Donnerstag, 30. Juli 2026

Review: Saint Clare – 2024

Heute in der Videothek der Nacht...

0040. Saint Clare – 2024 - Erstsichtung  - OFDb  - Trailer

Die Prime der Serienkillerfilme ist längst vorbei und fand für mich mit Dexter ihren vorläufigen Höhepunkt. Als Horror-Allesseher bleibt man dennoch ständig auf der Suche nach Filmen, die diesem Subgenre neue Impulse verleihen. Genau das gelingt Regisseurin Mitzi Peirone überraschend gut.

Der Mystery-Thriller basiert auf dem Roman Clare at Sixteen von Don Roff und erzählt die Geschichte der Teenagerin Clare, die als Serienkillerin an einer katholischen Schule ihrer Meinung nach bösen Männern das Licht ausknipst. Auf ihrem blutigen Weg stößt sie schließlich auf einen perfiden Ring von Mädchenmördern, wodurch sich der Film zunehmend vom klassischen Vigilanten-Thriller entfernt und immer stärker in mysteriöse Gefilde abdriftet.

Besonders auf der visuellen Ebene überzeugt Saint Clare mit einer stilvollen und sorgfältigen Inszenierung. Kaum zu glauben, dass der Film in gerade einmal 15 Drehtagen entstanden ist. Bella Thorne trägt den Film mit einer überraschend starken Präsenz und verleiht Clare eine Mischung aus Verletzlichkeit und Entschlossenheit. Gleichzeitig schlägt der Film immer wieder leicht avantgardistische Töne an und verlässt bewusst die üblichen Erzählmuster des Genres.

Dass Guinevere Turner, die bereits am Drehbuch von American Psycho mitschrieb, an der Drehbuchfassung beteiligt war, überrascht im Nachhinein kaum. Auch Clare ist keine klassische Serienkillerin, sondern eine widersprüchliche Figur zwischen Moral, Wahnsinn und Selbstjustiz.

Besonders gelungen empfand ich die Inszenierung des Theaterstücks innerhalb der Schule, in dem die Schüler in andere Geschlechterrollen schlüpfen. Diese Sequenz wirkt wie eine Metapher für Clare selbst, die täglich zwischen der Rolle der unauffälligen Schülerin und ihrer Identität als rächende Serienkillerin wechseln muss. Dieser doppelte Spiegel verleiht dem Film eine diskussionswürdige Ebene, die über den eigentlichen Thriller hinausgeht.

Für die männliche Hauptrolle konnte die Produktion zudem Ryan Phillippe gewinnen, der dem Film zusätzliche Präsenz verleiht. Abgerundet wird das Gesamtbild durch den stimmungsvollen Score der Dark-Wave-Künstlerin Zola Jesus, deren Musik die entrückte Atmosphäre des Films hervorragend unterstützt.

Saint Clare macht vieles richtig und dürfte sowohl Fans von Serienkillerfilmen als auch Freunde stilvoller Mystery-Thriller ansprechen.

🕯️ Nachhall:
Kein neuer Dexter – aber ein ungewöhnlicher und visuell mutiger Beitrag zum inzwischen selten gewordenen Serienkiller-Genre.

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