Sonntag, 5. Juli 2026

Bücher: Wrath James White - Unersättlich


Für die Schönheitsindustrie wird Patienten die DNA von Feldspitzmäusen injiziert – jenem Tier mit dem schnellsten Stoffwechsel der Natur. Plötzlich verbrennen die aufgenommenen Kalorien schneller, als sie überhaupt gespeichert werden können. Der Körper wandelt sie unmittelbar in ATP um, das von den Muskeln ebenso rasch wieder verbraucht wird. Zurück bleibt nur eines: ein unstillbarer Hunger, der sich mit nichts mehr befriedigen lässt.

Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass mich Horror nie wegen seiner Monster fasziniert hat. Es sind die Ängste dahinter. Gute Horrorgeschichten halten uns oft einen Spiegel vor und machen sichtbar, was wir im Alltag lieber verdrängen. Genau deshalb hat mich Unersättlich so beschäftigt.

Genau dort setzt Wrath James White mit Unersättlich an.

Gerade in einer Zeit, in der Abnehmspritzen wie Ozempic ständig in den Medien präsent sind, musste ich beim Lesen unweigerlich daran denken, welche Ängste viele Menschen begleiten, wenn sie eine solche Behandlung irgendwann beenden. White nimmt diese Angst vor dem Hunger und überzeichnet sie zu einem gnadenlosen Horrorszenario. Was zunächst wie eine medizinische Innovation wirkt, entwickelt sich zu einer blutigen, kompromisslosen Gesellschaftssatire über Schönheitswahn, Konsum und den menschlichen Körper.

Natürlich bleibt White seinem Ruf treu. Wer zu einer Festa Extrem-Ausgabe greift, weiß, dass hier weder Gore noch Splatter zu kurz kommen. Unersättlich ist stellenweise extrem, manchmal geradezu widerwärtig – aber unter der blutigen Oberfläche steckt eine erstaunlich bissige Idee, die lange nachwirkt.

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