0046. KING OF THE LOST WORLD – 2005 - Erstsichtung - ofdb - Trailer
King of the Lost World als Genrefilm oder gar Pulp Creature Cinema zu bezeichnen, wäre beinahe Verrat an der Sache. Denn Trash darf billig sein. Trash darf lächerlich sein. Trash darf aussehen, als hätte jemand die Spezialeffekte während der Mittagspause auf einem ausrangierten Bürorechner zusammengeschraubt. Aber verdammt noch mal – Trash darf nicht langweilen.
Und genau daran scheitert Leigh Scotts King of the Lost World aus dem Jahr 2005 für mich ziemlich spektakulär.
Dabei liest sich die Ausgangslage eigentlich wie eine Bestellung direkt aus der Kathedrale666-Küche: Ein Passagierflugzeug stürzt mitten im Amazonasgebiet ab, die Überlebenden schlagen sich durch eine vergessene Welt und treffen auf Riesenskorpione, geflügelte Urzeitviecher, menschenfressende Pflanzen, zweifelhafte Eingeborene und schließlich einen gigantischen Affen. Offiziell handelt es sich um eine moderne, sehr freie Variante von Arthur Conan Doyles The Lost World.
Klingt nach 80 Minuten hemmungslosem Creature-Trash.
Ist es aber nicht.
Denn ausgerechnet die Kreaturen, wegen denen man sich diesen Schund überhaupt in den Player legt, haben über weite Strecken Sendepause. Besonders dreist erwischt es den titelgebenden Riesenaffen: Eine zeitgenössische Kritik von Dread Central spottete schon 2005 sinngemäß über einen „King of the Last 10 Minutes“. Der Affe taucht zu Beginn nur kurz auf und verschwindet danach praktisch bis zum Finale.
Und dahinter steckt vermutlich Methode.
Produziert wurde der Film nämlich von The Asylum, jener wunderbaren Schundfabrik, die später aus dem sogenannten Mockbuster beinahe eine eigene Kunstform machte. King of the Lost World wurde ganz offensichtlich so vermarktet, dass man ein wenig vom damaligen King-Kong-Fieber abbekam: Peter Jacksons gigantische Neuverfilmung startete im Dezember 2005 – und laut Dread Central landete King of the Lost World gerade einmal 24 Stunden vorher auf dem amerikanischen DVD-Markt.
Das ist eigentlich schon wieder großartig.
Nur leider ist der Film es nicht.
Was zwischen Flugzeugabsturz und Monsterfinale übrig bleibt, bewegt sich für mich auf dem Niveau einer besonders lustlosen RTL2-Sonntagnachmittagsproduktion. Menschen laufen durch den Wald. Menschen diskutieren. Menschen laufen wieder durch den Wald. Irgendwann fragt man sich nicht mehr, ob sie jemals von der Insel herunterkommen, sondern ob man selbst noch rechtzeitig von der Couch herunterkommt.
Die Settings wirken erschreckend leblos, die Dialoge werden teilweise mit einer Fremdschamwürdigkeit heruntergeeiert, die Survival-Action besitzt kaum Dynamik – und dann wären da noch jene Eingeborenen, die aussehen, als hätte die örtliche Fasnachtsgruppe kurzfristig eine Lost World-Mottoparty veranstaltet.
Und mittendrin steht tatsächlich Bruce Boxleitner als Lt. Challenger. Ja, der Bruce Boxleitner aus TRON und Babylon 5. Zusätzlich hat man mit Steve Railsback sogar noch einen weiteren bekannten Genre-Veteranen im Cast. Wie Boxleitner in dieser verlorenen Welt gelandet ist, gehört vermutlich zu den letzten ungelösten Rätseln des Amazonas.
Dabei könnte ich selbst über die miserablen CGI-Effekte hinwegsehen. Riesenskorpione aus dem digitalen Sonderangebot? Her damit. Flugsaurier aus der Playstation-2-Hölle? Willkommen im Pulp Creature Cinema! Ein Riesenaffe, bei dem vermutlich selbst der Pixel Angst vor der Großaufnahme bekommt? Umso besser.
Aber gebt mir die Viecher!
Stattdessen verkauft die Verpackung eine Monsterparty, während der Film einen Großteil seiner Laufzeit mit Menschen verbringt, die durch Vegetation stolpern. Selbst andere Kritiken bemerkten genau dieses Missverhältnis zwischen den versprochenen Kreaturen und ihrer tatsächlichen Bildschirmzeit.
Eine hübsche zusätzliche Absurdität: Mit Conan Doyles Roman hat das Ganze ohnehin nur noch das Grundgerüst gemeinsam. Der gigantische Affe existiert im Roman überhaupt nicht. Auch die Riesenskorpione, menschenfressenden Pflanzen und geflügelten Monster gehören zu den Zutaten dieser Version. Aus Professor Challenger wurde außerdem kurzerhand ein Lieutenant Colonel der US Air Force.
Eigentlich hat The Asylum also alles richtig gemacht, um aus ehrwürdiger Literatur herrlichen Videothekenmüll zu produzieren.
Und trotzdem sitze ich am Ende da und frage mich:
Für wen wurde das eigentlich gedreht?
Für Conan-Doyle-Leser ist es zu bescheuert. Für Creature-Fans gibt es zu wenig Creatures. Für Actionfans zu wenig Action. Und für Freunde schlechten Films fehlt ausgerechnet jene hemmungslose Energie, durch die aus filmischem Unvermögen manchmal wunderbarer Trash entstehen kann.
Lange ist es her, dass ich mich durch einen Film derart abgefoltert habe.
Und damit landet King of the Lost World in einer Kategorie, die bei Kathedrale666 eigentlich viel schlimmer ist als „schlecht“:
Nicht schlecht genug, um großartig zu sein.
Nicht verrückt genug, um Spaß zu machen.
Einfach nur öde.
Kathedrale666-Urteil: Der wahre Lost World ist nicht die Insel. Es sind die 80 Minuten Lebenszeit, die irgendwo dort draußen im Dschungel verschollen sind.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen