Dienstag, 22. September 2026

Review: Darkroom - 1989

 

DARKROOM - 1989 - ofdb - Trailer

Der konservierte Mord – ein Slasher zwischen Giallo, Voyeurismus und Videothekenstaub

1989 war die große Blütezeit des Slashers, die zwischen den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren stattgefunden hatte, längst vorüber. Die großen Genreikonen hatten ihre Spuren hinterlassen, während sich unzählige Nachzügler um die verbliebene Aufmerksamkeit des Publikums stritten. Dennoch besitzt die Nico-Mastorakis-Produktion Darkroom von Terrence O’Hara durchaus ihre Berechtigung.

Der unter bescheidenen Bedingungen in weniger als zwei Wochen gedrehte Film entstand für den Heimvideomarkt. O’Hara, der damit sein Spielfilmdebüt gab, sollte anschliessend vor allem als Fernsehregisseur Karriere machen. Mastorakis selbst inszenierte die bemerkenswert verspielte Titelsequenz.

Was Darkroom für mich interessant macht, ist seine eigentümliche Position zwischen Giallo, amerikanischem Slasher und Rural Horror. Das abgelegene Farmhaus inmitten einer Orangenplantage schafft eine abgeschlossene Atmosphäre, in der die Figuren zunehmend auf sich allein gestellt sind. Die ländliche Idylle wird zum Gefängnis, während die Familienzusammenkunft langsam in einen Albtraum umschlägt.

Doch seine interessanteste Idee liegt nicht in der Isolation, sondern hinter der Linse einer Kamera.

Der psychopathische Täter begnügt sich nicht damit, seine Opfer zu ermorden. Er fotografiert sie und hält sie damit als Bilder fest. Der Mord wird konserviert. Aus dem Menschen wird ein Objekt, das betrachtet, aufbewahrt und immer wieder hervorgeholt werden kann.

Hier öffnet sich eine Tür zu Michael Powells Peeping Tom von 1960, einem wichtigen Vorläufer des voyeuristischen Horrorkinos. Dessen Protagonist Mark Lewis filmt Frauen während ihres Sterbens. Die Kamera ist nicht bloss ein technisches Hilfsmittel, sondern wird zum Bestandteil seiner mörderischen Obsession.

Powell stellt dabei auch den Zuschauer in eine unangenehme Position: Wir verurteilen den Voyeur, während uns der Film gleichzeitig durch dessen Kamera blicken lässt.

Darkroom führt diesen Gedanken in einer anderen Form weiter. Während Mark Lewis den Tod als bewegtes Bild konserviert, verwandelt O'Haras Täter seine Opfer in Fotografien.

Der Tod genügt ihm nicht. Er muss ihn besitzen.

Damit bewegt sich der Film zugleich in der Tradition des italienischen Giallo. Dario Argento machte bereits in Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe (1970) den Akt des Sehens selbst zum zentralen Bestandteil seines Rätsels. Ein Augenzeuge glaubt zu wissen, was er gesehen hat, ohne das Geschehen tatsächlich verstanden zu haben.

Im Giallo ist der Blick niemals vollkommen zuverlässig. Schwarze Handschuhe, subjektive Kameraperspektiven, versteckte Beobachter und rätselhafte Bilder werden zu Bestandteilen eines mörderischen Versteckspiels.

Der amerikanische Slasher übernahm wiederum wesentliche Elemente dieses voyeuristischen Blicks. Besonders deutlich wird dies in John Carpenters Halloween (1978), dessen Eröffnungssequenz uns unmittelbar in die Perspektive des jungen Michael Myers versetzt. Wir beobachten mit ihm, nähern uns seinem Opfer und werden für einige Minuten zu unfreiwilligen Komplizen.

Der Killer beobachtet sein Opfer. Der Zuschauer beobachtet den Killer. Und manchmal sehen beide durch dieselben Augen.

Darkroom greift diese Tradition auf, ohne sie wirklich konsequent weiterzuentwickeln.

Denn gerade die titelgebende Dunkelkammer hätte das Potenzial für eine weitaus tiefere Auseinandersetzung mit dem fotografischen Bild besessen. Dort wird aus einem zunächst unsichtbaren Negativ langsam eine erkennbare Fotografie.

Eine beinahe perfekte Metapher für die verdrängte Familiengeschichte, die im Verlauf des Films ebenfalls ans Licht kommt.

Das Verborgene wird sichtbar. Die Vergangenheit entwickelt sich wie ein Negativ im chemischen Bad.

Doch O’Hara lässt diese Verbindung weitgehend ungenutzt. Die Dunkelkammer bleibt erstaunlich nebensächlich, während sich das Geschehen zunehmend auf die üblichen Mechanismen eines Whodunit-Slashers beschränkt.

Das ist bedauerlich, denn das Drehbuch besitzt durchaus die Voraussetzungen für einen psychologisch interessanteren Horrorfilm.

Stattdessen dominieren streckenweise hölzerne Dialoge, wenig ausgearbeitete Figuren und eine Inszenierung, die sich trotz einzelner gelungener Momente kaum über ihre bescheidenen Produktionsbedingungen erheben kann. Die Morde fallen für einen späten Achtziger-Slasher überraschend zurückhaltend aus, und die Spannung verliert gerade dann an Kraft, wenn die Geschichte eigentlich Fahrt aufnehmen müsste.

Dennoch möchte ich Darkroom nicht einfach als missglückte Billigproduktion abtun.

Seine augenzwinkernde Low-Budget-Qualität, die abgeschiedene Orangenplantage und die eigenwillige Verbindung aus fotografischem Voyeurismus und familiärem Grauen verleihen ihm einen gewissen Reiz. Es ist genau jene Art von Film, die in den hintersten Regalen der Leihvideotheken verstaubte und heute als kleines Relikt einer auslaufenden Genreära wiederentdeckt werden kann.

Dazu passt eine besonders schöne Absurdität: Verschiedene VHS- und DVD-Veröffentlichungen sowie der Trailer sollen bereits die Identität des Mörders verraten haben. Ein bemerkenswerter Umgang mit einem Film, dessen Spannung wesentlich auf einem Whodunit beruht.

Und noch eine kleine Produktionskuriosität: Mastorakis hatte bereits ein Jahr zuvor mit Grandmother's House (1988) einen Horrorfilm rund um ein abgelegenes Haus und eine Orangenplantage produziert. Für Darkroom wurden erneut dieselben Schauplätze genutzt. Selbst Eric Foster, der junge Hauptdarsteller des Vorgängers, taucht in einer Rückblende wieder auf.

Man könnte beinahe meinen, Mastorakis habe aus seiner Orangenplantage ein kleines privates Horroruniversum machen wollen.

Doch hinter all diesen charmanten Produktionsumständen bleibt eine verpasste Gelegenheit zurück. Darkroom hätte aus dem Verhältnis zwischen Täter, Kamera und Opfer einen verstörenden Film über das Sehen und Gesehenwerden entwickeln können.

Stattdessen begnügt er sich zu oft damit, seine Figuren durch das Farmhaus und die Plantage zu jagen.

Darkroom hat nicht zu wenig Geld. Darkroom hat zu wenig Vertrauen in seine beste Idee.

Und vielleicht ist es gerade diese ungenutzte Idee, die ihn interessanter macht, als es seine bescheidene Stellung innerhalb des späten Slasherkinos zunächst vermuten lässt.

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