0053. UNCLE PECKERHEAD - 2020 - Zweitsichtung - ofdb - Trailer
Wer gegen das System feuern will, kommt an drei Akkorden und verzerrten Powerchords kaum vorbei. Die rohe Urgewalt des Garagensounds bohrt sich nicht nur in die anarchistischen Eingeweide, sondern auch auf jene Straßen, auf denen Matthew John Lawrence seine postmoderne Punkrock-Mär um die Band DUH – ach nee! – loslässt.
Die jungen Punkrocker wollen auf Tour, haben aber weder Bus noch Roadie. Da kommt ihnen der etwas sonderbare Uncle Peckerhead gerade recht. Eigentlich ein ausgesprochen umgänglicher Kerl – gäbe es da nicht dieses kleine Problem: Punkt Mitternacht verwandelt sich Peckerhead in einen menschenfressenden Ghoul.
Eine wunderbare Metapher auf den Mainstream.
Matthew John Lawrence erschuf 2020 ein attraktives, wenn auch bei Schnitt und Optik bewusst roh wirkendes Indie-Spotlight – von Fans für Fans. Und das ist hier nicht nur eine Floskel. Die fiktive Band DUH sollte ausdrücklich nicht wie drei Schauspieler wirken, denen man für einen Filmdreh Instrumente in die Hand gedrückt hat. Darsteller Jeff Riddle, selbst Musiker, schrieb deshalb gleich eine komplette Fünf-Song-EP für die Band. Der herrliche Abspannsong „Trash Age“ stammt wiederum von Riddles echter Punkband The Holy Mess und existierte bereits vor dem Film.
Überhaupt entstand Uncle Peckerhead fast genauso, wie eine Punkplatte entstehen sollte: wenig Geld, kleine Crew und viel Eigeninitiative. Lawrence bezeichnete das Budget selbst sinngemäß als „microbudget with a lowercase m“. Die praktischen Splattereffekte von Jared Balog mussten teilweise beim ersten Versuch sitzen, weil schlicht kein Geld für eine zweite Effektprothese vorhanden war. CGI-Nachhilfe gab es anschließend ebenfalls nicht.
Das passt wunderbar zu diesem Film. Uncle Peckerhead besitzt diese fast schon satirisch gesetzlose Herangehensweise und eine herrlich verwirrende Chaotik in seiner Simplizität. Das ist nicht immer sauber geschnitten, nicht immer hübsch anzusehen und sicherlich nicht immer so lustig, wie der Film selbst glaubt – aber genau diese Ungehobeltheit gehört zu seinem Charme.
Und hinter dem ganzen Punkrock-Gemetzel versteckt Lawrence sogar noch einen interessanten Gedanken: Judy ist der Erfolg ihrer Band derart wichtig, dass sie bereit ist, immer größere moralische Zugeständnisse zu machen, solange die Tour nur weitergeht. Plötzlich wird Peckerhead nicht mehr nur zum sympathischen Monster-Roadie, sondern auch zur Frage, wie viel man für den eigenen Traum eigentlich zu ignorieren bereit ist.
Besonders schön finde ich die Entstehungsgeschichte der Figur. Ursprünglich plante Lawrence gar keinen Spielfilm, sondern eine kurze Serie über Punkkids, die mit einem älteren Hillbilly zusammenleben – von ihm selbst herrlich als eine Art Punkrock-Full House mit einem Redneck-Mr. Belvedere beschrieben. Erst daraus entwickelte sich der mitternächtlich menschenfressende Uncle Peckerhead.
2024 sollte Lawrence mit Bloody Axe Wound erneut einen herrlich nerdigen Genrefilm nachlegen. Schon bei Uncle Peckerhead merkt man aber, wo sein Herz schlägt.
Punkrock, handgemachter Splatter, ein paar Verrückte mit zu wenig Geld und keinerlei Interesse daran, sich anständig zu benehmen.
Manchmal braucht ein Genrefilm eben keine Perfektion.
Das Kathedrale666 Urteil: Manchmal reichen drei Akkorde und ein Roadie, den man besser vor Mitternacht ins Bett bringt. 🤘😈

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