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Dienstag, 20. Oktober 2026

Convention Special 011: Der Tag, an dem ich Danielle Panabaker traf

 Manchmal wartet das Beste bis zum Schluss

Manchmal wartet das Beste eben doch bis zum Schluss – und manchmal muss selbst eine Horror-Ikone wie Jason Voorhees etwas Geduld aufbringen.
Ich gehört zu den Horrorfans, die den Neuverfilmungen von The Texas Chainsaw Massacre (2003) und Freitag der 13. (2009) unter der Regie von Marcus Nispel ausgesprochen viel abgewinnen können. Gerade Letzterer hat es mir angetan. Besonders der verlängerte Killer Cut, der dem ohnehin schon ziemlich kompromisslosen Jason Voorhees noch etwas mehr Raum für sein blutiges Handwerk gibt, läuft bei mir regelmäßig. Nispel verstand es einfach perfekt, den klassischen amerikanischen Backwoods-Horror mit einer schmutzigen, bedrohlichen Atmosphäre in die Moderne zu übertragen. Sein Jason war kein gemütlich durch das Unterholz schlurfender Maskenmann mehr, sondern eine aggressive, erstaunlich agile und unbarmherzige Tötungsmaschine.
Horror-Bloodlines: Von Jason Voorhees zu John Carpenter
Danielle Panabaker gehört zu jener Generation amerikanischer Schauspielerinnen, die während der grossen Horror-Remake-Welle der 2000er-Jahre beinahe unbemerkt eine bemerkenswerte Karriere im Genre absolvierten. Bereits 2007 stand sie im Psychothriller Mr. Brooks als Tochter eines Serienmörders an der Seite von Kevin Costner vor der Kamera. Nur zwei Jahre später verschlug es sie dann ans Camp Crystal Lake, wo Marcus Nispel einen runderneuerten Jason Voorhees auf die Menschheit losliess.
Nispels Freitag der 13. ist dabei weniger eine klassische Neuverfilmung des Originals von 1980, sondern vielmehr eine geschickte Zusammenführung der gesamten frühen Filmreihe. Pamela Voorhees, Jasons ursprüngliche Sackmaske und seine legendäre Hockeymaske werden hier zu einer neuen, verdammt rasanten Ursprungsgeschichte verdichtet. Danielle verkörperte darin Jenna – eine jener Figuren, die dem blutigen Treiben zwischen Machete, Waldhütten und jugendlichem Leichtsinn zumindest ein wenig echte menschliche Wärme verliehen.
Doch das Camp war erst der Anfang. Schon 2010 folgte mit The Crazies die hochgelobte Neuinterpretation eines klassischen George-A.-Romero-Stoffes. Und dann kam der ganz grosse Ritterschlag: John Carpenter.
Für dessen Psychothriller The Ward (2010) übernahm Danielle die Rolle der Sarah, einer Patientin in einer düsteren psychiatrischen Einrichtung. Besonders interessant ist dabei, dass diese Zusammenarbeit für sie keineswegs nur ein weiterer Job an einem Filmset war. In einem Interview erklärte sie damals stolz, dass die Gelegenheit, mit Carpenter zu drehen, einer der Hauptgründe für ihre Zusage gewesen sei. Sie bewunderte den Regisseur zutiefst und fieberte der Zusammenarbeit entgegen. Eine bemerkenswerte Aussage, denn Carpenter hatte zu diesem Zeitpunkt seit Ghosts of Mars (2001) fast ein Jahrzehnt lang keinen abendfüllenden Spielfilm mehr inszeniert. The Ward sollte schliesslich bis heute sein letzter Kinolangfilm als Regisseur bleiben.
Damit begegnen sich in Panabakers Filmografie auf faszinierende Weise zwei völlig unterschiedliche Epochen des amerikanischen Horrorkinos: John Carpenter, einer der grossen, stilprägenden Architekten des modernen Horrors, und Marcus Nispel, ein visionärer Vertreter der kompromisslosen Remake-Generation. Beide haben auf ihre Weise dazu beigetragen, dass sich das Genre immer wieder neu erfinden konnte.
Mit dem herrlich trashigen Piranha 3DD (2012) folgte schliesslich noch ein Ausflug in die bewusst überdrehte Splatter-Unterhaltung. Man kann Danielle Panabaker also durchaus als heimliche kleine Scream Queen der späten 2000er-Jahre bezeichnen – eine wandelbare Schauspielerin, die in ihrer Karriere erstaunlich vielseitig zwischen harmlosen Disney-Produktionen, finsteren Serienmördern, mutierten Killerfischen und eben Jason Voorhees unterwegs war.
Wenn der Con-Blues anklopft
Als ich erfuhr, dass Danielle Panabaker im April 2019 für die Comic Con in Dortmund angekündigt wurde, stand für mich sofort fest: Mein schönes, wattiertes Freitag der 13.-Mediabook musste mit. Und zwar nicht einfach nur als schweres Gepäckstück, sondern als zukünftiges Sammlerstück, veredelt mit ihrer persönlichen Unterschrift. Panabaker hatte mich schliesslich nicht nur im Camp Crystal Lake überzeugt; auch in der Superhelden-Serie The Flash, in der sie als Caitlin Snow beziehungsweise Killer Frost glänzte, habe ich sie unheimlich gerne gesehen.
Das Problem an diesem besagten Messetag war allerdings mein hoffnungslos überladenes Convention-Programm. Zwischen fest eingeplanten Autogrammen, zeitkritischen Fotoshootings und den obligatorischen Begegnungen mit anderen Gästen blieb kaum Zeit zum Durchatmen. Danielle musste irgendwie in die winzigen Lücken dazwischenpassen. Beim schnellen Wechsel von einem Stargast zum nächsten schielte ich immer wieder hoffnungsvoll zu ihrem Stand hinüber. Doch jedes Mal bot sich mir dasselbe ernüchternde Bild: Der Tisch war leer, von Danielle keine Spur. Die Stunden verstrichen, die Beine wurden schwerer, und irgendwann hatte ich die Sache mit dem Autogramm innerlich eigentlich schon abgeschrieben.
Der Tag neigte sich nun unaufhaltsam dem Ende zu. Die ersten Händler begannen bereits, ihre Stände abzuräumen, die Besucherströme dünnten aus und verschwanden durch die Ausgänge, und in den zuvor noch völlig überfüllten Hallen wurde es zunehmend stiller. Jeder, der regelmässig Conventions besucht, kennt diesen ganz eigenartigen Moment: Stunden zuvor herrschte hier noch ein pures, energiegeladenes Gewusel aus enthusiastischen Fans, Stars, farbenfrohen Cosplay-Kostümen und aufgeregtem Stimmengewirr. Und plötzlich steht man in einer Halle, die sich von Minute zu Minute verlassener anfühlt.
Der Zauber verflüchtigt sich langsam. Die grossen Hollywood-Stars verschwinden hinter den Kulissen, die letzten Souvenirs werden in Kisten verpackt, und irgendwo hinter der nächsten Hallentür wartet bereits der berüchtigte Con-Blues. Es ist dieser seltsame, fast melancholische Augenblick zwischen der puren Euphorie des erlebten Wochenendes und der ernüchternden Gewissheit, dass morgen unbarmherzig wieder der Alltag beginnt.
Während ich in dieser ganz besonderen Atmosphäre noch auf meinen Bruder wartete, schlenderte ich ein allerletztes Mal durch die fast menschenleeren Gänge. Mehr aus purer Gewohnheit und hartnäckigem Sammlerinstinkt – definitiv nicht aus echter Hoffnung – warf ich noch einen Blick in Richtung von Danielle Panabakers Stand.
Und ich traute meinen Augen kaum: Da war sie tatsächlich!
Zusammen mit einer Helferin war sie gerade dabei, ihre Sachen zusammenzusuchen. Die Veranstaltung war praktisch gelaufen, die Koffer standen bereits packfertig parat, und Danielle war offensichtlich im Begriff, sich endgültig zu verabschieden. Für mich war das die absolute Last-Minute-Gelegenheit. Also: Nichts wie hin!
Nach einem ganzen Tag erfolgloser Suche erwischte ich sie tatsächlich noch auf den allerletzten Metern vor dem Feierabend. Und obwohl sie nach diesem Marathon-Wochenende längst hätte abschalten und gehen können, lächelte sie kurz und griff für mein Mediabook noch einmal extra zum Stift. Danielle zeigte sich ausgesprochen freundlich, absolut zuvorkommend und völlig unkompliziert. Keine Spur von Starallüren, kein genervter Blick auf die Uhr und absolut kein Zickenalarm. Stattdessen erlebte ich eine unheimlich sympathische junge Frau, die sich trotz des langen, anstrengenden Convention-Tages noch einen Moment Zeit für einen Fan nahm.
Natürlich ist sie auch optisch eine ausgesprochen hübsche Erscheinung, aber viel nachhaltiger blieb mir ihre natürliche, nahbare und angenehme Art in Erinnerung. So wurde aus einer eigentlich schon komplett abgeschriebenen Signatur auf den allerletzten Drücker eine meiner schönsten Convention-Erinnerungen dieses Tages.
Jason Voorhees hätte auf der Jagd vermutlich weniger Geduld bewiesen als ich an diesem Tag. Dafür bekam ich am Ende mein begehrtes Autogramm – und im Gegensatz zu den Teenagern am Crystal Lake überlebten bei dieser Begegnung glücklicherweise alle Beteiligten.
Nach Camp Crystal Lake: Eine neue Rolle im Leben
Als ich Danielle an jenem Tag in Dortmund begegnete, war sie bereits seit knapp zwei Jahren mit dem amerikanischen Anwalt Hayes Robbins verheiratet. Was ich damals natürlich noch nicht wissen konnte: Nur ein Jahr später sollte sich ihr Leben auch privat grundlegend verändern. Im April 2020 gab sie die Geburt ihres ersten Kindes bekannt, und im Sommer 2022 folgte bereits das zweite.
Danielle wurde zweifache Mutter, während sie gleichzeitig weiterhin für The Flash vor der Kamera stand. Die Serie endete schliesslich 2023 nach stolzen neun Staffeln. In dieser Zeit hatte sie sich längst auch hinter der Kamera weiterentwickelt und bei mehreren Episoden der Superhelden-Show selbst Regie geführt.
Wer heute ihre Filmografie überfliegt, könnte zunächst glauben, dass es nach dem Ende der Serie ziemlich still um die Schauspielerin geworden sei. Doch dieser Eindruck täuscht gewaltig. Neben ihrer langjährigen, intensiven Serienarbeit widmete sie sich voll und ganz ihrer Familie, baute ihre Regiekarriere weiter aus und kehrte auch später immer wieder zu neuen Schauspielprojekten zurück. In Interviews spricht sie inzwischen sehr offen und reflektiert darüber, wie sich die Herausforderungen der Mutterschaft mit einer Karriere in der Traumfabrik Hollywoods vereinbaren lassen.
Dass sich ihre beruflichen Prioritäten mit den Jahren verändert haben, liegt natürlich nahe. Ob und in welchem Umfang sie sich jedoch bewusst zugunsten ihrer Familie zurückgenommen hat, lässt sich daraus nicht sicher herleiten – von einem vollständigen Rückzug aus dem Filmgeschäft kann jedenfalls absolut keine Rede sein. Und irgendwie gefällt mir der Gedanke, dass die sympathische junge Frau, die ich damals auf den allerletzten Drücker zwischen zusammengepackten Convention-Koffern und leeren Messeständen erwischte, inzwischen selbst zwei Kinder grosszieht.
KATHEDRALE666 – Sammlerfazit: Das letzte Autogramm
Ein wattiertes Freitag der 13.-Mediabook, eine silberne Unterschrift von Danielle Panabaker und eine Begegnung, die beinahe niemals stattgefunden hätte: Es sind eben nicht immer die grossen, durchgetakteten Fotoshootings oder die minutenlangen Gespräche mit den ganz grossen Hollywoodlegenden, die am Ende am tiefsten im Gedächtnis bleiben.
Manchmal genügt ein letzter, melancholischer Spaziergang durch eine leere Convention-Halle. Ein zufälliger Blick zu einem Stand, den man eigentlich schon längst innerlich abgeschrieben hatte. Und ein Star, der seinen Stift zum Glück noch nicht ganz eingepackt hat.
Für mich bleibt Danielle Panabaker nicht nur Jenna aus Marcus Nispels „Freitag der 13.“, sondern auch jene unheimlich sympathische Schauspielerin, die im April 2019 in einer beinahe verlassenen Dortmunder Messehalle noch einmal extra zum Silberstift griff.
Manchmal bekommt man das Beste im Leben eben tatsächlich erst dann, wenn alle anderen schon gegangen sind.

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