Samstag, 23. Mai 2026

Bücher: Stephen King - Qual


Stephen King schreibt bekanntlich nicht nur Horrorromane, sondern beherrscht auch das tragische Drama – und Qual ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Im Mittelpunkt steht Clayton „Blaze“ Blaisdell, ein geistig eingeschränkter Mann, der in seiner Kindheit schwer misshandelt wurde. Nach dem Tod seines kriminellen Partners George beginnt Blaze, dessen Stimme in seinem Kopf zu hören. Gemeinsam „planen“ sie die Entführung eines Babys aus einer reichen Familie, um Lösegeld zu erpressen.

Doch der eigentliche Kern des Romans ist nicht das Verbrechen selbst, sondern die Tragik eines Menschen, der nach einer zerstörten Kindheit nie wirklich eine Chance hatte. Es geht um Einsamkeit, die Sehnsucht nach Liebe und Familie und das Schicksal eines zutiefst verlorenen Menschen. Deutlich spürbar ist dabei der Einfluss von John Steinbecks Von Mäusen und Menschen, was Qual zugleich zu einem der rohesten, traurigsten und menschlichsten Romane Kings macht.

Kings schwere, eindringliche Erzählweise, die zwischen Gegenwart, Erinnerungen und Blazes eigener Wahrnehmung schwankt, macht Qual nicht zu einem Roman, den man einfach nebenbei liest. Dafür ist die Geschichte zu tragisch, zu düster und zu fatalistisch. Gerade das macht dieses Buch jedoch so besonders – kein klassischer Stephen King, sondern ein bedrückendes Drama, das lange nachhallt.

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