Manche Geschichten begleiten einen ein Leben lang. Für mich gehört Mary Shelleys Frankenstein dazu. Nicht nur weil Frankensteins Geschöpf zu meinen absoluten Lieblingsmonstern zählt, sondern weil hinter der monströsen Fassade eine zutiefst tragische Figur steckt. Ein Wesen, das eigentlich nur geliebt werden möchte und erst durch Zurückweisung, Einsamkeit und die Sehnsucht nach seinem Schöpfer zu dem wird, was die Welt in ihm sehen will.
Guillermo del Toro hat nie einen Hehl daraus gemacht, welche Bedeutung Mary Shelleys Roman für ihn besitzt. Umso größer war meine Neugier – und gleichzeitig meine Sorge –, als seine Verfilmung bei Netflix erschien. Vielleicht waren es genau diese Erwartungen, die ich nicht haben wollte.
Und dennoch blieb am Ende Enttäuschung zurück.
Del Toro reduziert die bedrückende Melancholie und existenzielle Schwere der Vorlage auf eine Hochglanz-Ästhetik, die sich oft mehr nach Netflix-Prestigeprojekt als nach gotischem Horror anfühlt. Wo Shelley Dunkelheit, Isolation und menschliche Grausamkeit erforscht, dominieren hier opulente Bilder und ein überinszeniertes Familiendrama.
Dabei sieht der Film zweifellos beeindruckend aus. Die Kostüme sind hervorragend und dürften ihre Auszeichnungen verdient haben. Besonders Mia Goth verleiht ihrer Figur eine faszinierende Präsenz, auch wenn das Drehbuch ihr letztlich wenig Raum zur Entfaltung gibt. Oscar Isaac als Victor Frankenstein bewegt sich dagegen häufig an der Grenze zum Overacting und wirkt stellenweise eher wie eine Karikatur seiner selbst als wie ein besessener Wissenschaftler.
Auch musikalisch hinterlässt der Film kaum bleibende Spuren. Die sterile CGI-Perfektion vieler Kulissen und die makellose Präsentation nehmen dem Werk genau jene morbide Atmosphäre, die Frankensteins Geschichte eigentlich benötigt. Statt kalter Friedhöfe, düsterer Einsamkeit und existenzieller Verzweiflung erhält man eine Version, die offensichtlich darauf ausgelegt ist, möglichst viele Zuschauer abzuholen. das Design des Monsters kommt auch wenig beängstigend daher - hab mich an der Gummiästhetik gestört.
Vielleicht liegt genau dort mein Problem.
Der Horror wurde entschärft, die Tragik geglättet und das Unbehagen dem Mainstream geopfert. Alles wirkt zugänglich, sauber und konsumierbar – aber selten gefährlich oder bewegend. Die Magie, die Mary Shelleys Roman seit über zweihundert Jahren umweht, bleibt dabei erstaunlich oft auf der Strecke.
Am Ende bleibt ein handwerklich respektabler Film, der mich jedoch emotional kaum erreicht hat. Vielleicht findet diese Version von Frankenstein genau deshalb ihr Publikum auf einem Streamingdienst: Sie verlangt wenig und erklärt viel. Sie zeigt alles, lässt aber nur wenig fühlen.
Wenn das die Richtung ist, in die sich große Horrorproduktionen künftig bewegen, bin ich fast froh über die vielen ungelesenen Bücher, die noch auf meinen Regalen warten.
Keine Erwartungen gehabt.
Trotzdem enttäuscht.

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