0044. CRY OF THE WINGED SERPENT - 2006 - Zweitsichtung - ofdb - Trailer
Ein mexikanischer Priester legt sich mit einem Drogenkartell an – und weil Beten allein offenbar nicht mehr reicht, kommt ein magisches Amulett ins Spiel, mit dem sich eine geflügelte Schlangengottheit beschwören lässt. Nach einem Massaker landet das gute Stück bei Miguel, der fortan seine ganz persönliche Abrechnung mit dem Kartell beginnt. Unterstützt wird er dabei von Father Juan, während sich der abgebrühte Cop Griffin ebenfalls an die Fersen der Beteiligten heftet. Griffin schleppt derweil noch den Tod seiner Frau mit sich herum – denn selbst im Creature-Billigeimer muss irgendwo noch Platz für ein bisschen Charakterdrama sein.
Regisseur, Produzent und Drehbuchautor Jim Wynorski ist eine Urgewalt der schnellen und billigen Unterhaltung, die im Laufe ihrer Karriere vermutlich schon diverse Filmseelen gebrochen hat. Der Mann lernte sein Handwerk im Umfeld von Roger Corman, und genau dessen Concorde-New-Horizons war auch an Cry of the Winged Serpent beteiligt.
Wynorski macht ordentlich Rabatz: überforderte Darsteller treffen auf abgespeckte CGI, Gangster auf aztekisch angehauchte Mythologie und eine fliegende Riesenschlange auf ein Budget, das ihr vermutlich nicht einmal eine vernünftige Haftpflichtversicherung ermöglicht hätte. Das Schöne daran: Der Film versucht gar nicht erst, seine Herkunft aus der hintersten Ecke des B-Movie-Regals zu verbergen.
Und genau hier wird es für meine kleine Abteilung Pulp Creature Cinema interessant. Denn Cry of the Winged Serpent funktioniert fast wie ein altes Groschenheft in Bewegung: magisches Amulett, Drogenkartell, rachsüchtiger Held, fliegendes Monster und ein Cop mit persönlichem Trauma. Keine Idee ist zu groß, solange sie sich irgendwie billig genug auf den Bildschirm prügeln lässt.
Ganz zufällig wirkt das übrigens nicht wie eine moderne Billigversion von Larry Cohens großartigem Q – The Winged Serpent von 1982. Schon zeitgenössische Besprechungen zogen diese Verbindung, wobei Wynorskis Film keine direkte Neuverfilmung ist.
Trivia aus dem Billigeimer: Gedreht wurde unter einem Low-Budget-Abkommen der Schauspielergewerkschaft SAG. Laut IMDb erhielten viele Darsteller gerade einmal 100 Dollar pro Drehtag. Für die bekannteren Namen sah die Rechnung etwas anders aus: Maxwell Caulfield soll für zwei Wochen 40.000 Dollar bekommen haben, Robert Beltran für lediglich einen Drehtag 10.000 Dollar. Beltran kennt man natürlich vor allem als Chakotay aus Star Trek: Voyager.
Und selbst Wynorski versteckte sich ein wenig: Bei Regie und Drehbuch taucht teilweise sein Pseudonym Jamie Wagner auf. Das Budget wird mit gerade einmal rund 350.000 Dollar angegeben. Da verzeiht man der geflügelten Schlange auch, wenn sie gelegentlich aussieht, als hätte ein Pentium III plötzlich beschlossen, Spezialeffekte zu machen.
Bemerkenswert ist außerdem, dass eine damalige Kritik bei Dread Central den Film tatsächlich als einen von Wynorskis unterhaltsamsten Filmen seit langer Zeit lobte und gerade seine rauen B-Movie-Kanten als Teil des Vergnügens betrachtete. Und damit sind wir wieder bei dem Punkt, weshalb solche Filme bei mir überhaupt im Regal landen: Sie sind nicht trotz ihrer Beschränkungen interessant, sondern manchmal gerade deswegen.
Schlecht gemacht. Groß gedacht. Genau richtig.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen