Montag, 7. September 2026

Review: Burke and Hare - 2010

BURKE & HARE - 2010 - Mehrsichtung - ofdb - Trailer

Zu Ehren des kürzlich verstorbenen Tim Curry hatte ich mal wieder Lust, mich Burke & Hare zu widmen – einer dieser Filmperlen, bei denen ich einfach nicht müde werde, sie mir immer wieder anzusehen.

Ich liebe diesen John-Landis-Film. Für mich bietet er eine nahezu perfekte Mischung aus True Crime, schwarzer Komödie und historischem Horror. Das liegt nicht nur an der wunderbaren Edinburgh-Atmosphäre, dem dreckigen Setting oder daran, wie sich der Film Pointe für Pointe immer tiefer in den makabren Wahnsinn gräbt. Vor allem ist es dieses Ensemble, das beeindruckt.

Simon Pegg und Andy Serkis sind eine Wucht. Ihre Burke und Hare sind keine dämonischen Übermenschen, sondern zwei ziemlich erbärmliche Gestalten, die feststellen, dass sich mit dem Tod plötzlich besser verdienen lässt als mit ehrlicher Arbeit. Genau daraus zieht der Film einen beträchtlichen Teil seines schwarzen Humors.

Und dahinter steckt eine Geschichte, die wesentlich finsterer ist als die Komödie.

Die historischen William Burke und William Hare verkauften im Edinburgh des frühen 19. Jahrhunderts Leichen an den Anatomen Robert Knox. Die medizinischen Schulen benötigten Körper für ihre Forschung und Ausbildung, doch legal verfügbare Leichen waren knapp. Wo eine Nachfrage entsteht, entsteht irgendwann ein Markt – und Burke und Hare lieferten die Ware.

Das ist für mich der eigentlich spannende gesellschaftliche Unterbau des Films: Der menschliche Körper bekommt plötzlich einen Preis.

Armut, Wissenschaft und Geschäft treffen aufeinander. Der medizinische Fortschritt braucht Anschauungsmaterial, die Gesetzgebung kann den Bedarf nicht decken, und am unteren Ende der Gesellschaft entdecken zwei Männer eine grausame Marktlücke. Aus Menschen werden Körper. Aus Körpern wird Ware. Und aus Ware wird Profit.

John Landis macht daraus keine trockene Geschichtsstunde. Er verwandelt diese Absurdität vielmehr in rabenschwarzen Humor – ohne dass die historische Hässlichkeit darunter vollständig verschwindet.

Selbst der Begriff „Burking“ überlebte die beiden Täter und wurde zum Ausdruck für eine Tötungsweise, bei der das Opfer erstickt wird, ohne auffällige Verletzungen zu hinterlassen. Und während William Hare durch seine Aussage gegen Burke einer Verurteilung entging, wurde Burke 1829 hingerichtet und anschließend öffentlich seziert.

Die vielleicht makaberste Pointe schrieb also nicht einmal Landis.

Burkes Skelett befindet sich bis heute in der anatomischen Sammlung der Universität Edinburgh.

Der Mann, der menschliche Körper zu Geld machte, wurde nach seinem Tod selbst zum anatomischen Anschauungsobjekt. Mehr Kathedrale666 geht eigentlich kaum.

Auch filmisch steckt Burke & Hare voller kleiner Geschenke. Christopher Lee taucht in einem herrlich morbiden Cameo auf, dazu kommen unter anderem Tom Wilkinson und David Hayman. Und wer genau hinschaut, entdeckt sogar Ray Harryhausen – eine wunderbare kleine Verbeugung vor einem der großen Magier des fantastischen Kinos.

Tim Curry wiederum spielt Dr. Alexander Monro und bekommt damit genau jene Art von Rolle, die zu seiner herrlich süffisanten Präsenz passt. Gerade bei dieser erneuten Sichtung bekommt sein Auftritt für mich natürlich noch einmal ein anderes Gewicht.

Und dann besitzt der Film diese herrlich respektlose Art, sich selbst und sein Milieu permanent auf die Schippe zu nehmen. Wenn Burke über eine Geliebte sagt:

„Sie ist Schauspielerin und keine Hure.“

und Hare trocken nachlegt:

„Wo ist der Unterschied?“

weiß man ziemlich genau, in welchem Film man gelandet ist.

Dabei funktioniert Burke & Hare für mich erstaunlicherweise auch als Buddy-Movie. Unter all den Leichen, Morden und medizinischen Absonderlichkeiten steckt die Geschichte zweier Männer, die gemeinsam auf eine vollkommen falsche Geschäftsidee kommen – und sich dabei immer weiter hineinreiten. Selbst der junge Charles Darwin wird von Landis kurzerhand in die Geschichte geschmuggelt. Darwin studierte tatsächlich Medizin in Edinburgh – nur hatte er die Stadt bereits verlassen, als Burke und Hare 1828 ihr mörderisches Geschäftsmodell betrieben. Historische Genauigkeit? Nein. Ein verdammt schönes Easter Egg? Absolut.

Vielleicht liebe ich den Film gerade deshalb so sehr: Er macht aus historischem Grauen eine Komödie, ohne dass das Grauen darunter völlig verschwindet.

Und irgendwo zwischen Anatomiesaal, Friedhof und Galgen bleibt eine ziemlich unangenehme Frage hängen:

Was ist ein Mensch noch wert, wenn selbst sein Tod zum Geschäftsmodell werden kann?

Burke & Hare ist für mich deshalb weit mehr als eine gelungene schwarze Komödie. Es ist True Crime, Buddy-Movie, Medizingeschichte und Gesellschaftssatire in einem – serviert mit jener makabren Eleganz, die John Landis besonders gut beherrscht.

Ein kleines Juwel des schwarzen Humors.
Oder, um es in Kathedrale666-Sprache zu sagen: ein verdammt guter Fund im Leichenkeller. 💀🖤

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