Donnerstag, 27. August 2026

Review: The Mannequin - 2025

0054. The Mannequin - 2025 - Erstsichtung - ofdb - Trailer

Der Geist eines Serienmörders lebt in einer Schaufensterpuppe fort und drangsaliert vier Freundinnen. Was zunächst nach klassischem Puppenhorror klingt, entpuppt sich bei John Berardos The Mannequin jedoch wesentlich stärker als Mystery-Slasher und Geistergeschichte – und kommt dabei leider immer wieder ziemlich geschwätzig und inhaltlich verspielt daher.

The Mannequin ist mit Sicherheit kein schlechter Horrorfilm. Für eine kleine Indie-Produktion sieht das ordentlich aus, der Cast funktioniert und Berardo gelingen durchaus einige spannende und verstörende Momente. Besonders der schwarzweiße Prolog mit seinen roten Farbakzenten besitzt eine schöne Retroästhetik. Dazu setzt Komponist Alexander Arntzen stellenweise sogar ein Theremin ein – ein kleiner akustischer Gruß an das klassische fantastische Kino.

Im Gesamtpaket wäre für mich trotzdem deutlich mehr drin gewesen. Vor allem hätte ich mir schlicht mehr Schaufensterpuppen-Horror gewünscht. Die titelgebende Puppe bleibt weitgehend statisch. Statt selbst zum Monster zu werden, dient sie dem Geist als Gefäß, während dieser in menschliche Körper eindringt und seine Opfer manipuliert.

Und genau dort wird The Mannequin interessanter, als es zunächst scheint.

Der Killer war Fotograf. Er betrachtete Frauen durch seine Kamera, zerlegte Schönheit gedanklich – und schließlich ganz real – in einzelne Körperteile und versuchte daraus sein eigenes Ideal zusammenzusetzen. Die Schaufensterpuppe ist dafür beinahe das perfekte Symbol: ein normierter menschlicher Körper ohne Persönlichkeit und eigenen Willen.

Jahrzehnte später setzt sich dieses Prinzip fort. Der Täter kontrolliert wieder weibliche Körper – diesmal buchstäblich von innen heraus.

Der eigentliche Horror von The Mannequin liegt vielleicht gar nicht darin, dass eine Puppe menschlich wird, sondern darin, dass Menschen zu Puppen gemacht werden.

Ganz aus der Luft gegriffen scheint diese Lesart bei John Berardo nicht zu sein. Bereits sein vorheriger Slasher Initiation (Slayed - Wer stirbt als nächster?) beschäftigte sich sehr bewusst mit sexualisierter Gewalt, toxischer Männlichkeit und weiblichen Perspektiven. Nach dem Aufkommen der #MeToo-Bewegung wurde das Drehbuch nochmals überarbeitet; Berardo und sein Team sprachen dabei auch mit Betroffenen sexueller Übergriffe. Horror sollte für ihn nicht nur Unterhaltung sein, sondern gesellschaftliche Realität durch die Mechanismen des Genres sichtbar machen.

Damit lässt sich zwischen Initiation und The Mannequin durchaus eine kleine Handschrift erkennen: Berardo interessiert sich für Gewalt gegen Frauen, aber ebenso dafür, wer Kontrolle über ihre Geschichten und ihre Körper besitzt. Bei Initiation geschieht das innerhalb einer toxischen Collegekultur, bei The Mannequin wird daraus schließlich ein übernatürliches Motiv – ein Mann, der Frauen buchstäblich zu willenlosen Körpern macht.

Manipulation, Voyeurismus und die Reduktion eines Menschen auf seinen Körper schleichen sich damit durchaus interessant durch die Erzählung. Auch die Modewelt als Schauplatz bekommt plötzlich eine zusätzliche Bedeutung: eine Welt, in der Körper betrachtet, präsentiert und nach ästhetischen Vorstellungen inszeniert werden.

Nur leider ist Berardo mit diesen Ideen stärker als mit ihrer filmischen Umsetzung.

Zu oft verlieren sie sich in anspruchslosen Settings, einer eher unspektakulären Bildsprache und Dialogpassagen, die dem Mystery-Konstrukt mehr erklären wollen, als ihm guttut. Gerade weil die Schaufensterpuppe selbst eine derart starke und universell unheimliche Erscheinung besitzt, hätte ich mir gewünscht, dass Berardo ihr mehr vertraut und weniger erklärt.

So bleibt The Mannequin für mich ein durchaus brauchbares Indie-Horrorstück mit einigen guten Ideen und einem interessanteren Subtext, als seine Oberfläche zunächst vermuten lässt.

Das Kathedrale666 Urteil: Kein großer Wurf. Aber auch keine Puppe, die man achtlos im Schaufenster stehen lassen muss.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen