Freitag, 21. August 2026

Review: Infinity Pool - 2023

INFINITY POOL - 2023 - Zweitsichtung - ofdb - Trailer

Grüsse gehen raus an meinen Kumpel Marco für diesen Filmtipp diese Woche im späten Spätprogramm auf SRF 1. Hat mir mit dem Film den gesamten Abend versaut. :-)

Ich hatte Infinity Pool nach meiner Erstsichtung bereits erfolgreich aus meinem Gedächtnis gelöscht – und erkannte nun nach wenigen Minuten einigermaßen ernüchtert, dass ich den ganzen Irrsinn schon einmal über mich hatte ergehen lassen.

Inhaltlich kann man über Infinity Pool kaum etwas erzählen, ohne dem Film seine Überraschungen zu nehmen: Ein Pärchen trifft in einem idyllischen Ferienparadies auf ein anderes Pärchen – und zugleich auf ein ziemlich verstörendes Geheimnis der Inselbewohner.

Was danach folgt, ist ein absoluter Mindfuck, wie er wohl tatsächlich nur aus dem Hause Cronenberg kommen kann. Diesmal darf Brandon, Sohn des von mir hochgeschätzten Kultregisseurs David Cronenberg, an die menschlichen Abgründe ran. Und der Junior zeigt ziemlich schnell, dass er keineswegs nur Papas Body-Horror-Besteck aus der Schublade holt.

Dabei besitzt gerade das künstliche Ferienparadies einen interessanten realen Ursprung: Brandon Cronenberg ließ sich von einem eigenen All-inclusive-Urlaub inspirieren, bei dem ihm diese abgeschottete touristische Kunstwelt innerhalb eines Landes zunehmend surreal erschien. Selbst einzelne Situationen des Films gehen auf damalige Erlebnisse zurück.

Ganz der Familientradition verpflichtet, bricht Cronenberg Tabu um Tabu und provoziert nicht nur inhaltlich, sondern hämmert einem seine Bilder mitunter regelrecht ins Gesicht. Und diese psychedelischen Sequenzen sind keine beliebige CGI-Sosse: Cronenberg und Kameramann Karim Hussain experimentierten mit Spiegeln, Projektionen, Glas und Licht, filmten bereits aufgenommenes Material erneut ab und montierten teilweise einzelne Frames miteinander. Der Fiebertraum wurde also tatsächlich handwerklich zum Fiebertraum gemacht.

Dass Infinity Pool ursprünglich ein NC-17 kassierte und für den amerikanischen Kinostart entschärft werden musste, überrascht angesichts der Mischung aus Sex, Gewalt, Körperlichkeit und komplettem Kontrollverlust dann auch ungefähr so sehr wie ein Sonnenbrand am Pool. Die ungeschnittene Version wurde unter anderem in Sundance gezeigt.

Irgendwo zwischen subversiver Kunst, Arthouse, Body Horror und einer ordentlichen Schippe Splatter entsteht so ein dekadenter, hässlicher und gleichzeitig faszinierender Fiebertraum. Mittendrin die von mir sehr geschätzte Mia Goth – ich warte immer noch darauf, dass die Frau endlich einmal auf einer Convention auftaucht – und Alexander Skarsgård, bei dem ich diese Hoffnung vorsichtshalber gar nicht erst entwickle.

Beide werfen sich mit einer bemerkenswerten Schmerzfreiheit in Cronenbergs Wahnsinn. Skarsgård fasste seine Dreherfahrung später übrigens mit schwarzem Humor zusammen: Der Kampf gegen eine nackte Version seiner selbst und von Mia Goth gestillt zu werden, seien zwei der erinnerungswürdigeren Momente gewesen. Na dann – anderer Leute Büroalltag.

Infinity Pool ist kein Film, den ich liebe. Dafür ist mir dieser beinahe zweistündige Trip streckenweise zu selbstverliebt in seinen eigenen Wahnsinn. Aber ich muss ihm zugestehen, dass er etwas besitzt, was vielen glattgebügelten Genreproduktionen völlig abgeht: eine eigene Handschrift und den Mut, einem gepflegt auf die Nerven zu gehen.

Und Marco?

Danke nochmals. Jetzt brauche ich nochmals drei Jahre Therapie um Infinity Pool aus meinem Hirn zukriegen. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen