Hannah Murray – Dortmund April 2019
Ein Autogramm, das mit den Jahren an Bedeutung gewonnen hat.
Als grosser Game of Thrones-Fan war Hannah Murray für mich 2019 an der German Comic Con in Dortmund selbstverständlich ein Pflichttermin. Ihre Darstellung der Gilly hatte ich über die Jahre schätzen gelernt, und entsprechend freute ich mich darauf, ihr persönlich zu begegnen.
Es wurde eine ausgesprochen stille Begegnung. Wir wechselten keine Worte. Hannah wirkte auf mich schüchtern, zurückgezogen und irgendwie verletzlich. Gleichzeitig empfand ich sie als unglaublich herzlich und liebevoll. Es war keine jener Convention-Begegnungen, bei denen man anschliessend eine lustige Anekdote erzählen kann. Und trotzdem blieb sie mir in besonderer Erinnerung.
Damals hatte ich das Gefühl, dass sie möglicherweise keine ganz unbeschwerte Zeit durchlebte. Mehr als ein persönlicher Eindruck war das natürlich nicht. Ich konnte nicht wissen, was in ihrem Leben tatsächlich vor sich ging.
Sieben Jahre später stiess ich auf ihre Geschichte.
Hannah Murray hat inzwischen öffentlich über eine schwere persönliche Krise, ihre Erfahrungen mit einer spirituellen Gruppierung und ihren späteren Rückzug aus der Schauspielerei gesprochen. Ihre Schilderungen haben mich betroffen gemacht. Nicht zuletzt deshalb, weil ich mich noch so gut an diese stille, freundliche junge Frau in Dortmund erinnern konnte.
Plötzlich betrachtete ich auch mein damaliges Autogramm mit anderen Augen.
Ein Autogramm besitzt für mich ohnehin nie nur einen materiellen Wert. Es ist die Erinnerung an einen bestimmten Menschen, einen bestimmten Ort und einen unwiederbringlichen Augenblick.
Im Fall von Hannah Murray ist dieser persönliche Wert inzwischen noch einmal erheblich gewachsen.
Sie hat sich von der Schauspielerei zurückgezogen und scheint heute einen anderen Lebensweg eingeschlagen zu haben. Ob sie jemals wieder auf einer Convention anzutreffen sein wird, weiss niemand. Gerade deshalb bin ich froh, ihr damals begegnet zu sein und dieses signierte Foto in meiner Sammlung zu haben.
Nicht weil ihre persönliche Geschichte das Autogramm zu einer besonders wertvollen Rarität machen würde. Sondern weil ich heute mit diesem Stück eine noch tiefere menschliche Erinnerung verbinde.
Eine Geschichte, die es verdient, gelesen zu werden
2026 veröffentlichte Hannah Murray ihre autobiografischen Erinnerungen unter dem Titel The Make-Believe: A Memoir of Magic and Madness.
Darin beschäftigt sie sich mit ihrer Schauspielkarriere, ihren Erfahrungen innerhalb einer spirituellen Gruppierung, ihrer psychischen Krise und ihrem Weg zurück zu einem selbstbestimmten Leben.
Ich möchte dieses Buch ausdrücklich erwähnen, weil Hannah Murray darin offenbar eine ganz andere Geschichte erzählt als jene, für die Millionen Zuschauer sie aus Skins oder Game of Thrones kennen.
Eine Geschichte hinter den Kulissen. Und vor allem die Geschichte eines Menschen, der mehr ist als die Rollen, mit denen wir ihn verbinden.
Mein signiertes Gilly-Foto aus Dortmund 2019 gehört heute zu jenen Sammlerstücken, deren persönlicher Wert sich nicht in Franken oder Euro ausdrücken lässt.
Und wenn ich es heute betrachte, erinnere ich mich nicht zuerst an Winterfell, Samwell Tarly oder die Weissen Wanderer.
Ich erinnere mich an eine stille Begegnung mit einer ausgesprochen liebenswerten jungen Frau.
Und ich wünsche ihr von Herzen, dass sie auf ihrem neuen Lebensweg glücklich wird.





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