🧾 Kurzinfo
- Regie: Jean Rollin
- Cast: Brigitte Lahaie
- Genre: Eurocult / Seuchenhorror / Exploitation
- Setting: ländliches Frankreich / verseuchte Provinz
- Sammlung: DVD Special Edition UNCUT
🧠 Eindruck
Wenn es um Eurocult-Exploitation geht, denke ich bis heute sofort an drei Namen:
Jean Rollin, Jess Franco und Joe D'Amato.
Mit The Grapes of Death liefert Rollin für mich eines seiner stimmungsvollsten Werke ab — irgendwo zwischen poetischem Seuchenhorror und schmutzigem Exploitationfilm.
Die Geschichte folgt Élisabeth, die mit dem Zug durch eine langsam vergiftete Provinz reist und unterwegs immer stärker begreift, dass mit der gesamten Region etwas nicht stimmt.
Dadurch entwickelt sich der Film fast wie ein seltsames Roadmovie zwischen Endzeitgefühl, Provinzhorror und frühem Eco-Horror.
Gerade dieser Umweltaspekt wirkt für einen Film von 1978 erstaunlich modern.
Verseuchte Nahrung, Pestizide und industrielle Landwirtschaft stehen permanent unterschwellig im Mittelpunkt.
Der Film erzählt extrem langsam.
Fast schon zäh.
Aber genau diese schwere, entschleunigte Art passt perfekt zu den trostlosen Herbstlandschaften und verlassenen Dörfern.
Alles wirkt feucht, grau und leicht vergiftet.
Typisch Rollin entsteht dabei weniger klassischer Zombiehorror als vielmehr eine melancholische Traumstimmung voller bizarrer Figuren und stiller Bedrohung.
Interessant ist auch, dass Rollin hier deutlich zugänglicher arbeitet als in vielen seiner surrealen Vampirfilme.
Man merkt spürbar den Einfluss von Night of the Living Dead sowie dem italienischen Zombiekino der 70er.
Zwischen dreckigen Effekten, unangenehmen Kills und den typisch schlüpfrigen Eurocult-Einschlägen entsteht fast etwas unerwartet Poetisches.
Besonders Brigitte Lahaie verstärkt dieses Gefühl eines Films, der gleichzeitig geschmacklos und kunstvoll wirken möchte.
Und genau dieser Widerspruch macht den Reiz aus.
In Deutschland lief der Film später unter herrlich reißerischen Titeln wie „Pestizide – Stadt der Zombies“ oder „Zombis geschändete Frauen“ — typisch Bahnhofskino jener Zeit.
Heute wirkt vieles daran langsam, billig und teilweise ziemlich seltsam.
Aber genau deshalb besitzt der Film bis heute diesen morbiden Kultstatus.
🩸 Stichpunkte
- Atmosphäre: melancholisch, herbstlich, vergiftet
- Effekte: roh und angenehm unangenehm
- Tempo: langsam und schwer
- Besonderheiten: früher Eco-Horror mit Eurocult-Charme
- Wiederschauwert: stark stimmungsabhängig
🕯️ Persönlicher Marker
👉 „poetischer Seuchenhorror zwischen Schönheit und Verfall“
Die Idee mit den "Stichpunkten" finde ich übrigens ziemlich cool:-)
AntwortenLöschenDanke
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