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Montag, 26. Oktober 2026

Review: KOMBUCHA - 2025

 

0086. KOMBUCHA - 2025 -Erstsichtung - ofdb - Trailer

Regie: Jake Myers
Drehbuch: Jake Myers, Geoff Bakken
Genre: Horror / Satire / Body-Horror
Vertrieb: Tiberius Film

Filmkritik: Kombucha – Selbstoptimierung bis zur Selbstauflösung
Die Grundidee ist durchaus brauchbar: Eine moderne Unternehmenskultur treibt ihre Mitarbeiter mithilfe eines ominösen Kombucha-Getränks zu immer höheren Leistungen an. Was als berufliche Selbstoptimierung beginnt, entwickelt sich zur vollständigen Entmenschlichung. Die gesellschaftskritische Metapher ist offensichtlich. Nur macht Regisseur Jake Myers erschreckend wenig daraus.
Die Heuchelei moderner Firmenkulturen, permanenter Leistungsdruck und die freiwilligeUnterwerfung unter unternehmerische Interessen würden reichlich Stoff für eine bitterböse Satire liefern. Doch Kombucha bleibt erstaunlich zahm. Es fehlt dem Werk an Zynismus, echter Boshaftigkeit und vor allem an originellen Einfällen. Das bittere Fazit vorweg: Für eine Satire ist der Film zu harmlos, für Horror zu spannungsarm und für eine Komödie schlicht nicht komisch genug.
Hochglanz ohne Atmosphäre & Eine Hauptfigur ohne Tragkraft
Visuell präsentiert uns der Film eine sterile, pseudoexklusive Upper-Class-Welt. Minimalistische Wohn- und Arbeitsräume erinnern an sorgfältig arrangierte Hochglanzprospekte. Alles wirkt akkurat und durchgestylt, aber eben auch seltsam unbewohnt. Die nahezu ausschliesslich in Innenräumen angesiedelte Handlung verstärkt diesen klinischen Eindruck. Die Bildsprache bleibt unspektakulär; die Schauplätze entwickeln weder Persönlichkeit noch eine beklemmende Atmosphäre.
Dabei war diese Ästhetik durchaus beabsichtigt. Myers orientierte sich bei der Inszenierung sichtlich an Alex Garlands Meisterwerken Devs und Ex Machina. Doch was dort eine faszinierende, emotionale Kälte erzeugt, bleibt hier lediglich leblos. Sterilität ist nun mal nicht automatisch Atmosphäre. Und cleaner Hochglanz noch lange keine filmische Handschrift.
Ein derart reduzierter, kammerspielartiger Horrorfilm steht und fällt mit seiner Hauptbesetzung. Und genau hier liegt die grösste Schwäche des Films:
  • Mangelnde Präsenz: Terrence Carey gelingt es in der Rolle des Luke zu keiner Zeit, den Film überzeugend auf seinen Schultern zu tragen.
  • Zäher Verlauf: Seine Darstellung wirkt in den entscheidenden Momenten derart unbeholfen, dass sich beim Zuschauer eher Fremdscham als echte emotionale Beteiligung einstellt. Eine schleppende Erzählweise, belanglose Dialoge und die fehlende schauspielerische Präsenz lassen das Interesse an der Hauptfigur zunehmend schwinden.
Body-Horror ohne Biss
Im Finale mündet die Geschichte schliesslich in eine wenig originelle Body-Snatcher-Variation. Die überwiegend digitalen Kreatureneffekte wirken schwach und besitzen kaum jene unangenehme Körperlichkeit, die überzeugenden Body-Horror eigentlich auszeichnet.
Interessanterweise war ursprünglich eine praktische Kreaturenkonstruktion (Practical Effects) vorgesehen. Da diese am Set nicht wie geplant funktionierte, musste in der Postproduktion digital nachgeholfen werden. Das erklärt zwar das maue visuelle Ergebnis im letzten Drittel, verbessert es aber letztlich nicht.
Horror-Bloodlines: Auf den Spuren der Klassiker
Thematisch steht Kombucha ganz klar in der Tradition von Don Siegels Invasion of the Body Snatchers (1956) und Philip Kaufmans kongenialer Neuverfilmung von 1978. Der schleichende Verlust menschlicher Individualität durch die Ersetzung mit emotionslosen Doppelgängern wird hier auf die moderne Leistungsgesellschaft übertragen. Auch David Cronenbergs visionärer Körperhorror klingt an: Der menschliche Körper wird zum Schauplatz von Kontrollverlust und Identitätsauflösung.
Die Idee, dass keine ausserirdischen Invasoren, sondern die eigene Unternehmenskultur den Menschen seiner Persönlichkeit beraubt, besitzt durchaus starkes Potenzial. Nur fehlt dieser Neuinterpretation schlicht die notwendige Eigenständigkeit, um sich mit ihren grossen Vorbildern messen zu können.
Trivia: Festivalerfolg und Hintergründe
Hinter den Kulissen zeigt sich Kombucha als klassische amerikanische Independent-Produktion. Der Film wurde unter extremem Zeitdruck in lediglich 15 Drehtagen in Chicago heruntergedreht. Kurios: Teile der Besetzung stammen aus der dortigen lokalen Comedy-Szene – was den Mangel an echtem Horror-Timing an einigen Stellen erklären dürfte.
Trotz seiner bescheidenen Produktionsbedingungen und der visuellen Mängel feierte der Film Erfolge in der Nische: Er erhielt mehrere Festivalauszeichnungen, darunter nennenswerte Anerkennung beim Dances With Films Festival und beim Grimmfest. Regisseur Jake Myers hat sogar schon laut über eine Fortsetzung nachgedacht, die sich dann thematisch mit alternativen Heilmethoden und Wellness-Kulten beschäftigen soll.
Fazit
Ich verstehe durchaus, worauf Jake Myers mit Kombucha hinauswill. Doch zwischen einer interessanten Absicht und einem überzeugenden Film liegt ein beträchtlicher Unterschied. Dass die Independent-Produktion auf Festivals ihre Liebhaber gefunden hat, sei ihr absolut gegönnt. Mich persönlich hat sie nicht abgeholt – und eine Fortsetzung brauche ich erst recht nicht.
Der Trailer versprach eine giftige, gallige Genre-Mischung. Der fertige Film serviert am Ende leider nur abgestandenen Tee.
KATHEDRALE666 | HORROR · FILM · REVIEWS

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