Dienstag, 18. August 2026

Review: Anthropophagus II - 2022

0048. ANTHROPOPHAGUS II aka MAN-EATER – DER MENSCHENFRESSER IST ZURÜCK - Erstsichtung - ofdb - Trailer

Anthropophagus II aka Man-Eater – Der Menschenfresser ist zurück lässt sich weniger als klassische Fortsetzung denn als moderne Wiederbelebung des berüchtigten italienischen Menschenfressers verstehen. Und erstaunlicherweise atmet das Ding stellenweise tatsächlich wieder diesen wunderbaren Geist des damaligen italienischen Genrekinos.

Einen gewaltigen Anteil daran hat der Score von Simone Pastore. Seine elektronisch-synthetische, teilweise hypnotische Klangwelt erinnert immer wieder an jene Zeit, als italienisches Horrorkino noch nach Goblin, schmutzigen Bahnhofskinos und beschlagnahmten Videokassetten klang. Gerade gegen Ende erzeugen seine Kompositionen in Verbindung mit den Gewaltszenen einen herrlich nostalgischen Mehrwert und erinnern an die Glanzzeiten des Dirty Nasty Cinema.

Manchmal braucht es eben keine Zeitmaschine, um zurück in die glorreichen Tage des italienischen Genrekinos zu reisen. Manchmal reichen ein Atombunker, ein Menschenfresser und ein Synthesizer.

Die Handlung besitzt erwartungsgemäß keine besonders komplizierte Architektur. Eine Gruppe junger, attraktiver Damen lässt sich für ein Wochenende freiwillig in einem Atombunker samt rund 17 Kilometer langem Tunnelsystem einschließen.

Was soll da schon schiefgehen?

Nun ja – der Man-Eater wohnt offenbar schon da.

Regisseur Dario Germani macht daraus erfreulich schnörkelloses Terrorkino. Die unheilvolle, fast fiebrige Atmosphäre von Joe D'Amatos Original erreicht er für mich zwar nicht. Dafür lässt Germani seinen Menschenfresser wesentlich früher von der Kette.

Wo Antropophagus 1980 lange Zeit Atmosphäre aufbaute und George Eastman erst allmählich zum fleischgewordenen Albtraum werden ließ, geht Anthropophagus II deutlich schneller in die Vollen. Die berüchtigte Embryo-Thematik des Originals wird gleich zu Beginn aufgegriffen – damit sind die Fronten ziemlich schnell geklärt.

Besonders hervorheben möchte ich die FX-Arbeit von David Bracci und Sara Catanzaro. Masken, Verletzungen und Gore-Effekte besitzen genau jene handgemachte, unangenehme Körperlichkeit, die ich bei dieser Art Film sehen möchte. Hier wird geschnitten, zerlegt und gematscht, ohne dass alles nach klinisch sauberem Digitalblut aussieht. Über weite Strecken ist das ein kleines Festmahl für Freunde des härteren Gewaltkinos.

Und ja: Ich fand den Film tatsächlich hervorragend.

Nicht, weil er über seine gesamte Laufzeit wahnsinnig spannend wäre – das ist er nicht. Sondern weil er überhaupt nicht versucht, etwas Größeres zu sein. Seine schnörkellose Herangehensweise, die handwerklich überzeugenden Effekte und vor allem Pastores Score ergeben zusammen eine erstaunlich sympathische Verbeugung vor einer Epoche des italienischen Genrekinos, die längst Vergangenheit ist.

Vielleicht ist Anthropophagus II deshalb weniger eine Rückkehr des Menschenfressers als eine Rückkehr zu einer bestimmten Art, Horror zu machen.

Schmutzig. Direkt. Geschmacklos.

Nachhall: Der italienische Genrefilm ist nicht tot. Manchmal sitzt er nur 17 Kilometer tief in einem Atombunker und wartet darauf, wieder gefüttert zu werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen