Montag, 22. Juni 2026

Giallo de Venezia - 1979

Ich habe ein nostalgisches Faible für solche schmutzigen Eurocult-Perlen, doch was Mario Landi hier präsentiert, ist ein wahres Dreckstück von einem Film. Giallo a Venezia suhlt sich förmlich in seiner unangenehmen Atmosphäre und serviert bestialische, unappetitliche Morde, viel nackte Haut und eine Kamera, die dabei erstaunlich gnadenlos vorgeht – insbesondere bei der damals erst 25-jährigen Leonora Fani.

Bereits der Trailer vermittelt sehr gut, wohin die Reise geht: Statt der stilisierten Eleganz eines Argento oder der farbenprächtigen Ästhetik eines Bava erwartet den Zuschauer ein schmutziger, trostloser Blick auf das venezianische Giallo. Die Werbevorschau deutet bereits an, weshalb der Film über Jahrzehnte zu den umstrittensten Beiträgen des Genres zählte.

Und ganz ehrlich: Selbst unter Giallo-Fans bleibt der Film ein Außenseiter. Während die großen Klassiker oft wegen ihrer Schönheit, ihrer Musik und ihrer visuellen Opulenz gefeiert werden, wirkt Giallo a Venezia beinahe wie ein Vorbote des italienischen Exploitationkinos der frühen Achtziger – rau, pessimistisch und vollkommen frei von jeder romantischen Verklärung.

Unterhaltsam ist das nicht immer, angenehm schon gar nicht. Doch gerade diese schmierige, fast hoffnungslose Grundstimmung macht den Film zu einem ganz besonderen Ausflug in die dunklen Gassen des italienischen Genrefilms. Ein Schmierlappenfilm im besten Sinne, der eher verstört als begeistert.

Auch musikalisch geht der Film einen ungewöhnlichen Weg. Der Soundtrack stammt von Berto Pisano, einem italienischen Komponisten, Arrangeur und Jazz-Bassisten, der neben zahlreichen Genrefilmen auch für Fernsehproduktionen und die Popmusik arbeitete. Interessanterweise wurde ein Teil der Musik nicht eigens für Giallo a Venezia komponiert, sondern aus früheren Arbeiten übernommen – insbesondere aus dem Thriller Interrabang von 1969. Dadurch wirkt die Musik stellenweise fast nostalgisch oder sogar etwas fehl am Platz, was dem Film jedoch seinen eigenartigen, schmuddeligen Charme verleiht. Die vergleichsweise elegante, beinahe loungeartige Musik steht dabei in einem faszinierenden Kontrast zu den extremen Bildern.

Für Freunde obskurer Eurocult-Entdeckungen und dreckiger Randerscheinungen des Giallos ist Giallo a Venezia jedoch absolut sehenswert – und in jeder Sammlung der etwas anrüchigeren italienischen Filmgeschichte bestens aufgehoben.

Trivia: Über viele Jahre galt der Film als einer der kontroversesten Gialli überhaupt und war aufgrund seiner expliziten Gewalt- und Sexdarstellungen in mehreren Ländern nur schwer erhältlich. Gerade diese kompromisslose Mischung aus Giallo und Exploitation verschaffte ihm später einen regelrechten Kultstatus.



1 Kommentar: