0034. Machine Gun Kelly (1958) – Zweitsichtung – OFDb – Trailer
Eine frühe Regiearbeit von Roger Corman mit Charles Bronson als skrupellosem Gangster Machine Gun Kelly. Ich mag die Sprache des Films und besonders, dass auch die deutsche Synchronisation den rauen Jargon der damaligen Zeit einfängt. Kellys selbstgefällige Sprüche verleihen der Figur zusätzlich eine arrogante Coolness, ohne sie ins Lächerliche abzudriften.
Der Film inszeniert das Gangstermilieu erstaunlich ernsthaft und vermittelt die Härte dieser Epoche überzeugend. Bronson trägt den Film mit seiner stoischen Präsenz mühelos. Empfehlenswert ist vor allem die ungeschnittene Blu-ray von Plaion, da sie eine zusätzliche Szene enthält, in der Kelly unter dem dominanten Einfluss seiner Freundin Florence steht. Dieser Moment verleiht der Figur eine unerwartete Verletzlichkeit und zeichnet ein deutlich facettenreicheres Charakterbild.
Historisch nimmt sich Machine Gun Kelly zwar einige Freiheiten, doch gerade dadurch wirkt die Geschichte straffer und dramaturgisch geschlossener. Für mich bleibt dies ein atmosphärisch dichter und spannender Gangsterfilm aus Roger Cormans früher Schaffensphase.
Nachhall: "Für mich zählt der Film bis heute zu den unterschätztesten Gangsterfilmen der 50er-Jahre."
0035. Der letzte Zug (1962) – Zweitsichtung – OFDb – Trailer
Blake Edwards beweist hier, dass er nicht nur Komödien beherrschte. Der letzte Zug entwickelt eine beklemmende Spannung und überrascht immer wieder mit fast psychedelisch anmutenden Momenten, die vor allem durch den Täter entstehen. Gerade diese Szenen brennen sich nachhaltig ins Gedächtnis ein. Bei einer Zweitsichtung verliert der Überraschungseffekt zwar etwas an Wirkung, ihre intensive Atmosphäre bleibt jedoch erhalten.
Die Besetzung überzeugt auf ganzer Linie. Glenn Ford passt hervorragend in die Rolle des Ermittlers, auch wenn er sonst nicht zu meinen absoluten Favoriten zählt. Die eigentliche Entdeckung ist für mich jedoch Ross Martin, der dem Mörder ein verstörendes, beinahe hypnotisches Charisma verleiht. In einer kleinen Nebenrolle ist zudem Stephanie Powers zu sehen.
Nicht unerwähnt bleiben darf Henri Mancinis großartiger Score, der den Film entscheidend prägt. Seine Musik gehört für mich zu den nachhaltigsten und stimmungsvollsten Arbeiten seiner Karriere.
Nachhall: "Gerade Ross Martins Darstellung sorgt dafür, dass ich den Film auch Jahre später nicht vergessen habe."
0036. Reform School Girls (1986) – Zweitsichtung – OFDb – Trailer
Vermutlich der einzige klassische Women in Prison-Film in meiner Sammlung – und das auch nur, weil er das Genre derart hemmungslos überzeichnet. Mit viel schwarzem Humor, Zynismus und einer ordentlichen Portion Sleaze entwickelt sich ein herrlich schräger Mix aus Exploitation-Kino und B-Movie-Wahnsinn.
Natürlich setzt der Film auf sämtliche Genrezutaten: knappe Dialoge, nackte Haut, überzeichnete Figuren und jede Menge schlüpfrige Situationen. Gerade diese kompromisslose Übertreibung macht jedoch einen großen Teil seines Reizes aus.
Regisseur Tom DeSimone hatte bereits mit Hell Night und dem inzwischen zum Kultfilm avancierten Savage Streets (1984) bewiesen, dass er ein Gespür für unbequemes Genrekino besitzt. Auch Reform School Girls nimmt sich zu keiner Sekunde ernst und liefert stattdessen genau das, was Fans schräger Exploitationfilme erwarten: laut, überdreht und herrlich geschmacklos.
Nachhall: "Sicher kein guter Film im klassischen Sinn – aber genau die Art von verrücktem Genrekino, die mein Sammlerherz höherschlagen lässt."
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