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Dienstag, 13. Oktober 2026

Review: KOMMANDO NINJA - 2018

0078. KOMMANDO NINJA  - 2018 - Zweitsichtung - ofdb - Trailer

Es gab einmal eine Zeit, in der man Filme nicht nach Algorithmen auswählte. Man ging in die Videothek, schlenderte durch die Gänge und liess sich von martialischen Covern, muskelbepackten Kerlen, Ninjas und explodierenden Hubschraubern verführen. Je reisserischer das Plakat, desto grösser das Versprechen – was sich tatsächlich auf der VHS-Kassette befand, war freilich eine ganz andere Geschichte. Irgendwo zwischen diesen Regalen, vermutlich in der hintersten Ecke, fand Regisseur Benjamin Combes die Inspiration für sein Werk. Was der Franzose 2018 auf die Beine stellte, ist eine herrlich überdrehte Trash-Granate, die sich mit bemerkenswerter Begeisterung durch das Actionkino der Achtzigerjahre prügelt. Kommando Ninja ist ein reiner Fan-Film – kein seelenloses Produkt –, und genau das macht ihn so sympathisch.
Als ein Mann noch eine ganze Armee ersetzen konnte
Das Actionkino der 80er war ein eigenartiges Biotop. In seinen glanzvollen Momenten brachte es zeitlose Klassiker hervor, in seinen schlechteren haarsträubenden Unsinn, der trotzdem Kultstatus erreichte. Die Helden waren selten Männer der leisen Töne: Probleme wurden nicht ausdiskutiert, sondern mit Maschinengewehren, Messern oder den blossen Fäusten gelöst. Ein einzelner Soldat konnte mühelos eine ganze Privatarmee ausschalten, während Ninjas selbst dort auftauchten, wo absolut niemand mit ihnen rechnete. Logik war zweitrangig – Hauptsache, es krachte ordentlich.
Kommando Ninja hat diese Mechanismen perfekt verstanden. Der Film orientiert sich nicht nur an den grossen Hollywood-Blockbustern jener Zeit, sondern feiert vor allem die Eigenheiten ihrer billigen Nachahmer: die unbeholfenen Kampfszenen, die völlig überzeichneten Bösewichte, die absurden Militärfantasien und den kindlichen Einfallsreichtum der Drehbücher. Das Ergebnis ist eine treffsichere Parodie, die ihre Vorbilder zwar gnadenlos durch den Kakao zieht, sie aber gleichzeitig aufrichtig verehrt.
Ninjas, Prügel und die grosse Keule
Besonders viel Vergnügen bereiten die Actionszenen: Hier wird noch richtig zugelangt. Die Kämpfe bestehen aus martialischen Kloppereien, wilden Ninja-Moves und übertriebenen Choreografien, die sich nicht im Geringsten um realistische Physik scheren. Und warum sollten sie auch? Das 80er-Actionkino lebte davon, dass seine Helden Dinge vollbrachten, die gewöhnliche Sterbliche kaum überlebt hätten.
Kommando Ninja treibt diese Tradition genüsslich ins Absurde und setzt auf eine direkte, körperliche Komik. Jeder Schlag und jeder Tritt erinnert an jene alten Streifen, in denen die Darsteller mit grimmiger Entschlossenheit durch die Kulissen stolperten. Man spürt in jeder Einstellung die ungehemmte Begeisterung aller Beteiligten, ihre Kindheitshelden noch einmal auferstehen zu lassen – und dieser Spass überträgt sich eins zu eins auf den Zuschauer.
VHS-Nostalgie ohne Hochglanzverpackung
Natürlich darf auch die passende Optik nicht fehlen: Künstlich gealterte Bilder, analoge Störungen und VHS-Drop-outs beschwören den Charme abgenutzter Videobänder herauf. Doch das Entscheidende ist: Der Film funktioniert nicht ausschliesslich über diese visuellen Spielereien. Man könnte sämtliche künstlichen Bildfehler entfernen und hätte noch immer eine waschechte Hommage an das Actionkino der Achtziger. Denn die eigentliche Nostalgie steckt nicht in der Oberfläche, sondern tief in den Figuren, den Situationen und den typischen filmischen Mechanismen.
Genau das unterscheidet Kommando Ninja von vielen modernen Retro-Produktionen. Während eine Serie wie Stranger Things mit enormem Aufwand eine sorgfältig designte 80er-Erlebniswelt erschafft und damit längst Teil einer gigantischen Vermarktungsmaschine ist, verfolgt Combes einen anderen Ansatz. Hier wird keine Epoche als Lifestyleprodukt verkauft – hier wird eine ganz bestimmte Form von Kino gefeiert, die ihre Fans einst in den hinteren Genden der Videotheken entdeckten. Die VHS-Optik ist nur die Verpackung, die wahre Liebeserklärung steckt im Film selbst.
Die hintersten Regale: Ein kleines Stück Filmgeschichte
Was mich an Kommando Ninja besonders begeistert, ist seine Nähe zu einer Filmkultur, die in klassischen Geschichtsbüchern kaum vorkommt. Denn die Achtziger bestanden eben nicht nur aus Schwarzenegger, Stallone und den grossen Blockbustern. Da gab es auch die unzähligen kleineren Actionfilme: italienische und philippinische Söldnerabenteuer, amerikanische B-Movies und billige Ninja-Streifen, deren Verleiher mit spektakulären Covers um Aufmerksamkeit kämpften. Manchmal war das Cover tatsächlich das Beste am ganzen Film – und trotzdem waren diese Streifen Teil einer lebendigen Kultur.
Die Videothek war damals kein reines Geschäft, sondern ein Ort der Entdeckungen. Ein martialisches Motiv und ein knackiger Titel mussten reichen. Vielleicht erwischte man ein vergessenes Highlight, vielleicht einen totalen Rohrkrepierer – und manchmal einen Film, der so herrlich bescheuert war, dass man ihn am nächsten Tag sofort seinen Freunden zeigen musste. Genau dieses Gefühl transportiert Kommando Ninja: Es ist die Erinnerung an eine Zeit, in der man sich einen schlechten Film auslieh und danach begeistert davon erzählte, wie herrlich schlecht er eigentlich war.
Horror-Bloodlines: Die Verwandtschaft einer Trash-Granate
Die filmischen Verwandtschaften lassen sich hier besonders schön nachverfolgen. Da wäre zunächst Mark L. Lesters Commando (1985) als Blaupause der ultimativen Ein-Mann-Armee. Dann Rambo II (1985), dessen Dschungel-Action eine riesige Welle von Nachahmern befeuerte. American Ninja (1985) steht stellvertretend für den damaligen Ninja-Boom auf dem Heimvideomarkt, und natürlich ist auch die Söldnerästhetik aus Predator (1987) unverkennbar.
Doch interessanter als die grossen Namen ist das Netzwerk dahinter. Kommando Ninja wirkt wie ein Sammelbecken für all jene Low-Budget-Produktionen, die mit minimalen Mitteln das maximale Spektakel erzwingen wollten. Hier liegt die eigentliche filmhistorische Verwandtschaft. Combes bedient sich aus diesem Fundus mit einer Begeisterung, die weit über oberflächliches Zitieren hinausgeht. Das Ergebnis ist eine liebevolle kleine Enzyklopädie des Videotheken-Actionfilms – allerdings eine, in der die Einträge gelegentlich mit einer Faust ins Gesicht serviert werden.
Ein bisschen mehr „Nackte Kanone“ hätte nicht geschadet
Bei all der Begeisterung für diesen wilden Unsinn hätte ich mir dennoch einen kleinen Wunsch erlaubt: Kommando Ninja hätte ruhig noch stärker auf echte Situationskomik setzen dürfen. Ich denke dabei weniger an zynische Dialoge, sondern an den Humor im Stile von Die nackte Kanone. Dort entsteht der Witz dadurch, dass völlig absurde Szenarien mit absoluter Ernsthaftigkeit gespielt werden und die Figuren gar nicht merken, wie lächerlich sie sich verhalten.
Genau diese Form des Humors hätte hervorragend zu den überzeichneten Actionhelden und den martialischen Ninjas gepasst. Ein paar zusätzliche Momente, in denen die Charaktere noch konsequenter veräppelt werden, hätten den herrlichen Wahnsinn auf die Spitze treiben können. Allerdings ist das Jammern auf ziemlich hohem Trash-Niveau, denn der Film nimmt sich ohnehin zu keiner Sekunde ernst – und das ist bei einem solchen Projekt bereits die halbe Miete.
KATHEDRALE666 – DAS FAZIT
Kommando Ninja ist eine wunderbar respektlose Liebeserklärung an das Actionkino der Achtzigerjahre und die längst verschwundene Welt der Videotheken. Eine Trash-Granate voller Ninjas, Prügeleien, absurder Einfälle und liebevoller Anspielungen auf ein Genre, das seine eigene Lächerlichkeit damals häufig gar nicht bemerkte.
Ein wenig mehr Situationskomik im Stil von Die nackte Kanone hätte dem Spektakel zusätzlich gutgetan. Doch die Begeisterung der Macher ist so ansteckend, dass man sich diesem herrlichen Unsinn kaum entziehen kann. Wer ausschliesslich nach technischer Perfektion und ausgefeilten Drehbüchern sucht, dürfte hier ziemlich verloren sein. Wer hingegen jemals mit glänzenden Augen vor einem Videothekenregal voller Ninjas, Söldner und muskelbepackter Actionhelden gestanden hat, dürfte sich fühlen, als wäre er endlich wieder zu Hause.
KOMMANDO NINJA IST EIN FAN-FILM. KEIN PRODUKT. Und manchmal braucht es eben keine hundert Millionen Dollar, um eine vergangene Filmepoche wieder zum Leben zu erwecken. Manchmal genügen ein paar Ninjas, eine ordentliche Tracht Prügel und verdammt viel Liebe zum Kino.

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