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Donnerstag, 8. Oktober 2026

Review: Ready or Not 2: Here I Come - 2026

0074. READY OR NOT 2 – HERE I COME - 2026 - ofdb - Trailer
Das gleiche Spiel. Nur grösser. Und nicht unbedingt besser.
Den Hype um den Überraschungshit Ready or Not aus dem Jahr 2019 konnte ich nie ganz nachvollziehen. Für mich war die blutige Hochzeitsnacht damals nur mässig überzeugend – auch wenn ich dem Film seine visuelle Finesse und die dichte, gelungene Gothic-Atmosphäre keineswegs absprechen wollte. Dennoch war die Neugierde auf die Fortsetzung Ready or Not 2 – Here I Come am Ende doch grösser als die Skepsis.
Das Ergebnis? Alles ist hier eine Nummer grösser, lauter und exzessiver. Doch leider krankt das Sequel an denselben Schwächen wie der Vorgänger: Die schrulligen, streckenweise extrem nervigen Charaktere strapazieren die Geduld des Publikums erheblich. Wo Reibungspunkte und Längen das Sehvergnügen trüben, retten dafür die prominenten Neuzugänge die Stimmung: Die Auftritte von David Cronenberg, Elijah Wood, Kevin Durand und Sarah Michelle Gellar machen verdammt viel Spass und setzen echte Highlights. Und ja, auch die stylischen gelben Converse haben mein Herz erneut erwärmt.
Unterm Strich bleibt ein solide inszenierter Survival-Trip, der nett anzusehen ist – einen dritten Teil brauche ich persönlich aber definitiv nicht.
Das gleiche Spiel – nur grösser
Hauptdarstellerin Samara Weaving bringt das Dilemma dieser Fortsetzung in einem Interview selbst auf den Punkt: «Es ist letztlich das gleiche Spiel, nur grösser.» Damit ist das Fundament des Films eigentlich perfekt zusammengefasst.
Das Regie-Duo Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett bleibt seiner bewährten Erfolgsformel treu. Auch diesmal erwartet uns eine wilde Achterbahnfahrt aus sadistischer Menschenjagd, tiefschwarzer Komödie, deftigen Gore-Effekten und einer gehörigen Portion gesellschaftskritischer Satire. Der entscheidende Unterschied liegt in der Dimension: Aus dem vergleichsweise intimen, überschaubaren Familienschlamassel des Erstlings entwickelt sich nun ein globaleres, deutlich grösser angelegtes Machtspiel. Diesmal zieht eine noch skrupellosere und groteskere Oberschicht im Hintergrund die Fäden.
Dadurch funktioniert Ready or Not 2 weitaus stärker als Ensemble-Film. Um die gewohnt starke Samara Weaving versammelt sich eine ganze Galerie prominenter Gesichter, exzentrischer Figuren und überraschender Cameos. Das liest sich auf dem Papier absolut verlockend – doch die Wahrheit auf der Leinwand zeigt einmal mehr: Eine hochkarätige Besetzung macht eben noch lange keinen meisterhaften Film.
Viele Gesichter, wenig Sympathieträger
Schauspielerisch bewegt sich das Sequel zwar auf einem überwiegend soliden Niveau, doch die Figuren, die das Ensemble verkörpern muss, strapazierten meine Nerven streckenweise gewaltig.
Ein beträchtlicher Teil der Dialoge erschöpft sich in permanentem Gefluche, gegenseitigen Beschimpfungen und betont coolen Sprüchen. Was als respektloser Tonfall einer Horror-Komödie gedacht ist, wirkt auf Dauer leider ziemlich ermüdend. Irgendwann beschlich mich sogar das Gefühl, die Altersfreigabe ab 18 Jahren sei weniger dem tatsächlichen Härtegrad der Gore-Szenen geschuldet, als vielmehr den ununterbrochenen verbalen Entgleisungen.
Auch Hauptdarstellerin Samara Weaving treibt ihre Performance als Grace diesmal bis an die absolute Schmerzgrenze. Ihre Darbietung – eine exzessive Mischung aus Panik, Wut, Hysterie und purem Überlebenswillen – ist zweifellos energiegeladen. Doch diese permanente emotionale Höchstleistung wurde mir mit zunehmender Laufzeit schlicht zu anstrengend. Von reinem Overacting möchte ich zwar nicht sprechen, aber der Regler steht hier definitiv viel zu häufig am Anschlag.
Dabei hat der Film durchaus hochkarätige Darsteller aufzubieten. Regie-Legende David Cronenberg vor der Kamera zu sehen, ist natürlich ein ganz besonderer Leckerbissen für jeden Genre-Fan. Sarah Michelle Gellar sorgt für eine ordentliche Portion Nostalgie-Prominenz und von Kevin Durand hätte ich mir schlichtweg mehr Screentime gewünscht.
Mein persönlicher Sympathiebonus geht jedoch ganz klar an Elijah Wood. Den ehemaligen Hobbit sehe ich einfach immer gerne. Dass er sich seit Jahren mit einer spürbaren, fast schon diebischen Begeisterung dem Horror- und Genrekino widmet, macht ihn ohnehin zu einem äusserst willkommenen Gast in solchen Produktionen. Das ernüchternde Fazit der Charakterriege bleibt dennoch: Ready or Not 2 ist zwar hervorragend besetzt, doch die Figuren sind letztlich wesentlich weniger interessant als die Menschen, die sie spielen.
Zwei Schwestern inmitten des Wahnsinns
Unter all dem hysterischen Geschrei, den makabren Spielregeln und dem blutigen Machtkampf verbirgt sich im Kern eigentlich eine wesentlich kleinere, weitaus persönlichere Geschichte. Im Epizentrum des Chaos steht letztlich die beschädigte Beziehung zwischen Grace und ihrer Schwester Faith, die unter den denkbar ungünstigsten Umständen wieder zueinanderfinden müssen.
Dieser emotionale Ansatz gefällt mir grundsätzlich sehr gut. Zwischen den zahlreichen grotesken Nebenfiguren und der immer weiter eskalierenden Menschenjagd hätte das Schicksal der entfremdeten Schwestern das Potenzial gehabt, dem Film das nötige menschliche Gewicht zu verleihen.
Das Problem: Ready or Not 2 vertraut seinem eigenen emotionalen Kern viel zu selten. Kaum deutet sich ein ernsthafter, tiefgründiger Moment an, wird er im nächsten Atemzug auch schon wieder von einer flachen Pointe, einem hysterischen Ausbruch oder der nächsten Absurdität im Keim erstickt. Dabei wäre gerade die Beziehung der beiden Frauen der perfekte, erdende Gegenpol zu diesem völlig überdrehten Zirkus gewesen.
Wo ist das Gothic-Puppenhaus geblieben?
Was ich am ersten Ready or Not trotz aller inhaltlichen Kritik besonders mochte, war seine visuelle Gestaltung. Das herrschaftliche Anwesen mit seinen schweren Innenräumen, das dunkle Holz, die satten Grün-, Gold- und Bronzetöne sowie das blutverschmierte weisse Hochzeitskleid ergaben eine beinahe altmodische Gothic-Atmosphäre. Gelegentlich fühlte ich mich sogar an die glorreichen Tage des britischen Hammer-Horrors erinnert.
Diese besondere visuelle Magie vermisse ich in der Fortsetzung schmerzlich. Technisch ist auch Ready or Not 2 ordentlich umgesetzt. Ausstattung, Kameraarbeit und Inszenierung bewegen sich auf einem absolut ansprechenden Niveau. Doch mit der Vergrösserung der Spielwelt verliert der Film die räumliche Geschlossenheit, die den Vorgänger so reizvoll machte.
Das erste Abenteuer wirkte stellenweise wie ein morbides Gothic-Puppenhaus, in dem sich eine Hochzeitsgesellschaft gegenseitig an die Gurgel ging. Die Fortsetzung öffnet nun die Türen, lässt deutlich mehr Leute herein und büsst dabei genau diesen eigenwilligen, klaustrophobischen Charme ein. Mehr Schauplätze, mehr Figuren und mehr Produktionsaufwand bedeuten eben nicht automatisch mehr Atmosphäre.
Blutfontänen und ein mittelmässiger Kniff
Splattertechnisch gibt es hingegen wenig zu beanstanden. Die Effekte sind solide umgesetzt und spätestens beim Showdown werden die Blutpumpen noch einmal kräftig angeworfen. Dann spritzt und fontänt es auf der Leinwand, als hätte das Effekt-Team beschlossen, die verbliebenen Reserven an Kunstblut unbedingt noch aufzubrauchen. Nur habe ich als langjähriger Horrorfan solche Einlagen inzwischen gefühlt tausendmal gesehen. Das ist handwerklich zwar unterhaltsam, aber weder besonders originell noch nachhaltig beeindruckend.
Auch der abschliessende erzählerische Kniff hat mich nicht sonderlich begeistert. Er funktioniert innerhalb der überdrehten Logik des Films zwar irgendwie, bleibt für mich aber eher erzählerisches Mittelmass als eine gelungene Überraschung. Das Grundproblem zieht sich ohnehin durch beide Teile: Sobald sich ernsthafte Bedrohung oder echte Spannung entwickeln könnten, nimmt irgendeine schräge Figur oder ein flapsiger Dialog dem Ganzen sofort wieder den Druck. Ich habe grundsätzlich nichts gegen schwarzen Humor im Horrorfilm – aber er sollte die Bedrohung ergänzen und sie nicht permanent entschärfen.
Wenn die Musik den richtigen Ton trifft
Eine Sache funktioniert allerdings erneut ausgesprochen gut: der Soundtrack. Schon beim ersten Film gefiel mir die präzise Platzierung der Songs. Auch die Fortsetzung versteht es, musikalische Akzente zu setzen, die manchmal deutlich mehr Wirkung entfalten als die eigentlichen Dialoge.
Besonders gelungen ist der Abschluss mit «Will You Still Love Me Tomorrow» in der Version von Madi Diaz. Nach all dem hysterischen Geschrei, den grotesken Familienverhältnissen und den ausgiebigen Blutfontänen wirkt dieser Song beinahe überraschend elegant. Ein schöner, leicht melancholischer Schlusspunkt, der dem Film einen wirklich würdigen Abschied beschert. Manchmal weiss Ready or Not 2 musikalisch eben besser, wann Schluss sein sollte, als seine eigenen Figuren. Und die gelben Converse? Die dürfen natürlich ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Bereits im ersten Teil gehörten Graces auffällige Chucks zu den sympathischsten visuellen Details – schön, dass das Sequel diese kleine modische Eigenheit beibehalten hat.
Fazit: Mehr ist nicht immer mehr
Ready or Not 2 – Here I Come ist kein schlechter Film. Dafür ist er handwerklich zu solide, zu prominent besetzt und über weite Strecken auch schlicht zu unterhaltsam. Aber er ist eben auch keine besonders gelungene Fortsetzung. Die erweiterte Mythologie, der Ensemblecharakter und die Beziehung zwischen den beiden Schwestern bieten durchaus interessante Ansätze. Nur gehen diese zwischen überzeichneten Charakteren, nervigen Dialogen, anstrengendem Schauspiel und einer unentschlossenen Mischung aus Horror und Komödie komplett unter.
Samara Weaving hat es selbst auf den Punkt gebracht: Es ist das gleiche Spiel, nur grösser. Mehr Stars, mehr Gefluche, mehr Geschrei, mehr Blut – aber spürbar weniger von jener Dichte, die den ersten Teil trotz seiner Schwächen ausgezeichnet hat. Am Ende retten einige tolle Gastauftritte, ein fantastischer Elijah Wood, ein gelungener Schlusssong und die verdammten gelben Converse den Abend. Für einen kurzweiligen Horrorabend im Heimkino reicht das durchaus. Für einen dritten Teil brauche ich persönlich allerdings keine Einladung mehr.
Ready or Not? Beim nächsten Mal darf die Familie gerne ohne mich spielen.

2 Kommentare:

  1. Den habe ich im Kino verpasst. Trailer damals im Kino gesehen, sprach mich noch an. Denke auch, dass mir Elijah Wood am besten gefallen würde. Den ersten Teil kenne ich nicht.

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  2. Den Einser fand ich besser - weil besserer Look und Setting.

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