Heute aus der Videothek der Nacht … Puppenhorror
0042. ROB1N – 2025 - Erstsichtung - ofdb - Trailer
Puppen begleiten mich eigentlich schon mein ganzes Leben. Mein erster Kontakt mit ihnen war wohl die Boudoirpuppe in ihrem blauen Kleid auf der Tagesdecke des Bettes meiner Oma, in einem von Kampferduft durchfluteten Schlafzimmer. Ihre abstrus überlangen Extremitäten, das blonde gelockte Haar und die toten Augen dieser Bettpuppe sollten mich bis heute begleiten – und führten mich irgendwann unweigerlich zum Subgenre des Puppenhorrors und somit auch zu ROB1N.
Wobei der Film von Jack in the Box-Regisseur Lawrence Fowler gar kein klassischer Puppenhorror mit all seinen herrlichen Pulp-Attitüden ist. ROB1N bewegt sich vielmehr irgendwo zwischen Puppen-, Roboter- und Tech-Horror, angereichert mit klassischen Gruselelementen und einigen ziemlich harten Kills.
Eine Puppe sollte sich nicht bewegen. Sie sollte nicht denken. Und sie sollte schon gar keinen eigenen Willen besitzen. Sobald sie das doch tut, wird aus einem vertrauten Gegenstand etwas Fremdes. Dazu kommen die starren Gesichtszüge und diese Augen, in die wir automatisch Emotionen hineinlesen wollen. Wahrscheinlich einer der Gründe, warum bereits ein unbewegliches Puppengesicht in der richtigen Beleuchtung ziemlich unangenehm wirken kann.
All das erfüllt ROB1N bestens. Im Zentrum steht der verwitwete Robotikexperte Aiden, der nach dem Verlust seines Sohnes Robin eine erstaunlich lebensechte Roboterpuppe erschafft. Doch hinter der Familiengeschichte verbirgt sich eine wesentlich finsterere Vergangenheit – und die lasse ich an dieser Stelle besser unangetastet. Nur so viel: Irgendwann zieht ROB1N ziemlich rücksichtslos durch das alte britische Herrenhaus und macht deutlich, dass er seinen Schöpfer nur äußerst ungern mit anderen teilt.
Das ist über weite Strecken erstaunlich kreativ inszeniert und sieht handwerklich für eine Low-Budget-Produktion ziemlich gehoben aus. Auch bei den Kills wird nicht geknausert und ROB1N zeigt sich von seiner gewalttätigsten Seite. Freunde der härteren Gangart bekommen hier also nicht nur technischen Kabelsalat, sondern auch ordentlich Fleisch am Knochen.
Wenn man dem Film etwas vorwerfen kann, dann ist es für mich seine schauspielerische Unterbesetzung. Ausgerechnet ROB1N selbst liefert dabei beinahe noch die überzeugendste Performance ab. Dafür punktet der Film gegen Ende nochmals mit seinem kriminalistischen Plot-Twist und bringt die Geschichte zu einem für mich überraschend runden Abschluss.
Nachhall:
Aus der Bettpuppe meiner Kindheit ist ein Roboter geworden. Die toten Augen sind geblieben.

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