unterschiedlichen Ideen und Regisseuren macht für mich den Reiz der Reihe aus. Obwohl Found Footage sonst nicht unbedingt zu meinen Lieblingsgenres zählt, freue ich mich jedes Mal auf einen neuen Teil aus dieser Ecke. Die V/H/S -Filme schaffen es immer wieder, frische Horrorideen in kompakter Form zu präsentieren und bleiben für mich eine der spannendsten Anthologiereihen der letzten Jahre.


0017. Das Todeshaus am Fluss – 1950 – ofdbTrailer

Die großen Fritz-Lang-Klassiker wie Metropolis, M – Eine Stadt sucht einen Mörder oder die Dr.-Mabuse-Filme genießen völlig zurecht Kultstatus. Das Todeshaus am Fluss wird dagegen oft übersehen – völlig zu Unrecht. Lang verbindet hier poetisches Melodram mit psychologischem Kriminalfilm und erschafft eine düstere Atmosphäre, die lange nachwirkt.

Allein die bedrückende Schönheit der Südstaatenkulisse und der unheilvoll wirkenden Villa verleihen dem Film eine ganz eigene Identität. Auch bei meiner Zweitsichtung entfaltet sich der Sog der Geschichte erneut. Besonders gelungen ist, wie Fritz Lang die zunächst nur angedeuteten übernatürlichen Elemente bis zum Finale immer weiter verdichtet. Ein außergewöhnlicher Film Noir, der deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.


0018. A Haunting in Venice – 2023 – ofdbTrailer

Nach Tod am Nil, den ich eher enttäuschend fand, hielt sich meine Vorfreude auf einen weiteren Kenneth-Branagh-Poirot-Film zunächst in Grenzen. Im Nachhinein ein Irrtum.

Mit A Haunting in Venice schlägt Branagh einen deutlich düstereren Weg ein. Die sterile Hochglanzoptik und die künstlich wirkenden CGI-Kulissen weichen einem atmosphärischen Geisterkrimi, der gekonnt zwischen rationaler Ermittlungsarbeit und spiritistischen Séancen balanciert. Das nahezu vollständig nächtliche, abgeschlossene Setting verleiht dem Film ein spürbares Gewicht. Die Handlung entwickelt sich bewusst langsam und nimmt sich Zeit, ihre beklemmende Stimmung aufzubauen – eine Entscheidung, die sich für mich absolut auszahlt und den Film klar über seinen Vorgänger hebt.

Mittwoch, 8. Juli 2026

Endzeit, Dinos und ein italienischer Menschenfresser

0013. Der Flug zur Hölle (1959)OFDbTrailer

Ich mag diese unschuldige Naivität des phantastischen Kinos der 50er-Jahre. The Land Unknown kann dabei durchaus mit seinen Genrekollegen aus der Jules-Verne-Ecke mithalten. Auch wenn manche Effekthascherei heute reichlich plump wirkt und der Film eher als gemütlicher Sonntagnachmittag-Zeitvertreib funktioniert, hat er sich seinen Charme über die Jahrzehnte bewahrt.

Auf die Stock-Footage-Echsenkämpfe und den lieblosen Umgang mit einem kleinen Affen hätte ich allerdings gerne verzichtet. Das gehört leider ebenso zur damaligen Denkweise des Kinos. Insgesamt bleibt ein solides Dino-, Survival- und Abenteuer-Fantasy-Vergnügen mit nostalgischem Flair.


0014. Afterburn (2025)OFDbTrailer

Ich habe dem Film innerhalb eines Jahres nun eine Zweitsichtung gegönnt, und er funktioniert mit etwas Abstand genauso gut wie beim ersten Mal. Gerade sein Minimum an Handlung spielt ihm in die Karten. Das hohe Tempo und der Rhythmus tragen den Film mühelos über die gesamte Laufzeit.

Ich mag dystopische Endzeitfilme, und Dave Bautista macht seine Sache einmal mehr souverän. Besonders sein Filmcharakter hat mir hier richtig gut gefallen. Hochwertig inszenierte, rasante Action mit einem durchaus gehobenen Härtegrad – genau die Art von Unterhaltung, die ich in diesem Genre gerne sehe.


0015. Man-Eater – Der Menschenfresser (1980)OFDbTrailer

Joe D'Amato hat im Laufe seiner Karriere so ziemlich jede filmische Ausgeburt der Hölle abgeliefert – von Pornos bis hin zu Kannibalenfilmen. Vieles davon bewegt sich qualitativ im überschaubaren Bereich, besitzt aber oft genau den rauen Charme, der dem europäischen Genrekino seinen besonderen Reiz verleiht.

Sein persönliches Meisterstück bleibt für mich jedoch Sado aus dem Jahr 1979.

Man-Eater hängt aus heutiger Sicht dagegen ziemlich in den Seilen. Das zähe Tempo und die hanebüchenen Abläufe verlangen dem Zuschauer einiges an Geduld ab. Wirklich interessant dürfte der Film daher nur noch für eingefleischte D'Amato-Komplettisten und Freunde obskurer Videothekenware sein – und vielleicht ist genau das auch völlig in Ordnung.


Dienstag, 7. Juli 2026

Musik: Nick Cave in Montreux

Habt ihr schon einmal 30 Jahre auf ein Konzert gewartet? Nein? Ich schon. Letzten Sonntag war es endlich so weit: Nick Cave in Montreux.

Als Jugendlicher stolperte ich in der Bravo über Bands wie The Cure und Depeche Mode. Damit begann meine Reise in die Goth-Szene – sehr zum Leidwesen meiner Eltern, die das damals als gewöhnliche pubertäre Phase abtaten. Heute, über drei Jahrzehnte später, besteht meine Garderobe immer noch zu 99 Prozent aus schwarzen Kleidungsstücken. Zu dieser melancholischen Welt gehört für mich seit jeher auch Nick Cave.

Es gibt nur wenige Künstler, die über Verlust, Liebe und das Weiterleben sprechen können, ohne dabei kitschig zu wirken. Nach dem Tod seines Sohnes sagte Nick Cave einmal:

„Trauer ist nicht etwas, das verschwindet. Sie verändert sich mit der Zeit – und Liebe bleibt.“

Das Konzert selbst war imposant, intensiv und emotional aufwühlend. Cave gab auf der Bühne alles. Leider war der Sound über weite Strecken schlicht zu laut gemischt und für mich, teilweise kaum auszuhalten. Und wenn meine Musikfreundin Arlette nach über zig Konzerten und mehr als 55 Jahren Konzerterfahrung sagt, dass dies das lauteste Konzert ihres Lebens war, dann hat das Gewicht.

Trotzdem nehme ich etwas viel Wertvolleres mit nach Hause. Nicht einen bestimmten Song. Nicht die perfekte Setlist. Sondern die gemeinsame Zeit mit meiner lieben Musikfreundin Arlette.

Nach einer Woche voller Abschiede und Trauer war ihre Begleitung für mich das schönste Geschenk dieses Tages – vielleicht sogar schöner als das Konzert, auf das ich über 30 Jahre gewartet habe.

Merci, Arlette. 🖤


(Bilder oben stammen von der Montreux Facebook Seite)

Montag, 6. Juli 2026

Die Braut und der Erotischer Blutstein

0010. Evil Watcher (1994)OFDb Trailer

Ein etwas kruder Mix aus Horror, Erotik und Klopperfilm. Der eigentliche Horror beschränkt sich allerdings auf ein Glas mit einem deformierten Fleischgeschwür samt Glubschauge, das nach und nach verschiedene Menschen besessen macht. Insgesamt läuft das alles eher auf Sparflamme. Dafür gibt es reichlich Matratzentango und nackte Haut zu sehen.

Trotzdem entwickelt dieser kleine Videothekenfund aus den 90ern genügend Charme, damit man gerne bis zum Abspann dranbleibt. Gerade diese leicht schmuddelige B-Movie-Atmosphäre macht heute fast mehr Spaß als der eigentliche Horror.


0011. Bloodstone (1988)OFDbTrailer

Ganz im Fahrwasser von Der Juwel vom Nil kommt Bloodstone als Action-Abenteuer mit einer ordentlichen Portion Comedy daher. Besonders das indische Setting und die schönen Landschaften verleihen dem Film einen gewissen Reiz und helfen darüber hinweg, dass die Geschichte immer wieder von Comic-Relief-Figuren mit eher mäßigen Gags ausgebremst wird.

Kein großer Wurf, aber durchaus sympathische Abenteuerkost aus einer Zeit, in der solche Filme noch regelmäßig den Weg in die Videotheken fanden.


0012. Bride! Es lebe die Braut (2026)OFDbTrailer

Maggie Gyllenhaal interpretiert den klassischen Stoff als feministische Neuinterpretation und rückt Frankensteins Braut konsequent ins Zentrum der Geschichte. Die Idee finde ich grundsätzlich spannend. In der Umsetzung wirkt der Film auf mich jedoch erstaunlich konzeptlos.

Zwischen Kunstfilm, Musical, Bonnie-und-Clyde-Romanze und Romeo und Julia-Anleihen verliert sich die Geschichte immer wieder in endlosen Dialogen und stellenweise uncharmantem Overacting. Weder Christian Bale noch Penélope Cruz können daran viel ändern.

Am Ende bleibt für mich ein optisch ambitioniertes, aber emotional erstaunlich wirkungsloses Flickwerk.

Sonntag, 5. Juli 2026

Camp Slasher und Road Movie


0007. Bible Bible Camp – 2012 – ofdbTrailer

Als ich den Film von Vito Trabucco vor gut zehn Jahren besprochen habe, verglich ich ihn in meinem jugendlichen Leichtsinn mit den Werken des von mir sehr geschätzten Ryan Nicholson. So weit würde ich nach der dritten Sichtung heute nicht mehr gehen – allerdings reviewe ich Filme inzwischen auch etwas anders.

Sichtlich als Hommage an den klassischen Camp-Slasher inszeniert, dient vor allem Freitag der 13. als grosse Inspirationsquelle. Viel nackte Haut, jede Menge augenzwinkernde Parodie und herrlich überdrehte Kills sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Mit der Verpflichtung der Porno-Ikone Ron Jeremy setzt der Film zudem auf eine Portion Religionskritik – eine Besetzung, die heute wohl kaum noch denkbar wäre.

Ich mag diese ausufernden, völlig überzeichneten Charaktere, wie sie auch bei Ryan Nicholson immer wieder auftauchen. Bible Camp erreicht dessen Niveau zwar nicht, besitzt aber genügend Charme, um Freunden kleiner Independent-Slasher durchaus Freude zu bereiten.


0008. Sleepaway Camp – 1983 – ofdbTrailer

In meinem Misfits-Leben habe ich wohl Tausende Horrorfilme gesehen – doch kaum ein Finale hat mich so verstört wie jenes von Sleepaway Camp. Allein die Art, wie Robert Hiltzik die letzte Szene mit dieser aufwühlenden Tonspur und den verstörenden Bildern inszeniert, hebt den Film bis heute von nahezu jedem anderen Camp-Slasher ab.

Auch die provokante, stellenweise unangenehm laszive Grundstimmung kratzt immer wieder an Grenzen und verleiht dem Film eine ganz eigene Identität. Im Mittelpunkt steht weniger der Bodycount als die schwere, unbequeme Geschichte um Angela. Die Morde bleiben vergleichsweise zurückhaltend, wirken aber gerade deshalb schmutzig und effektiv. Hiltzik weiss genau, wie viel er zeigen muss, damit das Kopfkino den Rest übernimmt.

Für mich bis heute einer der eigenständigsten und nachhaltig verstörendsten Vertreter des Camp-Slashers und schön das Retro Gold den endlich Uncut in HD rausbrachte. 


0009. Chasers – Zu sexy für den Knast – 1994 – ofdb Trailer

Eine klassische Romantic-Road-Comedy aus den guten alten Leihvideotagen von Dennis Hopper, der sich selbst eine kleine Nebenrolle gönnt. William McNamara trägt den Film zwar nicht ganz alleine über die Distanz, dafür sorgen Erika Eleniak und Tom Berenger für genügend Charisma.

Chaser ist sicher kein vergessener Geheimtipp und reisst keine Bäume aus, bietet aber solide und sympathische 90er-Jahre-Unterhaltung. Genau jene Art von Film, die man früher spontan aus der Videothek mitgenommen hat und die heute fast schon nostalgisch wirkt. Dazu kommt die nicht zu verachtende Bettszene mit Erika Eleniak.

Bücher: Wrath James White - Unersättlich


Für die Schönheitsindustrie wird Patienten die DNA von Feldspitzmäusen injiziert – jenem Tier mit dem schnellsten Stoffwechsel der Natur. Plötzlich verbrennen die aufgenommenen Kalorien schneller, als sie überhaupt gespeichert werden können. Der Körper wandelt sie unmittelbar in ATP um, das von den Muskeln ebenso rasch wieder verbraucht wird. Zurück bleibt nur eines: ein unstillbarer Hunger, der sich mit nichts mehr befriedigen lässt.

Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass mich Horror nie wegen seiner Monster fasziniert hat. Es sind die Ängste dahinter. Gute Horrorgeschichten halten uns oft einen Spiegel vor und machen sichtbar, was wir im Alltag lieber verdrängen. Genau deshalb hat mich Unersättlich so beschäftigt.

Genau dort setzt Wrath James White mit Unersättlich an.

Gerade in einer Zeit, in der Abnehmspritzen wie Ozempic ständig in den Medien präsent sind, musste ich beim Lesen unweigerlich daran denken, welche Ängste viele Menschen begleiten, wenn sie eine solche Behandlung irgendwann beenden. White nimmt diese Angst vor dem Hunger und überzeichnet sie zu einem gnadenlosen Horrorszenario. Was zunächst wie eine medizinische Innovation wirkt, entwickelt sich zu einer blutigen, kompromisslosen Gesellschaftssatire über Schönheitswahn, Konsum und den menschlichen Körper.

Natürlich bleibt White seinem Ruf treu. Wer zu einer Festa Extrem-Ausgabe greift, weiß, dass hier weder Gore noch Splatter zu kurz kommen. Unersättlich ist stellenweise extrem, manchmal geradezu widerwärtig – aber unter der blutigen Oberfläche steckt eine erstaunlich bissige Idee, die lange nachwirkt.

Freitag, 3. Juli 2026

Musik: The Last Dinner Party - Big Dog (On The Road)

 

 (via)

...die Band habe ich gerade neu für mich entdeckt. Die Stimme erinnert mich doch tatsächlich an Siouxsie and the Banshees - ich liebe es!!