Mittwoch, 26. August 2026

Ken Kirzinger - Weekend of Hell November 2019 Neuss

KEN KIRZINGER – DER MANN, DER JASON DIE MASKE ABNAHM

Dass Kane Hodder für Freddy vs. Jason (2003) durch Ken Kirzinger ersetzt wurde, gehört bis heute zu den meistdiskutierten Casting-Entscheidungen innerhalb der Friday the 13th-Fangemeinde.

Besonders bitter war die Geschichte für Hodder selbst. Nachdem er Jason bereits in vier Filmen verkörpert hatte, wurde er von einer Verantwortlichen bei New Line zu einem Treffen eingeladen und bekam dort das Drehbuch zu Freddy vs. Jason in die Hand gedrückt. Dazu die Nachricht: Jetzt werde der Film endlich gemacht. Hodder ging entsprechend davon aus, wieder hinter der Hockeymaske zu stehen. Später erzählte er sogar, dass auch Robert Englund während der Vorbereitungen zunächst davon ausgegangen sei, gegen Hodders Jason anzutreten.

Dann wurden seine Anrufe plötzlich nicht mehr beantwortet.

Schließlich erfuhr Hodder, dass man einen anderen Jason verpflichtet hatte. Eine wirkliche Erklärung bekam er nach eigener Aussage nie – nicht einmal einen persönlichen Anruf, um ihm die Entscheidung mitzuteilen. Genau das scheint ihn rückblickend fast mehr getroffen zu haben als der Verlust der Rolle selbst. Er bezeichnete die Geschichte später als einen sehr tiefen Punkt seiner Karriere.

Der neue Mann hinter der Maske hieß Ken Kirzinger.

Und jetzt bekommt die Geschichte eine herrlich makabre Pointe.

Kirzinger war im Jason-Universum nämlich alles andere als ein Unbekannter. Bereits bei Freitag der 13. Teil VIII – Todesfalle Manhattan (1989) arbeitete der kanadische Stuntman an der Produktion mit und bekam sogar eine kleine Rolle als Koch in einem New Yorker Diner. Dort wird er ausgerechnet von Kane Hodders Jason ziemlich unsanft über die Theke befördert.

Aber damit nicht genug.

Für eine Szene, in der Jason von einem Polizeiauto angefahren wird, wollte die Produktion Hodder nicht riskieren. Sollte er sich dabei etwa ein Bein brechen, wären die weiteren Dreharbeiten gefährdet gewesen. Also musste Hodder ausgerechnet Ken Kirzinger in sein Jason-Kostüm steigen lassen, damit dieser den Stunt für ihn ausführte.

1989 ließ Kane Hodder seinen Kollegen für einen gefährlichen Stunt in die Jason-Maske schlüpfen. Vierzehn Jahre später gehörte die Maske Kirzinger für einen ganzen Film.

Die Horrorfilmgeschichte besitzt manchmal einen ziemlich schwarzen Humor.

Warum man Hodder schließlich ersetzte, ist bis heute nicht vollkommen eindeutig. Kirzinger erzählte, dass er ursprünglich lediglich wegen des Jobs als Stunt-Koordinator bei Freddy vs. Jason vorsprach. Ein Produzent machte ihn darauf aufmerksam, dass seine Statur ungefähr dem entspreche, was man für Jason suche. Beim Vorsprechen bekam er eine billige Hockeymaske aufgesetzt, sollte auf die vorgelesene Eröffnungsszene reagieren und anschließend verschiedene Arten des Gehens demonstrieren. Regisseur Ronny Yu wollte seine eigene Interpretation des Killers – besonders langsam, massiv und als starken körperlichen Gegensatz zum wesentlich kleineren Freddy Krueger.

Hodder selbst hat die oft genannte Erklärung mit der Körpergröße allerdings nie wirklich geschluckt. Für ihn war Kirzinger schlicht nicht wesentlich größer. Er vermutete später unter anderem, dass auch die Produktion in Vancouver und Kirzingers dortige Verfügbarkeit eine Rolle gespielt haben könnten. Eine endgültige Antwort bekam er nie.

WEEKEND OF HELL – NEUSS 2019

Grund genug für mich also, mich auf der Weekend of Hell im November 2019 in Neuss einmal nach dem Mann umzusehen, der Jason die Maske abgenommen hatte.

Was ich dort antraf, war ein knapp zwei Meter großer Koloss – und ein bestens gelaunter noch dazu.

Nach einem kurzen und ausgesprochen sympathischen Smalltalk musste ich allerdings schon wieder weiter. Mit meinem All-In-Ticket hatte ich mir an diesem Tag offenbar vorgenommen, die komplette Weekend of Hell im Alleingang zu sprengen, und irgendwo in den Tiefen der Halle wartete bereits das nächste Fotoshooting auf mich. 😝

Kirzinger durfte mir vorher aber noch ein für mich besonderes Stück meiner Sammlung signieren: mein Mediabook der Joy Ride-Trilogie.

Denn der gute Mann hat neben Jason noch einen weiteren Psychopathen in seiner Filmografie: In Joy Ride 3: Road Kill (2014) übernahm Kirzinger die Rolle des mörderischen Truckers Rusty Nail. Besonders nett: Er hatte nach eigener Aussage sogar schon für Joy Ride 2 für Rusty Nail vorgesprochen, bekam die Rolle damals jedoch nicht. Beim dritten Teil klappte es schließlich.

Damit war meine Begegnung mit Kirzinger eigentlich beendet.

Eigentlich.

Denn später am Nachmittag führte mich mein Weg noch einmal an seinem Stand vorbei. Kirzinger sah mich, erkannte mich tatsächlich wieder und verabschiedete mich aus der Entfernung mit einem fröhlichen Winken und den besten Wünschen für einen schönen Abend.

Keine weltbewegende Convention-Geschichte. Kein stundenlanges Gespräch über die Geheimnisse des Horrorfilms.

Aber genau diese kleinen Begegnungen sind es, die mir Jahre später stärker im Gedächtnis bleiben als so manches hastig geschossene Promifoto.

Und irgendwo gefällt mir die Vorstellung, dass in meinem Regal heute ausgerechnet ein Joy Ride-Mediabook steht, das von jenem Mann signiert wurde, der 1989 für einen einzigen Stunt die Hockeymaske von Kane Hodder übernahm – und vierzehn Jahre später damit Horrorfilmgeschichte schrieb.

Ken Kirzinger – erst von Jason über die Theke befördert. Dann Jason gedoubelt. Und schließlich selbst Jason geworden.


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