Montag, 3. August 2026

Special 002: John Howe – Tour de Fantastic

August 2026. Der wohl heisseste Sommer, den ich je erlebt habe. Zusammen mit meinem langjährigen Freund Edgar sowie Margot und Gabriela befand ich mich unter flirrenden 35 Grad auf dem Weg nach Neuchâtel. Links und rechts hatte die Sonne die Landschaft in ein goldgelbes Gewand gehüllt. Auf den Autobahnzäunen sassen Sperber und hielten Ausschau nach Beute, während selbst die Mäuse längst Schutz in der kühlen Erde gesucht hatten. Als der matte, türkisfarbene Neuenburgersee die goldene Landschaft durchschnitt, hatte ich plötzlich das Gefühl, mich auf einem fremden Planeten zu befinden – irgendwo zwischen Realität und Fantastik.

Passender hätte die Anreise kaum sein können, denn unser Ziel war nichts Geringeres als die Tour de Fantastic und die Werke von John Howe. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht ahnen, dass das Leben an diesem Tag seine ganz eigene Geschichte schreiben würde.

Wer sich jemals gefragt hat, wie Mittelerde überhaupt ein Gesicht bekam, landet früher oder später bei John Howe. Er gehört zu den bedeutendsten Tolkien-Illustratoren unserer Zeit und prägte als Concept Artist die Herr-der-Ringe- und Hobbit-Filmtrilogien von Peter Jackson entscheidend mit. Howe gilt zudem als ausgewiesener Experte für Waffen, Rüstungen und das Alltagsleben des Mittelalters – beste Voraussetzungen also, um Tolkiens imaginäre Welt glaubwürdig zum Leben zu erwecken.

Natürlich habe ich Der Herr der Ringe gelesen. Ich muss jedoch gestehen, dass ich zur literarischen Vorlage nie ganz den Zugang fand. Der Wurm Ouroboros von E. R. Eddison lag mir immer näher. Erst Peter Jacksons Verfilmungen entfachten meine Begeisterung für Mittelerde neu.

Die Ausstellung erstreckt sich über vier Stockwerke im mittelalterlichen Turm Hauterive 3. Eine bessere Kulisse hätte man sich kaum wünschen können. Jedes einzelne Bild wirkt wie ein Tor in eine andere Welt. Als Liebhaber der Fantastik kommt man aus dem Staunen kaum heraus und verliert sich regelrecht in Howes Schaffen. Wer sich auch nur ansatzweise für fantastische Literatur oder Kunst interessiert, sollte sich diese Ausstellung keinesfalls entgehen lassen.

Während ich gerade völlig in eines seiner Werke vertieft war, entdeckte Margot plötzlich John Howe höchstpersönlich, der an diesem Tag selbst vor Ort war. Edgar reagierte sofort, sprach ihn freundlich an und kurze Zeit später standen wir tatsächlich gemeinsam mit ihm für ein Foto vor der Kamera. Howe wirkte dabei angenehm zurückhaltend und fast etwas scheu – genau so, wie ich ihn mir immer vorgestellt hatte.

Oft ist die Vorfreude auf ein Erlebnis bereits das Schönste. Doch manchmal schreibt das Leben sein eigenes Drehbuch. Dann begegnet man nicht nur einem Künstler, den man seit Jahren bewundert, sondern darf diesen Moment auch mit Menschen teilen, die zufällig genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Vielleicht ist genau das der Grund, weshalb manche Erinnerungen ein Leben lang bleiben.

Danke, Edgar, Margot und Gabriela, für diesen wundervollen Tag. Und danke, John Howe, für eine Welt, die seit Jahrzehnten die Fantasie unzähliger Menschen beflügelt.


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