Mittwoch, 19. August 2026

Review: Don't Go in the Woods - 1981

0050. DON'T GO IN THE WOODS – 1981- Erstsichtung- ofdb - Trailer

Eine menschliche Bestie streift durch die Wälder und nimmt sich nach und nach diverse Wanderer zur Brust. Viel mehr muss man über die inhaltlichen Ausuferungen von James Bryans Don't Go in the Woods aus dem Jahre 1981 eigentlich auch nicht wissen.

Was Bryan hier abliefert, ist purer, roher Grindhouse-Backwoods-Exploitation-Slasher. Eine Naturgewalt des schlechten Geschmacks, bei der der Aficionado des geschätzten Schmierlappenfilms vor Freude durch die Decke geht – während vermutlich alle anderen nach drei Minuten die Kiste ausmachen.

Das Wort „schlecht“ möchte ich dabei eigentlich gar nicht bemühen. Verwegen trifft es viel besser. Don't Go in the Woods ist eine Kostprobe jener kleinen Filme, die irgendwo ganz unten am Bodensatz eines dreckigen Filmstudios liegen, wo normalerweise niemand mehr danach sucht. Zuschauer ohne eine gewisse Affinität zum weirden Kino werden sich daran vermutlich die Zähne ausbeissen.

Hier scheint tatsächlich niemand auch nur ansatzweise daran interessiert gewesen zu sein, die üblichen Regeln des Filmemachens einzuhalten. Kamera, Schnitt, Schauspiel – stellenweise hat das den Charme einer ambitionierten Laientheatergruppe, die man mit Kunstblut in den Wald geschickt hat. Aber mit der richtigen Einstellung zur Sache wird geliefert.

Und damit wären wir bei diesem herrlichen Soundtrack.

H. Kingsley Thurber komponierte die Musik und lässt seine Synthesizer fiepen, blubbern, rumpeln und jaulen, als hätte jemand einen frühen Heimkeyboarder versehentlich zusammen mit dem Filmteam im Wald ausgesetzt. Die Musik ist nicht einfach nur Begleitung. Sie entwickelt irgendwann ein vollkommen eigenständiges Leben und trägt erheblich zu dieser merkwürdig entrückten Atmosphäre bei. Ein zeitgenössisch klingender Hochglanz-Slasher-Score hätte diesem Film wahrscheinlich sogar geschadet.

Noch schöner: Der gesamte Dialog wurde nach den Dreharbeiten nachsynchronisiert. Das erklärt zumindest teilweise diese eigentümlich künstliche, beinahe traumwandlerische Wirkung vieler Szenen. Regisseur James Bryan musste sogar selbst eine Rolle synchronisieren, weil der betreffende Darsteller für die späteren Sprachaufnahmen nicht mehr verfügbar war.

Auch die scheinbar vollkommen willkürlich auftauchenden Opfer haben einen Grund. Viele davon waren Freunde oder Mitglieder der Crew. Bryan drehte solche Mordsequenzen bereits an Wochenenden vor den eigentlichen Hauptdreharbeiten. Erst später wurde daraus der Film zusammengesetzt. Kein Wunder also, dass sich Don't Go in the Woods teilweise weniger wie eine Geschichte und mehr wie eine lose Sammlung möglichst schräger Waldmorde anfühlt.

Und das Kunstblut? Angeblich eine delikate Spezialmischung aus roter Lebensmittelfarbe und Barbecue-Sauce. Mehr Grindhouse geht eigentlich nicht. 

International brachte es dieser kleine Waldschrat sogar zu zweifelhaftem Ruhm: Don't Go in the Woods landete während der britischen Videopanik der Achtziger auf der berüchtigten „Video Nasties“-Liste

Und dann kommt dieser Abspannsong …

Du hast vollkommen richtig hingehört. Der Song stammt ebenfalls von H. Kingsley Thurber, der ihn nicht nur schrieb, sondern auch selbst singt. Der AFI-Katalog führt ihn lediglich als „Title Song“ – einen offiziellen eigenständigen Songtitel konnte ich in den belastbaren Credits nicht finden.

Aber jetzt kommt das Beste: Der Song wird üblicherweise als „Don't Go Out in the Woods Tonight“ bezeichnet und basiert melodisch auf „The Teddy Bears' Picnic“. Nach einer später erzählten Produktionsanekdote soll Thurber das Stück ursprünglich als Scherz an James Bryan geschickt haben. Bryan fand es offenbar so großartig, dass er es kurzerhand über den Abspann legte.

Das Kathedrale666 Urteil: Don't Go in the Woods ist kein guter Film im klassischen Sinne. Aber vielleicht wäre er weniger interessant, wenn er einer wäre. Er ist schmutzig, krude, unbeholfen, vollkommen verwegen – und ein wunderschönes Relikt aus einer Zeit, in der ein paar Verrückte noch mit wenig Geld und sehr viel Größenwahn in den Wald gehen konnten und anschließend behaupteten:

Wir haben einen Film gedreht.

Und genau für solchen Schund wurde irgendwo tief unten in Kathedrale666 schließlich ein Zimmer freigehalten.

 

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