Habt ihr schon einmal 30 Jahre auf ein Konzert gewartet? Nein? Ich schon. Letzten Sonntag war es endlich so weit: Nick Cave in Montreux.
Als Jugendlicher stolperte ich in der Bravo über Bands wie The Cure und Depeche Mode. Damit begann meine Reise in die Goth-Szene – sehr zum Leidwesen meiner Eltern, die das damals als gewöhnliche pubertäre Phase abtaten. Heute, über drei Jahrzehnte später, besteht meine Garderobe immer noch zu 99 Prozent aus schwarzen Kleidungsstücken. Zu dieser melancholischen Welt gehört für mich seit jeher auch Nick Cave.
Es gibt nur wenige Künstler, die über Verlust, Liebe und das Weiterleben sprechen können, ohne dabei kitschig zu wirken. Nach dem Tod seines Sohnes sagte Nick Cave einmal:
„Trauer ist nicht etwas, das verschwindet. Sie verändert sich mit der Zeit – und Liebe bleibt.“
Das Konzert selbst war imposant, intensiv und emotional aufwühlend. Cave gab auf der Bühne alles. Leider war der Sound über weite Strecken schlicht zu laut gemischt und für mich, teilweise kaum auszuhalten. Und wenn meine Musikfreundin Arlette nach über zig Konzerten und mehr als 55 Jahren Konzerterfahrung sagt, dass dies das lauteste Konzert ihres Lebens war, dann hat das Gewicht.
Trotzdem nehme ich etwas viel Wertvolleres mit nach Hause. Nicht einen bestimmten Song. Nicht die perfekte Setlist. Sondern die gemeinsame Zeit mit meiner lieben Musikfreundin Arlette.
Nach einer Woche voller Abschiede und Trauer war ihre Begleitung für mich das schönste Geschenk dieses Tages – vielleicht sogar schöner als das Konzert, auf das ich über 30 Jahre gewartet habe.
Merci, Arlette. 🖤

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