RESIDENT EVIL - 2026 - ofdb - Trailer
Eine Winternacht, in der Schweigen Gold wert wäre
Achtung: Diese Analyse enthält vollständige Spoiler.
Nach Weapons wollte ich sehen, was Zach Cregger mit Resident Evil anfängt. Barbarian habe ich noch vor mir, doch schon jetzt traue ich ihm zu, dem Mainstream-Horror frische Impulse zu geben. Also griff ich trotz der inzwischen fast luxuriösen Ticketpreise wieder einmal tief in die Tasche und begab mich in die Finsternis des Kinosaals.
Ich habe alle bisherigen Resident Evil-Filme gesehen und mich in der Reihe, von einigen Ausnahmen abgesehen, immer wohlgefühlt. Die Spiele kenne ich dagegen nur dem Namen nach. Ich erwartete deshalb keine originalgetreue Umsetzung bestimmter Figuren. Creggers Geschichte musste mich als Film packen – und das gelingt ihr über weite Strecken.
Die Ausgangslage ist denkbar einfach: Der Kurier Bryan soll in einer eisigen Winternacht ein lebensrettendes Organ transportieren. Aus der letzten Fahrt des Abends wird eine höllische Odyssee. Falls ihr denkt, ihr hättet einen schlechten Tag gehabt: Bryan würde vermutlich gern mit euch tauschen.
Austin Abrams, den Cregger bereits für Weapons besetzte, trägt den Film beinahe allein. Sein Bryan ist kein kampferprobter Actionheld. Er schiesst schlecht, übersieht in der Panik das Offensichtliche und ist mit jeder neuen Gefahr ein Stück weiter überfordert. Abrams verleiht ihm eine lässige, unbeholfene Art, die ich anfangs sehr mochte. Cregger hat erklärt, dass viel von seinen eigenen Ängsten in der Figur steckt: Bryan soll ungefähr so reagieren wie ein gewöhnlicher Mensch, der plötzlich selbst in einem Resident Evil-Spiel ums Überleben kämpfen muss.
Das sorgt für komische Momente. Doch je länger diese Nacht dauert, desto häufiger wird aus Bryans Überforderung eine Witzvorlage, die der Bedrohung ihre Schärfe nimmt. Am meisten störten mich die Dialoge. Cregger schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Shay Hatten; Abrams bestätigte, dass er einen Teil von Bryans Fluchen improvisierte. Das erklärt den abgerissenen Klang mancher Panikreaktion. Es erklärt für mich nicht, weshalb auch Gespräche mit anderen Figuren stellenweise so schlecht getextet wirken. Mehrfach sass ich im Kino und fragte mich: Hat das wirklich jemand so geschrieben? Bryans pausenloses Kommentieren arbeitet irgendwann gegen die Spannung, die der Film mit so viel Aufwand erzeugt.
Denn visuell besitzt diese Nacht eine enorme Kraft. Der Schnee gibt Raccoon City ein eigenes, bedrohliches Gesicht. Hinter jedem Licht könnte Hilfe warten, hinter jeder Tür die nächste Katastrophe. Bryan wird ohne grosse Verschnaufpause von einem Schauplatz zum nächsten getrieben; das rasante Tempo und die winterliche Stille ergänzen sich erstaunlich gut. Cregger siedelte seine Geschichte bewusst im verschneiten Jahr 2026 an. Gedreht wurde vor allem in Tschechien, unter anderem in und um Prag.
Kenner der Spiele entdecken unterwegs Schreibmaschinen, Heilkräuter, Erste-Hilfe-Spray und Schlösser, die nach dem passenden Schlüssel verlangen. Mir entgeht vermutlich die Hälfte dieser Anspielungen. Das hat mich nicht gestört: Auch ohne Spielerfahrung versteht man sofort, wie knapp Bryans Möglichkeiten sind und wie viel von der nächsten Tür, der nächsten Waffe oder einem einzigen Fehler abhängt.
Sehr gut gefällt mir, wie der Film mit Klang arbeitet. Der Score von Hays und Ryan Holladay hält sich gerade in angespannten Momenten zurück. Cregger liess beim finalen Mix Musik entfernen, und diese Entscheidung ist zu spüren: Ohne musikalische Vorwarnung lauscht man umso genauer in die Dunkelheit.
Auch die Kreaturen haben Gewicht. Shane Mahan und Legacy Effects schufen praktische Monstereffekte; eine der grossen Figuren in der Kanalisation wurde sogar als beinahe eine Tonne schwere Puppe gebaut. Diese körperliche Präsenz passt zu Bryans schmutzigem Überlebenskampf. Die Monster stehen tatsächlich vor ihm – und er muss irgendwie an ihnen vorbei.
Cregger hatte nach eigener Aussage keinen der früheren Resident Evil-Filme gesehen. Ihn interessierte das Gefühl der Spiele: mit begrenzten Mitteln weiterkommen, falsche Entscheidungen treffen und nie sicher sein, was hinter der nächsten Tür wartet. Ich habe keine Minute davon gespielt und fühlte mich trotzdem sofort in dieser Nacht zu Hause.
Resident Evil ist für mich ein rasanter, atmosphärisch starker Horrorfilm mit eindrucksvollen Bildern und Kreaturen. Umso ärgerlicher, dass seine Dialoge den Überlebenskampf immer wieder zur Comedy herunterbrechen. Manchmal hätte ich Bryan am liebsten zugerufen: „Lauf einfach weiter. Du musst nicht alles kommentieren!“


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