PIGS – DADDY’S DEADLY DARLING - 1973 - Zweitsichtung - ofdb - Trailer
Pigs gehört für mich nicht zu den großen Grindhouse- oder Exploitation-Klassikern der 70er. Dafür fehlt dem Film jener völlig aus dem Ruder laufende Höhepunkt, der manche Drive-in-Produktion bis heute im Gedächtnis hält. Und doch hat Marc Lawrences Film etwas, das sich schwer abschütteln lässt: eine rohe, trockene und ausgesprochen unangenehme Atmosphäre.
Eine heruntergekommene Farm, leere Straßen, ein abgelegenes Café und dahinter ein Schweinestall, aus dem nichts Gutes zu erwarten ist. Lawrence braucht wenig, um dieses Gefühl von Provinz und Verfall entstehen zu lassen. Die staubigen Schauplätze und die billige Americana-Ästhetik wirken oft stärker als der eigentliche Horror. Man sieht einer Welt zu, in der kaum jemand genauer hinschaut – und in der Zambrini seine ganz eigene Ordnung geschaffen hat.
Interessanterweise stehen die Schweine dabei selten im Mittelpunkt. Sie sind vor allem eine Drohung hinter dem Café, ein Geräusch aus dem Stall, eine schmutzige Gewissheit. Wer wegen des Titels eine entfesselte Tierhorror-Orgie erwartet, dürfte enttäuscht sein. Über längere Strecken fehlt dem Film spürbar der Druck; manches zieht sich, obwohl die Geschichte genügend Stoff für einen weit wilderen Exploitationfilm geboten hätte.
Sein eigentliches Unbehagen entsteht aus der Beziehung zwischen Zambrini und Lynn. Beide tragen Gewalt mit sich herum, und zwischen ihnen entwickelt sich eine verstörende Nähe. Dass Regisseur Marc Lawrence den Farmer selbst spielt und seine Tochter Toni Lawrence die Lynn verkörpert, gibt dieser Vater-Tochter-Konstellation auch außerhalb der Handlung eine bemerkenswerte Ebene. Für die Finanzierung verpfändete Lawrence sogar sein eigenes Haus.
Auch die vielen Titel erzählen etwas über diesen Film. Pigs war bereits ein Arbeitstitel; später wurde er unter anderem als Daddy’s Girl, The Strange Exorcism of Lynn Hart und 1984 als Daddy’s Deadly Darling ausgewertet. Jeder dieser Namen verspricht einen etwas anderen Schock. Der Film selbst bleibt eigensinniger und zurückhaltender, als diese Vermarktung vermuten lässt. Troma nahm ihn erst später in seinen Katalog auf.
Pigs ist unfertig, stellenweise zu langsam und verschenkt ausgerechnet seine titelgebenden Tiere. Trotzdem bleibt etwas hängen: diese schmutzige Farm, die trockene Hitze, das ungute Gefühl hinter einer scheinbar gewöhnlichen Fassade. Für mich wirkt er weniger wie ein großer Horror-Klassiker als wie ein vergessenes Stück heruntergekommenes Americana-Kino – und gerade darin liegt sein Reiz.

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