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Dienstag, 27. Oktober 2026

Review: R. L. STINE’S PUMPKINHEAD - 2025


0087. R. L. STINE’S PUMPKINHEAD - 2025 - Erstsichtung - ofdb -Trailer
Wenn der Kindergrusel seine Vogelscheuche von der Leine lässt
Ein geheimnisvolles Beschwörungsbuch, ein optisch gelungenes Kürbismonster und reichlich Familiendrama: Pumpkinhead bietet hübsch verpackten Halloween-Grusel für ein jüngeres Publikum. Wer allerdings echten Horror erwartet, muss sich zuerst durch eine längere Coming-of-Age-Einleitung kämpfen.
Halloween für die ganze Familie – mit kleinen Einschränkungen
Ich gebe es zu: Horrorfilme mit einer FSK-12-Freigabe haben bei mir einen schweren Stand. Nicht weil Blut fehlt, sondern weil sie oft derselben Formel folgen: jugendliche Hauptfiguren, Familiendrama, harmlose Jumpscares und bloss niemandem wehtun.
R. L. Stine’s Pumpkinhead macht da leider keine Ausnahme.
Im Mittelpunkt steht ein junger Protagonist, der mir über weite Strecken gehörig auf die Nerven ging. Gepaart mit den üblichen familiären Konflikten, einem abwesenden Vater und weinerlichen Zwischentönen – die das US-Jugendkino wohl für emotionale Tiefe hält –, raubt das dem Film viel Zeit. Zeit, die ich lieber mit echtem Grusel verbracht hätte.
Doch es wäre unfair, nur die eigenen Erwartungen anzulegen.
Denn der Film wurde nicht für mich gemacht. Es ist ein Coming-of-Age-Grusel, der perfekt in einen familiären Filmabend passt. Für Jugendliche, die ihre ersten Schritte im Horror-Genre wagen, ist die Mischung aus Abenteuer, übernatürlicher Bedrohung und Familiengeschichte durchaus reizvoll.
Man muss den Film an seinen eigenen Ambitionen messen – und da gibt es durchaus Positives zu entdecken.
Ein hübscher Herbstalptraum auf Hochglanz poliert
Visuell kann sich Pumpkinhead sehen lassen. Regisseurin Jem Garrard setzt die ländliche Umgebung, die Kürbisfelder und die herbstliche Farbpalette attraktiv in Szene. Besonders die Tageslichtaufnahmen haben Charme und wirken wie eine aufwendig gestaltete Halloween-Postkarte.
Mit fortschreitender Handlung verlagert sich das Geschehen in die Nacht – eigentlich die ideale Chance für echte Bedrohung. Doch selbst im nächtlichen Showdown bleibt alles perfekt ausgeleuchtet. Die Dunkelheit darf offenbar nicht stören.
Andererseits passt diese Hochglanzästhetik zum familienfreundlichen Charakter: Das Publikum soll die Halloween-Welt geniessen und sich wohlig gruseln, statt verstört zu werden. Jede Einstellung ist sauber durchgestylt. Das ist handwerklich ansprechend, nimmt der Inszenierung aber die Unberechenbarkeit. Mir fehlt der Schmutz und jene visuelle Unsicherheit, die einem Monsterfilm erst seine unangenehme Wirkung verleiht.
Das Monster darf bleiben – der Zirkus könnte gehen
Erfreulich gelungen ist die Vogelscheuchen-Kreatur. Ihr Design überzeugt und verleiht dem ansonsten harmlosen Gruselfilm echte Präsenz. Hinter der Maske steckt Troy James (The Flash, Channel Zero), ein auf ungewöhnliche Körperbewegungen spezialisierter Darsteller. Ein grosser Pluspunkt: Die Produktion setzt hier erfreulicherweise auf praktische Effekte und echte Kostümarbeit.
Allerdings war man von James' Beweglichkeit stellenweise wohl etwas zu begeistert. Wenn die Vogelscheuche ihre akrobatischen Verrenkungen vorführt, erinnert das eher an eine Zirkusattraktion als an ein unheimliches Wesen. Sobald man hinter dem Schrecken die artistische Leistung des Darstellers wahrnimmt, geht die Illusion verloren. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Trotzdem bleibt die Kreatur eine der klaren Stärken des Films: Eine optisch überzeugende Vogelscheuche, die gelegentlich nur vergisst, dass sie ein Monster und kein Akrobat ist.
Das Beschwörungsbuch – das Necronomicon lässt grüssen
Besonders erfreut hat mich das geheimnisvolle Beschwörungsbuch, das im Verlauf der Handlung eine wichtige Rolle spielt. Es erinnert unweigerlich an das legendäre Necronomicon – sowohl durch seine Funktion als verbotenes Buch, das unheilvolle Mächte entfesselt, als auch durch seine visuelle Gestaltung.
Das Necronomicon, ursprünglich eine Erfindung von H. P. Lovecraft, fand seine bekannteste filmische Umsetzung in Sam Raimis Tanz der Teufel (1981). Die Vorstellung, dass ein uraltes Buch zum Schlüssel übernatürlichen Grauens wird, gehört längst zum festen Inventar des Genres.
Pumpkinhead greift diese Tradition auf und überführt sie in eine jugendfreundliche Geschichte. Auch wenn sich daraus nicht zwingend eine direkte Hommage an Raimi archiveiren lässt, ist die Verwandtschaft unverkennbar. Gerade solche Details bereiten mir als Genrefreund Freude und zeigen, dass der Film trotz seiner jungen Zielgruppe kleine Verbindungen zur klassischen Horrorgeschichte pflegt.
Horror-Bloodlines – Von R. L. Stine bis zum Folk Horror
Die literarischen Wurzeln führen zu R. L. Stine, dessen Gänsehaut-Reihe Generationen geprägt hat. Der Film basiert auf einer Geschichte aus seiner Sammlung Nightmare Hour, die bereits 2011 für die Serie The Haunting Hour adaptiert wurde. Das neue Drehbuch von Regisseurin Jem Garrard erklärt die konsequente Ausrichtung auf ein jüngeres Publikum.
Gleichzeitig berühren die ländliche Kulisse und der Fluch klassische Motive des Folk Horrors wie Ernte, alte Rituale und das Misstrauen gegen die Dorfgemeinschaft. Das weckt leise Erinnerungen an The Wicker Man (1973), ohne dessen Radikalität zu erreichen. Auch ein Vergleich mit Stan Winstons Kreaturenklassiker Pumpkinhead – Das Halloween-Monster (1988) drängt sich durch den Titel auf – der Film von 2025 ist jedoch weder Remake noch Sequel, was bei Genrefans falsche Erwartungen wecken könnte.
Ursprünglich für den US-Streamingdienst Tubi produziert, feierte der Film dort am 17. Oktober 2025 Premiere. Pünktlich zur nächsten Halloween-Saison folgte im Oktober 2026 bereits R. L. Stine’s Pumpkinhead 2 – erneut unter Garrards Regie und mit Horror-Ikone Cassandra „Elvira“ Peterson als prominentem Gaststar.
Eine reizvolle Verbindung zur Fernsehgeschichte liefert zudem der Drehort von Farmer Palmers Anwesen: Dafür wurde dieselbe Farm im kanadischen Aldergrove genutzt, die in der Kultserie Smallville (2001–2011) das Zuhause von Clark Kent war. Wo einst der junge Superman aufwuchs, treibt nun eine unheimliche Vogelscheuche ihr Unwesen – eine wunderbare Trivia, die zeigt, wie bekannte Kulissen in völlig unterschiedlichen Genres ein zweites Leben erhalten.
Ein Finale, das sich etwas traut
Ohne zu spoilern, möchte ich dem Finale eines zugutehalten: Es besitzt mehr Konsequenz, als ich diesem familienfreundlichen Abenteuer zugetraut hätte. Während solche Produktionen meist beruhigend enden und alle Probleme sauber lösen, beweist Pumpkinhead hier den Mut, vom Schema F abzuweichen. Das hat mir gefallen – mehr möchte ich bewusst nicht verraten.
KATHEDRALE666 – FAZIT
R. L. Stine’s Pumpkinhead ist ein typischer Fall von falschen Erwartungen bei durchaus vorhandenen handwerklichen Qualitäten. Wer als erfahrener Fan einen ausgewachsenen Monsterfilm erwartet, wird es schwer haben: Der nervige Protagonist, das Familiendrama und die ausgiebigen Coming-of-Age-Elemente haben meine Geduld mehrfach strapaziert.
Doch für seine eigentliche, jüngere Zielgruppe funktioniert der Film ordentlich. Die herbstliche Atmosphäre ist hübsch eingefangen, die Bildgestaltung hat Qualität und die Vogelscheuche kann sich sehen lassen. Auch das Necronomicon-angehauchte Beschwörungsbuch liefert einen reizvollen Ausflug in die Genre-Tradition. Weniger überzeugend fand ich die durchgestylte Hochglanzoptik, die selbst den nächtlichen Showdown zu sauber wirken lässt, sowie die teils zu akrobatischen Verrenkungen des Monsters. Positiv anzurechnen ist dem Film hingegen sein konsequentes Finale.
Am Ende bleibt ein brauchbarer Halloween-Grusler für Jugendliche und Familien. Für gestandene Horrorfreunde ist das zu zahm und kindgerecht – aber vielleicht muss es das auch sein. Schliesslich hat jeder von uns einmal mit Filmen angefangen, die erst das Tor zu einer dunkleren Welt öffnen mussten. Pumpkinhead fordert mich als Horrorfan nicht, ist aber eine Empfehlung für das jüngere Publikum.

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