Dienstag, 28. April 2026

Bücher: Max Stascheit - Die Kathedrale

Die Finsternis – irgendwo zwischen Trash und Abgrund


Die Finsternis legt sich über Hope Falls.

Ein verdorbener Pater. Taten, die längst hätten begraben sein sollen.
Vierzig Jahre später kehrt etwas zurück, das nie wirklich verschwunden war.

Eine Gruppe jugendlicher Straftäter.
Eine verlassene Kathedrale.
Und das Gefühl, dass dieser Ort nichts vergessen hat.

Mittendrin: zwei selbsternannte Hobbysatanisten – Paul und Jack – die wirken, als hätten sie sich in den falschen Film verirrt.


Die 225 Seiten lesen sich nicht wie ein klassischer Roman.

Eher wie ein vergessenes Leihvideo aus den späten 80ern, irgendwo zwischen Staub, Neonlicht und schlechtem Gewissen.

Schrullig. Überzeichnet.
Und durchzogen von einer seltsam nostalgischen Energie.

Alles ist zu viel:
Schleim. Blut. Exzess.
Gedanken, die sich nicht dafür interessieren, ob sie geschmackvoll sind.

Und genau das funktioniert.


Stascheit schreibt, als gäbe es keine Regeln, an die er sich halten müsste.

Kein Zögern. Kein Absichern.
Nur dieses rohe Vorwärtsdrängen, das weniger subtil sein will – sondern direkt.

Man merkt schnell:
Dieser Text will nicht gefallen.
Er will wirken.


Beim Lesen hatte ich mehrfach dieses leichte Unbehagen, das man nicht ganz erklären kann.

Nicht, weil alles schockierend ist.
Sondern weil es sich weigert, sauber zu funktionieren.

Wie etwas, das man früher vielleicht gefeiert hätte –
und heute mit einem schiefen Blick betrachtet.


Interessant ist, dass Jahre später mit Die Finsternis eine Fortsetzung folgte.

Fast so, als hätte diese Welt noch nicht genug Schaden angerichtet.


Und vielleicht ist genau das der Punkt:

Man liest das nicht, weil es perfekt ist.
Sondern weil es sich anfühlt wie etwas, das man eigentlich längst hinter sich gelassen hat.

Und das plötzlich wieder vor einem steht.


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