Heute in der Videothek der Nacht...
...zum Gedenken an Sir Sam Neill (1947–2026).
Mit Sam Neill verliert das internationale Kino einen der charismatischsten Schauspieler seiner Generation. Seine Rollen lebten nie von großen Gesten, sondern von einer ruhigen Präsenz, die selbst den finstersten Figuren Menschlichkeit oder Bedrohlichkeit verlieh. Aus diesem Anlass habe ich drei Filme aus meinem Archiv erneut angesehen, die ohne seine außergewöhnliche Darstellung kaum dieselbe Wirkung entfalten würden. Und nein – diesmal bleibt Jurassic Park bewusst außen vor.
0034. Barbara's Baby – Omen III – 1981 – Mehrsichtung – OFDb – Trailer
Die dritte Fortsetzung der Omen-Reihe sieht für ihr Alter erstaunlich hochwertig aus. Sam Neill verkörpert den erwachsenen Damien Thorn mit einer ruhigen, latenten Bedrohlichkeit, sodass ich mir den Film ohne ihn kaum vorstellen kann. Zwar stammt die Reihe ursprünglich von Richard Donners legendärem Original, doch Regisseur Graham Baker führt die Geschichte würdig weiter. Dazu kommt Jerry Goldsmiths unverwechselbarer Score, der die beklemmende Atmosphäre perfekt trägt. Der Film schreckt auch vor unbequemen Themen wie religiösem Fanatismus und Kindstötungen nicht zurück. Auf die unnötige Fuchstötung hätte ich allerdings gut verzichten können.
0035. Event Horizon – 1997 – Mehrsichtung – OFDb – Trailer
1997 hatte ich das Glück, Paul W. S. Andersons für mich bis heute stärksten Film im Kino zu erleben. Damals wurde ich von seiner Wucht und dem psychotischen Sog aus Höllenhorror und der Isolation des Weltraums regelrecht überwältigt. Auch heute hat Event Horizon nichts von seiner Intensität verloren. Sam Neill spielt den schleichenden Wandel ins Böse auf beeindruckende Weise und liefert sich mit Laurence Fishburne ein großartiges Schauspielduell. Mit an Bord ist außerdem Sean Pertwee, den ich 2019 auf einer Convention persönlich treffen durfte – eine schöne Erinnerung, die den Film für mich zusätzlich aufwertet.
0036. Daybreakers – 2009 – Mehrsichtung – OFDb – Trailer
Die Spierig-Brüder gehören für mich zu den spannendsten Regisseuren Australiens. Besonders Predestination zählt bis heute zu meinen Lieblingsfilmen. Doch auch Daybreakers überzeugt mit einer ungewöhnlichen Idee: Sam Neill verkörpert den mächtigen Obervampir als kalten Wirtschaftsmagnaten – eine treffende Metapher für ein System, das seine eigene Lebensgrundlage aussaugt. Die Geschichte hebt sich angenehm von der üblichen Vampirkost ab und beeindruckt mit ihrer kühlen, sterilen Bildsprache. Gerade der sparsame Einsatz warmer Farben verstärkt diese Atmosphäre. Abgesehen von einigen inzwischen sichtbar gealterten CGI-Effekten funktioniert der Film für mich heute noch genauso gut wie damals. Schade, dass er immer etwas unter dem Radar geblieben ist, denn Besetzung, Tempo und Inszenierung überzeugen bis heute – und mit Ethan Hawke sowie Willem Dafoe ist der Film ohnehin hervorragend besetzt.
Event Horizon im Kino erlebt zu haben, war sicher sehr eindrücklich. Und nun habe ich Bock auf Omen II um Omen III zu schauen:-)
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